Bolivien Morales verliert Referendum für vierte Amtszeit in Bolivien

Wählerbefragungen deuten auf eine knappe Niederlage für den linken Präsidenten hin. Seine Gegner feiern schon das Ergebnis - womöglich voreilig, warnt der Vizepräsident.

2019, wenn in Bolivien die nächsten Wahlen anstehen, wird Präsident Evo Morales 13 Jahre lang an der Macht sein. Das ist länger als jeder andere Präsident, seit das Land unabhängig wurde, doch Morales würde gern noch eine vierte Amtszeit regieren, bis 2024. Deshalb bat er sein Volk, die Verfassung entsprechend ändern zu dürfen. Doch es sieht nicht danach aus, als würden die Bolivianer das wollen. Nach Auszählung von 23 Prozent der Wahlstationen hatten 67 Prozent der Wähler mit "Nein" gestimmt.

Mehrere Prognosen deuteten in dieselbe Richtung. Dem Sender ATB zufolge stimmten am Sonntag 52,3 Prozent der Bolivianer mit Nein und 47,7 Prozent mit Ja. ATB berief sich dabei auf Nachwahlbefragungen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Eine andere Prognose kam auf 51 Prozent Ablehnung bei 49 Prozent Zustimmung. 6,5 Millionen Bolivianer waren zur Wahl aufgerufen.

"Bei uns regiert das Volk, compañero"

Der bolivianische Präsident verteidigt im SZ-Interview seine Politik. Das Volk stehe hinter ihm, Kritik sei von außen gesteuert. Von Sebastian Schoepp mehr ...

Morales hat schon einmal die Verfassung ändern lassen

Der frühere Kokabauer und erste indigene Präsident des Andenstaates ist seit 2006 im Amt. Der linke Politiker hatte schon einmal die Verfassung ändern lassen, um länger im Amt bleiben zu können. 2014 wurde er mit etwa 61 Prozent zum dritten Mal zum Präsidenten gewählt. Durch eine Änderung des Artikels 168 wollte er nun mit Vizepräsident Álvaro García Linera eine nochmalige Wiederwahl und dann - im Falle eines Wahlsieges - eine vierte Amtszeit erreichen.

Während Morales' Gegner bereits feierten, sprach Vizepräsident García Linera von einem "technischen Unentschieden" - die Ergebnisse der Bürger, die im Ausland gewählt haben, sowie die aus abgelegenen ländlichen Regionen müssten noch abgewartet werden. Erst in einigen Tagen könne das endgültige Ergebnis der Wahlbehörden vorliegen.

Es wäre die erste schwere Niederlage für den 56-Jährigen, der bereits jetzt so lange regiert wie kein Staatspräsident zuvor seit Boliviens Unabhängigkeit 1825. Im Schnitt wuchs die Wirtschaft während seiner Präsidentschaft um 4,9 Prozent, vor allem auch dank der Einnahmen aus dem verstaatlichten Gasgeschäft. Der Anteil der Armen konnte zudem deutlich reduziert werden.

Kritiker werfen Morales autoritäre Tendenzen vor

Kritiker werfen Morales und seiner Partei, der Bewegung zum Sozialismus (MAS), aber autoritäre Tendenzen vor. Überschattet wurde der Wahlkampf zuletzt von einer Brandattacke von Demonstranten auf das Rathaus der zweitgrößten Stadt des Landes, El Alto, bei der sechs Menschen starben. Der MAS hatte 2015 nach einer Korruptionsaffäre das Bürgermeisteramt in seiner einstigen Hochburg an Soledad Chapetón von der Oppositionspartei Unidad Nacional (UN) verloren - sie warf Parteigängern von Morales vor, für die Feuer-Tragödie in El Alto mitverantwortlich zu sein.

Im Vorfeld der Abstimmung waren außerdem Korruptionsvorwürfe gegen Morales laut geworden. Sie stehen in Zusammenhang mit Gabriela Zapata, einer heutigen Anwältin und Geschäftsfrau, mit der Morales 2007 ein Verhältnis hatte. Zapata war damals 21 und bekam ein Kind vom Präsidenten, das jedoch bald nach der Geburt verstarb. Wie nun bekannt wurde, machte Zapata in den Folgejahren sehr erfolgreiche Geschäfte. Sie arbeitet für die chinesische Ingenieurfirma CAMC Engineering. Und es ist genau diese Firma, die eine Reihe lukrativer Staatsaufträge bekommen hat. Ihr Volumen beläuft sich nach Medienberichten auf 565 Millionen Dollar. Morales bestreitet die Affäre mit Zapata nicht. Er sagt aber, er habe seit 2007 keinen Kontakt mit der Geschäftsfrau gehabt - und folglich auch nichts mit den Aufträgen zu tun.