Castor-Transport: Liveticker Castoren erreichen Gorleben

Die Container mit dem hochradioaktiven Abfall sind in Gorleben eingetroffen. Die letzten 20 Kilometer der Strecke konnten die Tieflader unbehelligt passieren. Die Entwicklungen des Tages im sueddeutsche.de-Liveticker.

Seit Freitag ist der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll vom französischen La Hague in Richtung Gorleben unterwegs. Die größte Anti-Atom-Bewegung seit Jahrzehnten will die Ankunft des Transportes verhindern und harrt auf der Zufahrtsstraße nach Gorleben aus. Die Entwicklungen des Tages im Liveticker von sueddeutsche.de.

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02:00 Uhr

Der Transport steht vor seiner letzten und schwierigsten Etappe. Im Verladebahnhof Dannenberg stehen die Laster mit den Castor-Behältern. Von der Betreibergesellschaft des Zwischenlagers Gorleben hieß es, dass zum vollständigen Abschluss der Umladung noch technische Messungen nötig seien. Erst dann dürfen sich die Lastwagen in Bewegung setzen. Dies dürfte noch etwa eine Stunde dauern. Dann müssen die Tieflader nur noch etwa 20 Kilometer zurücklegen . Doch Greenpeace blockiert nach wie vor mit einem Bierlaster den Weg, den die Aktivisten sogar fest am Boden verankert haben. Tausende Demonstranten warten außerdem auf der Strecke, um den Castor aufzuhalten. Die Organisatoren kündigten heftigen Widerstand an.

05:08 Uhr

Die Räumung der Demonstranten vor dem Zwischenlager in Gorleben beginnt. Um 3.17 Uhr erging von der Polizei die dritte und letzte Aufforderung an die Protestierenden, das Areal zu verlassen.

05:11 Uhr

Die Polizei räumt eines der größten Hindernisse für den Castor-Transport aus dem Weg. Nahe des Dorfes hatten sich vier Demonstranten an eine Betonpyramide gekettet. Spezialisten der Polizei hätten das Hindernis am Dienstagmorgen beseitigt, sagte ein Polizei-Sprecher. Vor dem Bahnhof bemühten sich Spezialkräfte der Polizei weiter, einen in der Straße verankerten Lastwagen zu entfernen. Mindestens zwei Aktivisten hatten sich dort den Angaben nach einbetoniert.

06:07 Uhr

Die Räumung der Blockade vor dem Zwischenlager in Gorleben kommt nur langsam voran. Die Polizei versucht zudem zu verhindern, dass bereits von der Transportstrecke weggetragene Demonstranten sich an anderer Stelle wieder in die Blockade einreihen. Die Atomkraftgegner harren zum Teil seit Sonntag vor dem Zwischenlager in Niedersachsen aus. Indes spannten Mitglieder der Umweltorganisation "Robin Wood" Seile über die Transportstrecke für die hoch radioaktive Fracht. In mehreren Metern Höhe war auf einem Transparent zu lesen: "Endstation Atom. Sofort alle aussteigen."

06:27 Uhr

Die Polizei will derzeit keine Prognose abgeben, wie lange die Räumung dauern wird. "Wir haben noch einiges vor uns", sagte ein Sprecher. Es sei absehbar, dass die Räumung noch mehrere Stunden dauern würde. Beide Seiten betonten, die Atmosphäre sei friedlich. Über Lautsprecher werden die Polizisten von den Protestorganisatoren für den Umgang mit dem Demonstranten gelobt: "Das ist super, wie ihr das macht."

06:33 Uhr

Mehr als elf Stunden nach dem Beginn der Greenpeace-Blockade des Verladebahnhofs Dannenberg durch einen Bierlaster hat die Polizei die beiden einbetonierten Aktivisten aus dem Lkw geholt. Bis 06.15 Uhr waren die Greenpeace-Anhänger mit Hilfe von Presslufthämmern und Trennschleifern aus dem Beton gelöst. Bereits eine Stunde zuvor hatten Polizisten die ersten der ursprünglich fünf Aktivisten der Umweltorganisation aus dem acht Meter langen umgebauten Brauereifahrzeug geholt. Ein Mann und eine Frau waren laut Greenpeace in einer Metall-Beton-Konstruktion so befestigt, dass die Polizei den Lkw nicht fortbewegen könne, ohne sie zu verletzen.

07:27 Uhr

Die Räumung der Straßenblockade auf der Zufahrtsstraße nach Gorleben geht zügiger voran als anfangs. Augenzeugenberichten zufolge sitzen nur noch etwa 1000 der ursprünglich 3000 bis 4000 Protestierer auf der Straße. "Die Leute werden jetzt rasch weggetragen. Die Polizei greift auch rabiater durch", sagte ein Augenzeuge. Über der Strecke hängt auf einem Seil zwischen zwei Strommasten auch noch ein Kletterer in etwa sechs Metern Höhe. Vor dem Verladebahnhof im 20 Kilometer entfernten Dannenberg ist der Weg schon jetzt so gut wie frei: Die Polizei löste zwei Greenpeace-Mitglieder mit Bohrhämmern und schwerem Spezialwerkzeug aus einem umgebauten Bierlaster. Die beiden hatten sich dort mit Armen und Beinen einbetoniert. Wann die Castoren weiterfahren, ist noch immer offen. "Zeit ist kein Faktor", sagte ein Polizeisprecher in Dannenberg.

07:48 Uhr

Die Blockade vor dem Atommüll-Zwischenlager Gorleben ist aufgelöst. Die Polizei hat die letzten Protestierer von der Straße getragen. Mehrere tausend Atomkraftgegner hatten dort insgesamt 44 Stunden ausgeharrt und den Weg zum Zwischenlager versperrt. Wann die Einsatzleitung der Polizei den Startschuss für die letzte Etappe des Castor-Transports von Dannenberg nach Gorleben gibt, ist noch offen. Falls der Tieflader- Konvoi auf den letzten 20 Straßen-Kilometern zum Zwischenlager nicht mehr aufgehalten wird, könnte er die Strecke in rund einer Stunde schaffen.

07:51 Uhr

Die Polizei hat die Aktivisten der Umweltorganisation "Robin Wood", die sich an Seilen über die Zufahrtsstraße gehängt hatten, nach dreieinhalb Stunden gegen heruntergeholt.

08:06 Uhr

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hält Sitzblockaden gegen den Castor-Transport nach Gorleben für eine legitime Protestform. "Wenn es in dieser Weise geschieht, denke ich, ist es ein gutes Zeichen für unsere Demokratie", sagte Schneider am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Gewalttätige Auseinandersetzungen wie zwischen Atomkraftgegnern und Polizisten am Wochenende lehnte der rheinische Präses aber deutlich ab: "Wir müssen solche Dinge sofort eindämmen, denn wir wollen nicht Formen des Krieges miteinander praktizieren." Schneider sprach sich zudem gegen bisherige Konzepte für die Endlagerung von Atommüll aus: "Bei der Endlagerung müssen wir Zeiträume anpeilen, die gehen weit über das hinaus, was ein Mensch verantworten kann", sagte er. "Wir können real gesehen gar keine Form der Verantwortung übernehmen."

08:28 Uhr

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, macht die schwarz-gelbe Bundesregierung für die massiven Anti-Atom-Proteste im Wendland mitverantwortlich. "Die Proteste haben zugenommen - das war nach der Aufkündigung des Grundkonsenses durch die Bundesregierung auch nicht verwunderlich", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle. "Der rot-grüne Ausstiegsbeschluss war ein Fortschritt und hat die Atomfrage weitgehend in den Hintergrund gedrängt. Dieser Grundkonsens ist aufgegeben worden. Und wer das tut, der muss damit rechnen, dass dies in der Gesellschaft zu Konflikten führt ­ auch zu Gewalt."

08:34 Uhr

Nach Ansicht von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) muss sich die Atomindustrie nicht an den Kosten für den Castor- Polizeieinsatz beteiligen. "Was hier geschieht, geschieht als legale Tätigkeit. Diese Kernkraftwerke und diese Transporte sind genehmigt", sagte Röttgen in der ARD-Talksendung "Beckmann" am Montagabend. Eine sichere, zumindest vorläufige Deponierung des Atommülls in Zwischenlagern sei Aufgabe des Staates. "Wir haben Kernenergie in der Vergangenheit genutzt, und diese Folgen müssen wir heute tragen. Dafür zahlen wir Steuern - das ist so."

08:37 Uhr

Der Castor rollt wieder. Der erste der elf Behälter mit der hochradioaktiven Fracht ist unterwegs. Etwa 20 Kilometer muss der Atommüll bis nach Gorleben noch auf der Straße zurücklegen.

08:41 Uhr

Seit Jahrzehnten haben nicht mehr so viele Menschen gegen Atomkraft protestiert wie in diesen Tagen im Wendland: Bis zu 4000 Menschen blockierten bis in die frühen Morgenstunden die Zufahrt nach Gorleben. Seit Sonntag harrten sie 45 Stunden lang auf der Straße aus und verbrachten zwei Nächte bei Minusgraden, bevor sie von den Einsatzkräften weggetragen wurden.

08:41 Uhr

Auf seine letzte Etappe startet der Castor-Transport mit eintägiger Verspätung. Zuletzt haben eine Sitzblockade mit Tausenden Atomgegnern und eine Laster-Blockade von Greenpeace die Abfahrt vom Verladebahnhof Dannenberg massiv verzögert. Der Castor-Transport ist der längste in der Geschichte deutscher Atommüll-Transporte. Er startete am Freitag in Frankreich.

08:49 Uhr

Die 123 Tonnen hochradioaktiven Atomabfalls sollen auf der sogenannten Nordroute zum Zwischenlager gelangen: Um 8.35 Uhr verlässt der erste von elf Tiefladern den Verladebahnhof im niedersächsischen Dannenberg. Der Konvoi schwenkt auf die nördliche der beiden möglichen Routen nach Gorleben ein. Sie führt über die Dörfer Quickborn und Langendorf nach Grippel, wo sie auf die Südroute trifft.

09:05 Uhr

Nach ersten Meldungen, dass der Atommüll-Konvoi die Nordroute nehmen würde, scheint das nun nicht mehr unbedingt richtig. Reporter vor Ort berichten von sich überschlagenden Meldungen. Läuft alles glatt, könnten die Castoren schon kurz nach 9.30 Uhr das Zwischenlager erreichen. Allerdings war der letzte Teil des Transports in den Vorjahren oft der schwierigste und derjenige, der am härtesten zwischen Polizei und Protestierern umkämpft war.

09:16 Uhr

Über die Südroute rollen die Transporter die letzten Kilometer Richtung Gorleben. Anderslautende Meldungen wurden zunächst möglicherweise auch bewusst gestreut, um die Strecke von Protestaktionen frei zu halten.

09:22 Uhr

Auch im fernen Berlin sorgt der Castor-Transport für angespannte Stimmung. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag nannte die Atompolitik ein Ausschlusskriterium für eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene. "Ich habe gehört, wie Frau Merkel die Tür zugezogen hat",sagte Künast im ARD-Morgenmagazin. "Auf Bundesebene ist doch die Frage klar: Da ist immer die Frage zu stellen nach dem Ausstieg aus der Atompolitik. Das steht sozusagen in der Geburtsurkunde der Grünen." Die Atompolitik von Schwarz-Gelb nannte Künast eine "politische Provokation", den zivilen Widerstand in Gorleben "eine Sternstunde der Demokratie".

09:25 Uhr

Die Vertreter der Polizeikräfte erneuern ihre Kritik am Einsatz rund um den Castor-Transport: Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, fordert eine politische Diskussion über die Begleitumstände des massiven Widerstands gegen den Castor-Transport. Dabei müsse geklärt werden, ob dieser "massenhaft zelebrierte Rechtsbruch, der da geschieht, auch tatsächlich die Form des Protestes ist in einem Rechtsstaat, die wir haben wollen", sagte Wendt am Dienstag im RBB-Inforadio. Zudem solle analysiert werden, ob der Angriff auf die Funktionsfähigkeit der Polizei tatsächlich in dieser Weise hingenommen werden könne. Wendt kritisierte die Aushebelung des Bundesrats bei der Entscheidung über die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke: "Das kommt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern, im übrigen auch bei den Polizisten, als Taschenspielertrick an, um ein wichtiges Verfassungsorgan auszuhöhlen."

09:30 Uhr

TV-Reporter berichten, dass die Schwerlaster mit den elf Castoren schnell unterwegs sind. Neue Protestaktionen sind bisher ausgeblieben. Der Konvoi wird von massivem Polizeischutz durch die Dörfer auf den letzten Kilometern der Strecke begleitet. Wie in den vergangenen Jahren nehmen die Laster mit dem Atommüll die sogenannte Südstrecke.

09:40 Uhr

Über dem Zwischenlager in Gorleben kreisen schwere Transporthubschrauber der Bundespolizei. Das Waldgebiet zu beiden Seiten der Route, der Naturpark Elbufer-Drawehn, ist nur schwer zu kontrolllieren. Noch immer rollen die Schwerlasttransporter allerdings unbehelligt durch das Wendland.

09:48 Uhr

Nach rund 92 Stunden hat der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll am Dienstagmorgen das Zwischenlager Gorleben erreicht.

09:54 Uhr

Um 9.47 Uhr traf der von starken Polizeikräften gesicherte Lkw-Konvoi mit den elf Atommüllbehältern im Zwischenlager im Wendland ein, wie ein AFP-Reporter vor Ort berichtete.

10:00 Uhr

Ein Tieflader nach dem anderen fährt durch das Tor auf das Gelände des Zwischenlagers. Für den letzten Abschnitt seiner Reise aus dem französischen Valognes brauchten die Atommüll-Container nur etwa eine Stunde.

10:01 Uhr

Einzelne Farbflecken auf den weißen Atommüll-Behältern zeugen von Farbbeutel-Attacken. Insgesamt konnte der Konvoi die letzten 20 Kilometer allerdings störungsfrei passieren. Nach dem zermürbenden Protest der vergangenen Tage blieben weitere Aktionen von Seiten der Atomkraft-Gegner aus.

10:03 Uhr

Das Tor schließt sich. Der langwierigste Castor-Transport in der Geschichte der Bundesrepublik hat sein Ziel erreicht.