Craft-Bier Der Trend geht zum Aromahopfen

Die ganze Welt des Bieres: Sommelier Holger Hahn arbeitet sich durch die Vielfalt an Getränken aus aller Welt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Aus den USA kommt die Idee, Bier mit vielfältigen Geschmacksnoten zu brauen: Himbeer, Rhabarber oder Milch im Krug? Es muss ja nicht immer allen alles schmecken.

Von Andreas Schubert

Die bayerischen Brauer, besonders die Münchner, sind ja schon stolz auf ihr Bier. Das zeigt sich nicht nur jedes Jahr kurz vor dem Oktoberfest, wenn die Braumeister ihre Kreationen bei einer Bierprobe wortreich anpreisen - mal als löwenstark, mal als umwerfend oder sonst wie besonders. Nur: Menschen wie der Münchner Biersommelier Holger Hahn können dem Geschmack des Wiesnbieres nur wenig abgewinnen. Wer an einer Bierverkostung mit Hahn teilnimmt, wird überrascht sein, welche Geschmacksrichtungen sich beim Brauprozess wirklich herstellen lassen.

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Das Motto lautet: Es muss nicht jedes Bier jedem schmecken

Craft-Bier ist für Bierkenner wie Hahn das Zauberwort. Wörtlich übersetzt bedeutet das nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier. Nun ließe sich einwenden, dass dies auf jedes Bier zutrifft, auch auf Massenware. Aber es steckt weit mehr dahinter. Craft-Bier steht laut Hahn für Experimentierfreude und für eine ungeheure Vielfalt, die zunehmend beliebt wird. Biere mit Bananen- oder Himbeeraromen, schweres dunkles Gebräu, das geschmacklich eher an gezuckerten Speck erinnert, leicht saure oder extrem bittere Biere und und und. Das Motto der Craft-Brauer lautet: Es muss nicht immer alles allen schmecken, sonst wäre man ja wieder beim Massenbier. Und auch Sommelier Hahn sucht für seine Verkostungen eigens Biere aus, bei denen so mancher erst mal das Gesicht verzieht.

Weil viele Biertrinker vom Einheitsgeschmack genug hatten, ist in den USA in den Siebzigerjahren die Craft-Bier-Bewegung entstanden, in deren Zuge unzählige Kleinstbrauereien alte und neue Braukunst pflegen. Etwa 4000 Brauereien gibt es in den USA. Und glaubt man den Ende März veröffentlichten Angaben der Brewers Association, hat Craft-Bier inzwischen einen Marktanteil von zwölf Prozent des gesamten US-Bierabsatzes erreicht. Seit gut fünf Jahren wird auch hierzulande immer mehr über Craft-Bier geredet und geschrieben - und auch die Zahl der Betriebe wächst kontinuierlich, ob sie nun Buddelship heißen, Camba Bavaria, Crew Republic oder Ale-Mania.

Wie viele Craft-Bier-Brauereien es hierzulande gibt, lässt sich statistisch nicht genau erfassen. Nach Angaben des deutschen Brauerbundes ist die Zahl der Brauereien in Deutschland insgesamt in den vergangenen zehn Jahren um 107 Betriebe auf 1388 gestiegen. Gut die Hälfte davon seien sogenannte Mikrobrauereien mit einem Ausstoß von bis zu 1000 Hektoliter jährlich. Viele davon stellen aber auch konventionelle Biere her, weshalb es hierzulande keine belastbaren Angaben zum Marktanteil von Craft-Bier gibt. Dennoch nennt der Brauerbund als Hauptgrund für das Wachstum eben die wachsende Craft-Bier-Szene.