CDU-Parteitag Merkel mit mehr als 97 Prozent wiedergewählt

Dass sie ein gutes Ergebnis bekommen würde, war klar: Doch die gut 97 Prozent, mit denen Angela Merkel als CDU-Vorsitzende wiedergewählt wurde, sind der höchste Wert, den sie je erzielt hat. Das beste Ergebnis bei den Stellvertretern erhält die rheinland-pfälzische Landeschefin Julia Klöckner.

Als alles vorbei ist, muss Angela Merkel um Fassung kämpfen. Sie ringt ein bisschen mit sich, muss mehrmals schlucken und dann vergießt sie fast ein Tränchen. Gerade haben sie die Delegierten des CDU-Parteitages in Hannover wiedergewählt, mit einem phänomenalen Ergebnis: 97,94 Prozent.

So viel hatte Merkel, die seit dem Jahr 2000 Vorsitzende ist, noch nie erhalten. Vor zwei Jahren waren es gut 90 Prozent. Bei der jetzigen Wahl gaben insgesamt 931 Delegierte ihre Stimme ab. 903 stimmten mit Ja, 19 mit Nein und neun Delegierte enthielten sich. Die Enthaltungen werden bei der Berechnung der Prozente in der CDU nicht berücksichtigt.

"Wer mich kennt: Ich bin echt platt und bewegt", sagte Merkel nach der Wahl unter dem tosenden Applaus der Delegierten, die sie minutenlang feierten.

Klöckner erreicht 93 Prozent, schwaches Eregbnis für Von der Leyen

Bei der Wahl für die Stellvertreter-Posten erreichte die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner mit fast 93 Prozent das beste Ergebnis. Sie gilt mit 39 Jahren als Nachwuchshoffnung der CDU.

Erwartungsgemäß wurden der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (83 Prozent) und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (69 Prozent) als Parteivizes bestätigt. Von der Leyen erzielte dabei jedoch ein deutlich schlechteres Ergebnis als vor zwei Jahren, als sie mehr als 85 Prozent erreichte. An der Arbeitsministerin war in der Partei Kritik wegen der von ihr angestoßenen Debatte über Altersarmut laut geworden.

Neu gewählt wurden deshalb neben Klöckner auch Baden-Württembergs Landesvorsitzender Thomas Strobl (68 Prozent) und der Chef der nordrhein- westfälischen CDU, Armin Laschet (67 Prozent), beide allerdings mit relativ schwachen Ergebnissen. Die bisherigen Merkel-Stellvertreter Norbert Röttgen und Annette Schavan traten in Hannover nicht mehr an. Um Kampfkandidaturen zu vermeiden, hatte der Parteitag zuvor die Zahl der Vize-Vorsitzenden von vier auf fünf erhöht.

Gestärkt wurde dagegen Wolfgang Schäuble: Der Finanzminister, der wegen Verhandlungen über die europäische Bankenaufsicht in Brüssel zunächst nicht beim Parteitag anwesend war, wurde mit 92 Prozent in das Parteipräsidium wiedergewählt. Auch die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer erreichte mit fast 84 Prozent ein gutes Resultat. Weiterhin ins Präsidium gewählt wurden Karl-Josef Laumann, der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (80 Prozent), Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (79 Prozent), die Berliner Deutsch-Türkin Emine Demirbüken-Wegner (63 Prozent), Eckart von Klaeden (59 Prozent) und der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder (55 Prozent).

Traditionell wichtig ist in der CDU der Regionalproporz, also dass alle großen Landesverbände bei den Stellvertreter-Posten und Präsidiumssitzen angemessen zum Zug kommen. Die Wahl von Strobl und Laschet ist vor allem vor diesem Hintergrund zu sehen, stellen doch die baden-württembergische und die nordrhein-westfälische CDU in Hannover fast die Hälfte der Delegierten.

Die niedersächsische Landeshauptstadt wurde vor allem deshalb ausgesucht, um David McAllister zu stärken. Der stellt sich am 21. Januar erneut als Ministerpräsident zur Wahl - ihm droht die Niederlage, vor allem, weil sein Koalitionspartner FDP schwächelt. Jetzt schwärmt McAllister vom "Rückenwind", den er aus dem Bund erhalte und sieht seine Partei für die Wahl gut gerüstet. "Es gibt keine Wechselstimmung im Land", behauptet er auf dem Parteitag. Zumindest die Umfragen geben ihm recht. Laut der jüngsten Sonntagsfrage vor vier Wochen ist die CDU mit 41 Prozent derzeit stärkste Kraft in Niedersachsen.

Die SPD jedenfalls dürfte sich am bisher erfolgreichen Parteitag und am starken Wahlergebnis für Merkel messen. Am kommenden Sonntag kürt sie am selben Ort Peer Steinbrück zu ihrem Kanzlerkandidaten - und wird versuchen ähnlich hohe Geschlossenheit zu demonstrieren. Allerdings: Fast 98 Prozent hat noch nie ein sozialdemokratischer Kanzlerkandidat erzielen können.