Aufstand gegen Assad Chef der syrischen Militärpolizei läuft zu Rebellen über

In einem Video, das im Internet kursiert, erklärt der Chef der syrischen Militärpolizei, warum er zur Opposition übergelaufen ist. 

(Foto: REUTERS)

Erneut kehrt ein hochrangiger Beamter dem Assad-Regime den Rücken: In einem Internetvideo erklärt der Chef der syrischen Militärpolizei, Abdul Asis Jassim al Schalal, sich den Rebellen anzuschließen. Dabei erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Regierungstruppen.

Syriens Herrscher Baschar al Assad verliert einen Getreuen nach dem nächsten: Nun ist ein weiterer ranghoher Beamter zur Opposition übergelaufen. Der Chef der Militärpolizei, Generalmajor Abdul Asis Jassim al Schalal, erklärte in einem Video, er schließe sich der Volksrevolution an. Das Militär schütze nicht länger das Volk, sondern sei zu einer "Bande für Mord und Zerstörung" verkommen.

Der Generalmajor warf den Streitkräften vor, Städte und Dörfer zu zerstören und Massaker an Unschuldigen zu verüben. Das Video wurde am Dienstagabend vom Fernsehsender al-Arabiya gezeigt. Schalal geht offenbar davon aus, dass noch weitere wichtige Offiziere sich vom Regime lossagen wollten.

In Rebellenkreisen hieß es, Schalal sei in die Türkei geflohen. Wann genau er die Seiten wechselte, blieb zunächst unklar. Aus syrischen Sicherheitskreisen verlautete, Schalal hätte ohnehin in einem Monat in den Ruhestand treten sollen. "Er ist nur übergelaufen, um den Helden zu spielen", hieß es.

Neue Angriffe auf Militärstützpunkt

Seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al Assad sind Dutzende Offiziere zur Opposition übergelaufen. Im vergangenen Juli schloss sich mit Brigadegeneral Manaf Tlass erstmals ein Mitglied des inneren Machtzirkels Assads der Opposition an. Auch Tausende Soldaten verweigerten Assad die Gefolgschaft. Die meisten begründeten ihre Entscheidung mit Angriffen auf Zivilisten.

Den Angriffen der Regierungstruppen fielen unterdessen nach Angaben von Aktivisten in der Provinz Rakka mindestens 20 Menschen zum Opfer. Das berichtet die Nachrichtenagentur dapd unter Berufung Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Getöteten seien acht Kinder und drei Frauen. Ein Amateurvideo zeige die Leichen von mehreren Menschen, unter ihnen Kinder, in einer Reihe in einem Zimmer. Einige hatten Blut an der Kleidung, im Hintergrund war ein Weinen zu hören.

Die Rebellen griffen diesen Angaben zufolge erneut den Militärstützpunkt Wadi Deif in der Provinz Idlib im Norden des Landes an. Der Stützpunkt in der Nähe der strategisch wichtigen Stadt Maaret al Numan wird seit Wochen von Regierungsgegnern belagert.

Die Beobachtungsstelle erklärte, die neuerlichen Kämpfe hätten mindestens fünf Rebellen das Leben gekostet. Kampfflugzeuge hätten Stellungen der Rebellen in der Region angegriffen.

Assads Truppen mit Nachschubproblemen

Das Regime hat zunehmend Schwierigkeiten, auf dem Landwege Nachschub in die Provinz Aleppo zu bringen, vor allem nach der Einnahme von Maaret al Numan durch die Rebellen im vergangenen Oktober. Die Stadt liegt an der Autobahn zwischen der Hauptstadt Damaskus und Aleppo, Syriens größter Stadt.

Nach Wochen schwerer Kämpfe verbuchten die Rebellen Aktivisten zufolge einen weiteren militärischen Erfolg und eroberten die Stadt Harem im Grenzgebiet zur Türkei. Mohammed Kanaan, ein Aktivist in Idlib, sagte, Harem sei vollständig befreit.

Zuletzt hätten die Aufständischen die historische Zitadelle der Stadt eingenommen, die die syrische Armee zu einem Militärstützpunkt gemacht habe. "Harem ist sehr wichtig, weil es eine der Städte ist, die bislang dem Regime gegenüber loyal war", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdul Rahman. Die Aufständischen haben inzwischen große Gebiete entlang der Grenze zur Türkei erobert, vor allem im Norden der Provinz Aleppo.

Linktipp: Hintergründe zur Rolle der Beobachtungsstelle lesen Sie in diesem Artikel.