CSU-Klausur in Kreuth "Ich kämpfe mit offenem Visier"

Demonstrative Einigkeit: CSU-Chef Horst Seehofer (M.), flankiert von Generalsekretär Alexander Dobrindt und Landesgruppen-Chefin Gerda Hasselfeldt.

(Foto: dpa)

Horst Seehofer weist im SZ-Gespräch den Vorwurf zurück, er gehe zu hart mit seinen Parteifreunden um. Außerdem warnt er davor, das Amt des Ministerpräsidenten und den CSU-Vorsitz nach seiner Zeit wieder auf zwei Personen zu verteilen.

Von Robert Roßmann, Berlin, und Mike Szymanski, Wildbad Kreuth

Es ist eine kurze, aber ganz bewusste Geste für die Kameras. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt legt seinen Arm um Gerda Hasselfeldt, die Chefin der CSU-Bundestagsabgeordneten. Dann marschieren die beiden Arm in Arm auf Horst Seehofer zu, um ihn demonstrativ freundlich in Empfang zu nehmen. Nach dem Ärger um die Lästereien des Parteichefs will die CSU bei ihrer Winterklausur in Kreuth Einigkeit zeigen. Sogar Seehofer stört an diesem Tag die Harmonie nicht.

Seehofers engster Machtzirkel

Klicken Sie sich in unserer interaktiven Grafik durch Seehofers Machtzirkel.

Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung geht Seehofer auf den Vorwurf ein, er behandle seine Parteifreunde zu hart. Auch er müsse damit leben, dass viel über ihn geredet werde, "vieles davon anonym oder über Zeitungen", sagt der CSU-Chef. So etwas nehme er "in 90 Prozent aller Fälle sportlich-locker, so sollten wir es alle halten". Seehofer sagt: "Ich habe nie in Hinterzimmern gekämpft. Ich kämpfe mit offenem Visier. Das, was ich denke, sage ich." Auf diese Weise habe er auch die "ungerechte Kopfpauschale in der Krankenversicherung" verhindert. Im Dezember hatte der CSU-Chef auf einer Weihnachtsfeier vor Journalisten abfällig über den bayerischen Finanzminister Markus Söder, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gesprochen. Dies hatte in der CSU zu erheblichem Unmut geführt.

Seehofer skizziert in dem Gespräch auch seine Vorstellung von den Wahlkämpfen in diesem Jahr. "Als CSU-Chef möchte ich der Kanzlerin vorschlagen, dass wir uns sehr klar vom politischen Gegner abgrenzen", sagt der CSU-Chef. Gegner seien eindeutig SPD und Grüne. Die CSU werde "auf eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb hinarbeiten und auf keine andere Konstellation". Schließlich stehe Rot-Grün für eine "falsche Politik von vorgestern". Die Linie der CSU werde sein: "Klare Kante, klare Botschaften".

Seehofer sagt, er habe "null" Angst, bei der Landtagswahl im Herbst die Macht zu verlieren. Er sei fast jeden Tag in Bayern unterwegs. Die Menschen seien "mit der Lage mehr als zufrieden". Es wäre "aber brandgefährlich zu sagen, wir haben alles geschafft und lehnen uns zurück". Für ihn sei "Lähmung in der Politik gefährlicher als Rebellion". Seehofer lobt Bundeskanzlerin Angela Merkel ausdrücklich. Die CDU-Chefin werde von der CSU "hoch respektiert und anerkannt". Merkel sei "eine starke Kanzlerin". Sie und er hätten "seit Längerem einen Stil der Zusammenarbeit gefunden, bei dem man sich gegenseitig zuhört, akzeptiert und die Meinung des anderen aufnimmt - das ist keine gespielte Harmonie". Seit einigen Monaten spüre man in Bayern "Rückenwind" aus Berlin. Das liege "an der guten Arbeit der Bundesregierung" - daran sei die CSU aber auch "nicht ganz unbeteiligt".

Seehofer spricht auch über die Zeit nach ihm

Über das politische Personal in Deutschland äußert sich Seehofer kritischer. "Früher haben wir bei mir zu Hause in Ingolstadt auf Parteilisten auch Plätze für Arbeiter bei Audi reserviert", sagt der CSU-Chef. Jetzt heiße "die Devise oftmals: Studium abschließen, egal welches, und ab in die Politik". Das schaffe Abhängigkeiten.

Der Ministerpräsident spricht auch über die Zeit nach ihm. Er gehe davon aus, dass die CSU die Landtagswahl im September gewinnen werde. In "den Jahren danach" werde man sehen, wer "als möglicher Nachfolger die beste Performance entwickelt". Überlegungen, dann das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten und den CSU-Vorsitz wieder auf zwei Personen zu verteilen, erteilt Horst Seehofer eine Absage. Er sagt: "Ich plädiere dafür, dass man dann das Amt des Regierungs- und des Parteichefs in einer Hand belässt." Alles andere sei "gut gemeint, aber blauäugig und funktioniert nicht".