Bundespräsident unter Druck Wulff gibt Kredit-Verhandlungen mit Egon Geerkens zu

Christian Wulff versucht die Flucht nach vorne: Der Anwalt des Bundespräsidenten räumt ein, dass der Unternehmer Egon Geerkens mit Wulff über das umstrittene Darlehen über 500.000 Euro verhandelte. In der Buch-Affäre, die den Präsidenten zusätzlich unter Druck setzt, sorgt ein Bericht über geänderte Rechnungen für Wirbel. Und nun mischt sich auch noch ein Kardinal aus Köln ein.

Der Unternehmer Egon Geerkens war doch in die Verhandlungen über einen Privatkredit an den heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff beteiligt. Das bestätigte Wulffs Anwalt Gernot Lehr in einem Schreiben an die Zeitung Welt. Lehr schrieb: "Der Darlehensgewährung vorausgegangen war die Suche des Ehepaars Wulff nach einer geeigneten Immobilie.

Hierin war Herr Egon Geerkens aufgrund seines besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen eingebunden. In diesem Zusammenhang ging die Initiative für ein Privatdarlehen von Frau Edith Geerkens aus. Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt."

Bislang berief sich der Bundespräsident stets darauf, dass Edith Geerkens die Kreditgeberin war. Zur Frage, inwieweit Egon Geerkens bei den Verhandlungen involviert war, hat der frühere Ministerpräsident Niedersachsens bislang keine Stellung genommen.

Entsprechende Aussagen Geerkens im Spiegel hatten diese Vermutung allerdings nahegelegt. Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags Anfang 2010, ob es irgendwelche Geschäftsbeziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer bestanden, hatte der damalige Ministerpräsident mit nein beantwortet.

Vier Anzeigen gegen Wulff

Die Kreditaffäre des Staatsoberhaupts beschäftigt nun auch die Justiz. "Die Staatsanwaltschaft hat vier Anzeigen vorliegen, die überprüft werden", sagte der Sprecher der Behörde in Hannover, Jürgen Lendeckel. In den Anzeigen geht es den Stuttgarter Nachrichten zufolge vermutlich um den Vorwurf der Vorteilsannahme. Die Staatsanwaltschaft muss jede Anzeige prüfen, die bei ihr eingeht.

In der Zwischenzeit gibt es neue Erkenntnisse in der zweiten Affäre, die Wulff unter Druck setzt: Der mit ihm befreundete Unternehmer Carsten Maschmeyer hatte eine Anzeigenkampagne für sein Interview-Buch Besser die Wahrheit bezahlt. Von den Zahlungen will der damalige CDU-Ministerpräsident nichts gewusst haben.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet nun, dass auf Wunsch von Maschmeyer die Rechnungen für die Wulff-Reklame geändert wurden. Der Verlag Hoffmann und Campe habe dem Blatt bestätigt, dass der Finanzunternehmer die Rechnungen "mehrfach neu auszeichnen" ließ. Die FAZ schreibt, dass der Unternehmer offenbar "seine großzügige Unterstützung" für Wulff habe "verbergen" wollen. Denn aus dem ursprüngliche Rechnungsgrund "Anzeigen" habe Maschmeyer "Beraterleistungen" machen lassen.

Der Publizist Hugo Müller-Vogg, der damals Gesprächspartner Wulffs für dessen Interview-Buch war, hält die von Maschmeyer bezahlten Anzeigen für problematisch. Wäre er von seinem Verleger vorab informiert worden, hätte er zur Vorsicht geraten, sagte Müller-Vogg dem Mannheimer Morgen. "Ich kann nicht ausschließen, dass ein Verstoß gegen die Vorschriften zur Parteienfinanzierung vorliegt." Wulff habe zwar keinen finanziellen Vorteil von dem Interview-Band gehabt. "Doch er profitierte selbstverständlich vom medialen Echo", so der Publizist.