Heute vor 2050 Jahren trug sich in Rom Dramatisches zu: Verschwörer lauerten dem Diktator Gaius Iulius Caesar auf und erdolchten ihn. Der Name des Opfers überdauerte die Zeiten und ist Thema eines Gesprächs mit dem klassischen Philologen Wilfried Stroh.
Wilfried Stroh ist emeritierter Professor für Klassische Philologie an der Uni München. Für antike Theaterstücke schlüpft er schon mal in die Toga und spricht lateinisch. (© Foto und Montage: Oliver Das Gupta und Frederic Huwendiek)
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sueddeutsche.de: Welche Bedeutung hat Cäsars Name und sein Wirken heute, 2050 Jahre nach seiner Ermordung?
Wilfried Stroh: Durch seine Unterwerfung Galliens hat er - auch wenn dies aus selbstsüchtigen Motiven und nicht im Interesse des Staats geschah - beigetragen zur Grundlegung dessen, was wir heute Europa nennen, eine Gemeinschaft des Rechts, der Religion und der lateinischen Sprache.
sueddeutsche.de: Viele Menschen rühmten Cäsar als genialen Staatsmann. Sie nicht. Warum?
Stroh: Ich kann die angeblich großen und ersprießlichen Pläne, die Cäsar zum Wohl des Staats gehabt haben soll, nicht erkennen. Er war ein glänzender Feldherr, ein guter Schriftsteller - aber zugleich war er völlig brutal, indem er, ohne selbst angegriffen zu sein, hemmungslos Tausende und Abertausende von Menschen hinmetzelte.
sueddeutsche.de: Damit das endlich mal klar ist: Wie sprachen die alten Römer den Namen aus? "Zäsar" oder "Käsar"?
Stroh: Beide Aussprachen sind falsch. Zu sprechen ist es "Kaisar", wobei aber der Verschlusslaut K bzw. C nicht behaucht werden darf, und der S-Laut ein bloßes Zischen, also stimmlos sein muss.
sueddeutsche.de: Cäsars "De bello Gallico" gehört zum festen Bestandteil des Latein-Unterrichts. Welche seiner anderen Werke empfehlen Sie Lehrern und Schülern zur Lektüre?
Stroh: Cäsar hat auch ein Werk "De bello civili" begonnen, konnte es aber nicht vollenden; darum liest man es auch weniger. Seine anderen Werke sind außer kleinen Fragmenten sämtlich verloren gegangen, was ich sehr bedaure. Er hat nämlich auch über sprachliche Probleme geschrieben, wie "Über das Analogieprinzip", außerdem viele Reden. Wenn man also Cäsar überhaupt lesen will, lese man "De bello Gallico". Wenn man allerdings mich fragt, so wäre es mir lieber, dass Buben und Mädchen die Komödien von Terenz als die Schlachten von Cäsar kennen lernen.
Das Gespräch führte Oliver Das Gupta. Mitarbeit: Michael Sommer
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