Burschentag in Eisenach Deutschtümelei unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Hunderte Burschenschafter versammeln sich in diesen Tagen nahe der Wartburg. Bei dem Traditionstreffen soll es Meldungen zufolge auch um deutschtümelnde Mitgliedschaftsregeln gehen. Zum Auftakt verteidigen die Burschen ihre Aufnahmekriterien - manch einer vergreift sich da im Ton.

Von Jens Schneider, Eisenach

Aus dem Zentrum der Stadt Eisenach führt der Weg zunächst die Wartburgallee entlang, dann über steile Straßen hinauf zur Göpelskuppe. Es sind an diesem Morgen zunächst noch wenige ältere Herren, die sich, die Burschen-Mütze auf dem Kopf, zu Fuß auf den mühsamen Weg gemacht haben.

Im Jahr 1902 ist hier das 33 Meter hohe Burschenschaftsdenkmal errichtet worden, hoch über Eisenach, mit einem freien Blick hinüber auf die Wartburg. Über dem schweren Eisentor zum Innenraum steht im Stein die Inschrift "Dem geeinten Vaterlande". Am späten Freitagabend wollen Hunderte Burschenschaftler in einem Fackelzug zum Denkmal hinaufsteigen. Oben soll ein Kranz niedergelegt werden.

Davon soll es in der Presse freilich keine Bilder geben, auch nicht von den Versammlungen des Burschentags, den die Deutsche Burschenschaft bis zum Sonntag in Eisenach ausrichtet. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit trifft sich der umstrittene Verband, in dem die meisten traditionsreichen studentischen Verbindungen zusammengeschlossen sind.

Düstere Schlagzeilen und heftige interne Streits

Es gibt eine Pressekonferenz zum Auftakt, das ist alles. Die Burschenschafter haben zwei Jahre düsterer Schlagzeilen und heftigen internen Streits vor allem über ihre politische Haltung hinter sich. Liberale Burschenschafter fühlten sich abgestoßen von extrem rechtslastigen Bundesbrüdern in ihrem Dachverband. Vor einem Jahr wurde das Treffen in Eisenach nach einem Eklat um die Wiederwahl eines rechten Burschen in den Vorstand abgebrochen. Seither ist oft von einer Spaltung die Rede. Mehrere Burschenschaften verließen den Verband.

"Allen Unkenrufen zum Trotz: Wir sind heuer hier und werden auch in den nächsten Jahren hier sein", sagt Walter Tributsch zum Auftakt der Pressekonferenz im Hotel Berghof unterhalb des Denkmals. Heuer - man hört es gleich, der Pressesprecher kommt aus Österreich, die Wiener Burschenschaft Teutonia hat den Vorsitz des Verbands übernommen.

An seiner Seite sitzt als Sprecher der Burschenschaft, Burkhard G. Mötz. Er ist Amerikaner, studiert in Wien Jura. "Wir versuchen, zu neuer Einigkeit zu finden", sagt er. Mötz räumt ein, dass es 18 Austritte von Burschenschaften gegeben habe. Aber noch immer seien knapp hundert Burschenschaften dabei, mit mehr als 10.000 Einzelpersonen. Die meisten sind ältere Herren; jeder vierte, so schätzen sie, sei noch Student.

Bis zu tausend Teilnehmer würden in der Stadt erwartet, deren Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) die Verbindungen freilich längst nicht mehr hier haben will und die - allerdings langfristigen - Mietverträge kündigte.