Eine Volksabstimmung kann so etwas wie die Erfüllung der Demokratie sein - allerdings nicht im Fall des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21. Die Verfassung in Baden-Württemberg stellt enorm hohe Hürden und zudem findet das Plebiszit am Ende des Entscheidungsprozesses statt. Die befriedende Wirkung wird also ausbleiben. Die Bürger sollten aber nicht die falsche Konsequenz ziehen: Dass es sich nicht lohnt, sich zu engagieren.
Den Werbespruch "Wir können alles, außer Hochdeutsch" gibt es seit 1999. Als das Land vor zwölf Jahren so kokett für sich zu werben begann, regierte in Baden-Württemberg noch der Ministerpräsident Erwin Teufel. Der Spruch hat sich in ungeahnter Weise bewahrheitet. Die braven Schwaben konnten auf einmal protestieren, sie etablierten Montagsdemonstrationen als soziales Ritual und versetzten das Land im Streit um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 in einen halben Ausnahmezustand.
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Zwei Männer lesen die Protestbriefe, die am Bauzaun vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof angebracht sind. An diesem Sonntag findet in Baden-Württemberg der Volksentscheid zum umstrittenen Bahnprojekt statt. (© AFP)
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Der Höhepunkt des Könnens war, dass sie sogar die Staats- und Ländle-Partei CDU in die Opposition schicken konnten. So hatte sich das Erwin Teufel nicht vorgesellt, als er seinerzeit den Slogan laufen ließ. Aus der Selbstironie wurde eine Ironie der Geschichte: Ausgerechnet in der konservativen Ecke Deutschlands kam ein Grüner an die Macht, einer übrigens, der so hoch im Ansehen steht, dass die Bürger allen Ernstes von ihm sagen, er könne alles außer Hochdeutsch.
Das stimmt denn doch nicht, und der Slogan ist zumindest ergänzungsbedürftig. Es ist so: Die Baden-Württemberger können alles - außer Hochdeutsch und Volksentscheid. Das Plebiszit über das Projekt Stuttgart 21 ist kein gutes Plebiszit. Wenn man die ungünstigen Umstände zusammensuchen will, unter denen so ein Volksentscheid stattfinden kann, dann wird man in Stuttgart umfassend fündig. Fast alle guten Argumente, die für einen Volksentscheid sprechen und werben können, treffen auf diesen Volksentscheid nicht zu.
Vor allem: Er steht nicht am Anfang eines Entscheidungsprozesses, sondern am Ende. Es ist der erste Volksentscheid, bei dem über ein Bauprojekt entschieden werden soll, das schon im Bau ist. Dieser Volksentscheids-Sonntag ist also kein Festtag für die direkte Demokratie. Ministerpräsident Kretschmann hat eine Politik versprochen, die mit dem Demos, dem Volk, so umgeht, dass das Wort Demokratie wieder leuchtet. Die Volksabstimmung am Sonntag schafft das nicht. Da leuchtet nichts, da funzelt es nur.
Schuld daran ist nicht eine politische Unfähigkeit der Menschen in Baden-Württemberg. Wie fähig sie sind, haben sie gezeigt. Zumal das langweilige Stuttgart hat sich verändert. Im Widerstand gegen Stuttgart 21 hat sich die städtische Gesellschaft in zuvor nicht für möglich gehaltener Weise politisiert; es ist eine spannende, bisweilen hysterische Stadtkultur entstanden. Aber es ist besser, wenn Menschen aufgeregt, aufgedreht und aufgewühlt ihre Zukunft zu gestalten versuchen, als wenn sie diese gemeinsam verschlafen. Ersteres ist Demokratie, letzteres ein narkotischer Zustand.
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Meines Wissens existieren in Stuttgart seit den 1970er Jahren S- und U-Bahnen, die unterirdisch fahren. Wenn es Zwischenfälle gab, die für S21 prognostiziert werden, stellen Sie bitte einen Link dazu.
Dann würde mich mal interessieren, wie man den Stuttgarter Bahnhof als pünktlich einstufen kann. Wenn ein ICE aus Berlin, Köln oder München dort pünktlich oder unpünktlich eintrifft - was hat das mit dem Bahnhof Stuttgart zu tun?
Erklärung: Wenn bspw ein Zug Probleme am Albabstieg Richtung Stuttgart hat und dort später ankommt, gilt das statistisch als Verspätung - nur lag die Ursache doch nicht am HBF Stuttgart.
Zitat: "dass die "Parteien" einer solchen Volksabstimmung das Ergebnis beliebig manipulieren können, wenn sie wichtige Informationen vorenthalten oder falsch darstellen"
Das gilt aber dann für beide Seiten - und was müsste man dann daraus schliessen ? Lieber gar keine Volksabstimmungen, weil die zugrunde liegenden Informationen könnten alle (viele ? einige ?) manipuliert sein ?
Da geht einem der Frack, dass die Volksbefragung einen einfachen Sieg derer ergibt, die S21 beführworten.
Was wenn die Volksabstimmung pro S21 ausgeht?
Dann ist das natürlich auch falsch, abzulehnen, undemokratisch, lobbyistisch, habgierig, volksfeindlich, dumm, antivegetarisch und was weiss ich noch.
Herr Prantl - es ist Grundkonsenz einer demokratischen Entscheidung, dass nach Ende der Debatte abgestimmt wird, und das was die Mehrheit entscheidet gilt!!!
Man nennt das Demokratie. Das was Sie wollen, hat man in Deutschland 1989 auf dem Müllhaufen der Geschichte demonstriert.
offensichtlich sind sie ausserordentlich schlecht informiert, wenn Sie die geologischen Verhältnisse in München mit Stuttgart vergleichen und dazu noch den Bau einer U-Bahn mit dem Bau eines Bahnhofs in eins setzen, denn Stuttgart hat einen Bahnhof, der mit zu den zuverlässigsten und pünktlichsten dieser Republik gehört. Die Frage bleibt - die wohlweislich nicht gestellt wird bzw. Sie aus purer Unkenntnis nicht stellen - weshalb dieser Bahnhof durch einen elend teuren, dessen Kapazität den heutigen unterbietet, ersetzt werden soll.
offensichtlich sind sie ausserordentlich schlecht informiert, wenn Sie die geologischen Verhältnisse in München mit Stuttgart vergleichen und dazu noch den Bau einer U-Bahn mit dem Bau eines Bahnhofs in eins setzen, denn Stuttgart hat einen Bahnhof, der mit zu den zuverlässigsten und pünktlichsten dieser Republik gehört. Die Frage bleibt - die wohlweislich nicht gestellt wird bzw. Sie aus purer Unkenntnis nicht stellen - weshalb dieser Bahnhof durch einen elend teuren, dessen Kapazität den heutigen unterbietet, ersetzt werden soll.
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