Bildungsministerin Schavan tritt zurück Eine Frage des Nutzens

Zwei Freundinnen. Die eine Ministerin, die andere Kanzlerin. Die Ministerin muss ihren Rücktritt anbieten. Die Kanzlerin muss ihn annehmen. Röttgens Rauswurf war hart. Guttenbergs Abtritt spektakulär. Jungs Abgang fast Routine. Schavans Abschied vor allem eines: emotional. Merkel wird der Rücktritt nicht schaden. Schavan aber wird jetzt alleine weiterkämpfen müssen.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

Es wird jetzt ein einsamer Kampf für Annette Schavan. Sie wird vor Gericht ziehen, als einfache Abgeordnete des deutschen Bundestages. Sie wird dort versuchen, die Entscheidung der Düsseldorfer Universität anzufechten, die ihr den Doktorgrad entzogen hat. Sie will nicht einsehen, dass es mehr als nur Flüchtigkeitsfehler waren, die sie in ihrer Doktorarbeit gemacht hat. Darum kann sie auch nicht wegen des Titelverlustes zurücktreten. Sie muss zurücktreten, weil das schwebende Verfahren dem Amt schaden würde.

Damit hat sie Recht. Und doch wäre es gut, wenn sie langsam zu einer selbstkritischeren Haltung kommt, was ihre Dissertation angeht, die sie vor 33 Jahren geschrieben hat. Die Entscheidung der Düsseldorfer Uni ist umstritten. Vielleicht war sie zu hart. Aber dass Schavans Arbeit ein wissenschaftlicher Grenzfall ist, müsste auch Schavan klar sein.

Sie hat Merkel einen großen Gefallen getan, dass sie ihr den Rücktritt angeboten hat. Keine langes drum herum Reden. Beiden war wohl klar, dass es anders nicht gehen würde. Dass Schavan als Wissenschaftsministerin nicht tragbar ist, mit dieser Last auf den Schultern.