CSU-Landesgruppenchefin Hasselfeldt Ihr Sohn ist inzwischen selbst in der Politik

Richtig hart wurde es aber erst danach. 1987 kam Hasselfeldt in den Bundestag. 1989 wurde sie Bauministerin. 38 Jahre war sie damals alt - so jung wie Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister. Außerdem übernahm sie den Wahlkreis Fürstenfeldbruck westlich von München. Mit der deutschen Einheit wurde aus dem ansonsten eher geruhsamen Amt des Bauministers ein Knochenjob. 1991 berief Kohl sie dann auf den vermutlich härtesten aller Kabinettsposten: Die CSU-Politikerin wurde Gesundheitsministerin.

Acht Jahre war ihre Tochter damals als, der Sohn 14. Das ging nicht gut: Das neue Ressort mit seinen Abgründen, der Kampf mit den Lobbyisten, die Situation zu Hause. Hasselfeldt war überfordert, trat nach 15 Monaten im Amt aus "gesundheitlichen Gründen" zurück. In der Zeit scheiterte auch ihre Ehe. "Ich zog 1991 zusammen mit dem Sohn aus, meine Tochter blieb bei ihrem Vater", sagt sie. Neuer Gesundheitsminister wurde damals übrigens Seehofer.

Zwei Jahrzehnte ist das jetzt her. Inzwischen hat sich die CSU-Politikerin längst wieder nach oben gearbeitet. In der Unionsfraktion wurde sie erst finanzpolitische Sprecherin, dann stellvertretende Vorsitzende. 2005 wählte sie der Bundestag zu seiner Vizepräsidentin.

Jeder soll sein Modell leben - ohne staatliche Bevorzugung Einzelner

Eigentlich dachten alle, das würde ihr Austragsstüberl. Doch dann musste Guttenberg im März 2011 zurücktreten. In der CSU drehte sich das Personal-Karussell. Und am Ende war Hasselfeldt Chefin der CSU-Landesgruppe. Vor zwei Monaten wurde sie dann auch noch zur Spitzenkandidatin der CSU für die Bundestagswahl gekürt - ebenfalls als erste Frau in der Geschichte der Partei. Außerdem lebt Hasselfeldt längst in zweiter Ehe mit dem früheren CSU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Zeitlmann zusammen. Ihr Sohn ist inzwischen selbst in der Politik, als dritter Bürgermeister. Und die kleine Sarah ist bereits das dritte Enkelkind.

Wer Hasselfeldt nun fragt, wie ausgerechnet jemand mit so einer Biografie das Betreuungsgeld durchsetzen könne, bekommt eine nachdenkliche Antwort. "Ja, ich komme in der Diskussion von der anderen Seite", sagt sie. Hier sei sie eine "Konvertitin". Aber inzwischen habe man ja den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz beschlossen. Die Lage sei also nicht mehr so wie in den siebziger Jahren im Bayerischen Wald. 1000 Euro koste ein Krippenplatz monatlich den Staat. Da sei es doch nur fair, dass Eltern, die ihr Kind nicht in eine staatliche Einrichtung geben, 150 Euro Betreuungsgeld bekämen.

"Ich will nicht, dass sich Mütter für ihre jeweilige Biografie und den Weg der Kindererziehung rechtfertigen müssen", sagt Hasselfeldt. Jeder solle sein Modell leben können. Der Staat dürfe hier niemanden bevorzugen. "Deshalb bin ich vom Betreuungsgeld überzeugt, denn es schafft echte Wahlfreiheit." Wer sie so reden hört, fühlt sich schnell an Angela Merkel erinnert: dieses brutal Pragmatische, Unideologische, Zurückhaltende und Effiziente. Kein Wunder, dass die beiden sich so gut verstehen.