Aufstand gegen Baschar al-Assad Hamburger Islamist stirbt im syrischen Bürgerkrieg

Gökhan C. auf einem Bild seines Facebook-Profils.

Gökhan C. ging nach Syrien, um gegen Baschar al-Assad zu kämpfen. Doch wie einige andere junge deutsche Männer wird er nicht mehr zurückkehren. Nach Informationen des NDR starb er vor wenigen Wochen im Nordsyrien. Bereits vor seiner Ausreise war er den deutschen Behörden aufgefallen.

230 Männer aus Deutschland sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums nach Syrien gereist, um gegen Machthaber Baschar al-Assad zu kämpfen. Einer von ihnen war der Hamburger Gökhan C. Er zog in den Heiligen Krieg und starb. Der 25-Jährige mit dem Kampfnamen "Asadullah" fiel nach Informationen des NDR-Magazins "Panorama 3" vor wenigen Wochen in Nordsyrien. Das bestätigte der Leiter des Hamburgischen Verfassungsschutzes, Manfred Murck.

Er ist damit der erste Hamburger, der im syrischen Bürgerkrieg starb, insgesamt sollen etwa ein Dutzend Deutsche ums Leben gekommen sein. Erst vor wenigen Tagen hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft bekanntgegeben, dass wohl ein 16 Jahre alter Schüler aus Frankfurt ebenfalls im Kampf gegen Assad getötet wurde.

Wie Gökhan C. zu Tode kam, ist noch nicht geklärt. Es spreche einiges dafür, dass sich Gökhan C. "in der militanten Szene bewegte und Kontakt zu militanten Gruppen hatte", sagte Murck "Panorama 3". Der Mann war zuletzt im schleswig-holsteinischen Pinneberg gemeldet. Gemeinsam mit einem Glaubensbruder soll C. dann Ende Juli 2013 über die Schweiz und die Türkei in das Bürgerkriegsland eingereist sein, heißt es.

Vor seiner Ausreise im Sommer hatte Gökhan C. mutmaßlich zur dschihadistisch-islamistischen Szene der Hansestadt und Schleswig-Holsteins gehört, war dort auch Mitglied der inzwischen verbotenen Organisation "Millatu Ibrahim". Er stand offenbar auch einige Zeit in der so genannten "Gefährderdatei Islamismus" des Hamburger Landeskriminalamtes.

Nach NDR-Recherchen ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen ihn und 14 weitere Islamisten aus dem Raum Hamburg wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (§89a StGB). C. soll von der radikalen Nusra-Front im syrisch-türkischen Grenzgebiet militärisch trainiert worden sein und später auch für die Organisation gekämpft haben. Die Nusra-Front steht dem Terrornetzwerk al-Qaida nahe und wurde vor einigen Monaten von der Europäischen Union als terroristische Organisation eingestuft.

Sicherheitsbehörden warnen vor Syrien-Rückkehrern

Deutsche Sicherheitsbehörden warnen seit Monaten besonders vor Rückkehrern aus dem Krisengebiet. Nach Angaben des Innenministeriums sind 50 von ihnen inzwischen wieder in Deutschland. Diese könnten sich in Syrien weiter radikalisiert haben und seien zum Teil militärisch ausgebildet worden. Über konkrete Anschlagspläne ist den Behörden allerdings zurzeit nichts bekannt.

Radikale Islamisten spielen im Krieg gegen Assad eine immer gewichtigere Rolle. Die Islamische Front, ein Zusammenschluss mehrerer Verbände, übernahm am vergangenen Wochenende nahe der türkischen Grenze Waffendepots der Freien Syrischen Armee (FSA). Außerdem vertrieben die Islamisten die FSA-Kämpfer vom syrisch-türkischen Grenzübergang Bab al-Hawa. Die FSA, einst der mit Abstand größte Kampfverband gegen Assad, ist Schätzungen zufolge von 70.000 auf 40.000 Soldaten geschrumpft - auch weil einige zu den besser ausgerüsteten und sehr erfolgreichen Islamisten überlaufen.