Claus Leggewie über Occupy Wall Street "Brauchen Sie Bono?"

Mit Masken gegen Banken

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Leggewie: Nein, da nagelt man einen Pudding an die Wand. Das Beste, was man in dieser Hinsicht tun kann, ist zu protestieren. Und diesen Protest in ein antikapitalistisches Gesellschaftsprojekt zu verwandeln.

sueddeutsche.de: An diesem Samstag heißt es hier in Frankfurt: Occupy! Gehen Sie hin?

Leggewie: Ja, ich habe es vor.

sueddeutsche.de: Können die weltweit geplanten Proteste, die von Occupy Wall Street und den Madrider Indignados inspiriert sind, zu einer echten politischen Kraft werden?

Leggewie: Können sie. Aber nur wenn die Proteste nachhaltiger werden - über das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Man denkt, als Einzelner könne man nichts ausrichten, denn was ist mit all den anderen? Soziale Bewegungen haben am Anfang immer diese Zweifel. Die Ur-Grünen haben es nicht im Traum für möglich gehalten, dass ihre Themen den Mainstream beschäftigen werden. Heute ist es totaler Mainstream. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit kommt nur, indem man sich professionalisiert und institutionalisiert.

sueddeutsche.de: Bedeutet das, dass Occupy Wall Street Führungspersönlichkeiten benötigt, um Erfolg zu haben?

Leggewie: Die Medien brauchen Gesichter, ich brauche sie nicht. Brauchen Sie Bono (Sänger der Rockband U2, die Redaktion)? Sie sehen am Beispiel von Madrid und Ägypten, dass Massenbewegungen nicht unbedingt Stars benötigen. Da haben sich alle zurückgenommen.

sueddeutsche.de: Inhalte werden nun mal auch durch Personalisierung transportiert. Der Investor George Soros hat sich beispielsweise auf die Seite von Occupy Wall Street geschlagen.

Leggewie: Da lässt man den Bock zum Gärntner werden, aber das ist okay. Aber mir ist jeder einzelne Paulus lieber, als eine Million Saulusse.