Rolle rückwärts beim Atomausstieg? Bund, Länder und Energiekonzerne streiten über die Zukunft der Kernenergie. Aus sehr unterschiedlichen Interessen wollen alle mitbestimmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Ein Energiekonzept der Bundesregierung ist noch fern, doch der Streit um die Zukunft der Kernkraft ist voll entbrannt. Betreiber, Konkurrenten, Juristen, Koalition und Opposition - sie alle melden sich zu Wort. Die Süddeutsche Zeitung erklärt die wichtigsten Fragen.
Bild vergrößern
Die Rückwärtsrolle passt zum Gebaren der der Union in der Atompolitik: Viele in der Partei wollen die Ausstiegspläne der rot-grünen Regierung wieder rückgängig machen. (© ddp)
Anzeige
Welche Verlängerung ist möglich?
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 7 nächste Seite
- Thema
- Atomenergie RSS
- Stromkonzerne und die Brennelementesteuer Und seid ihr nicht willig, dann schließen wir halt 14.08.2010
- Verlängerung von AKW-Laufzeiten Zehn Jahre und nicht mehr 13.08.2010
- Regierung vor Kompromiss Weniger Atommeiler, längere Laufzeiten 09.08.2010
- Die Union und die Atomdebatte Spaltung im Kern 10.08.2010
- Atomkraft - die Zeit läuft Der große Poker 03.08.2010
- Atomkonzerne Einfach mal abschalten 15.08.2010
- Stromversorgung Hitze macht AKW zu schaffen 13.07.2010
Bundespräsident in Erklärungsnot
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Zwei Gründe sprechen für den Ausbau der erneuerbaren Energien (EE):
- die von vielen ungeliebte Kernkraft ablösen zu können
- durch die umweltneutrale Energieproduktion das Klima zu retten (CO2-Emissionen aus Kohleverbrennung abzuschaffen)
Aber wer denkt bei dem augenblicklichen Gedöns um Ausstieg oder Verlängerung überhaupt noch an die Kohle? Immerhin erspart die Kernenergie in Deutschland jährlich die Emission von über 100 000 000 (einhundert Millionen !) Tonnen CO2. Bei einem sofortigen Ausstieg würde diese Menge durch fossile Energieproduzenten freigesetzt werden, bis in einigen Jahrzehnten die EE die Versorgung voll übernehmen können - immerhin sind z. Zt. etwa 25 neue Kohlekraftwerke in Planung oder Bau.
Deutsche gegen Ausweitung der Atomkraft-Laufzeit
dpa | 21.07.2010
Hamburg - Die Deutschen lehnen eine deutliche Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ab. 77 Prozent der Befragten sprachen sich bei einer TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der "Zeit" dagegen aus, die Meiler mehr als zehn Jahre länger als vereinbart am Netz zu lassen. Fast die Hälfte der Bevölkerung (48 Prozent) ist laut Studie dagegen, die Laufzeiten überhaupt zu verlängern.
58 Prozent der Deutschen wären bereit, für Strom aus erneuerbaren Quellen rund zehn Prozent mehr zu zahlen als bisher. 47 Prozent der Bürger glauben, dass die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen würde.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus hatte kürzlich für eine Frist von 15 Jahren und mehr plädiert. Diese Position wird von seinen Landsleuten im Südwesten deutlich abgelehnt: 47 Prozent wollen überhaupt keine Laufzeitverlängerung, 27 Prozent sprechen sich für eine Verlängerung um höchstens zehn Jahre aus. Acht Monate vor der Landtagswahl lehnen damit insgesamt 74 Prozent der Baden-Württemberger Mappus' Atompolitik ab.
Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid hatte im Auftrag der "Zeit" vom 15. bis 17. Juli insgesamt 1130 Bürger telefonisch befragt.
Die gibt es tatsächlich. 75% der Bevölkerung sind gegen die AKWs, 10% wissen es nicht wo der Zug hingehen soll und der Rest weiß nicht wie Sie die Frage beantworten wo der Müll hinsoll und wo Sie nach einem GAU leben sollen.