In vielen arabischen Staaten drängen derzeit vor allem Islamisten in das Machtvakuum, das nach dem Sturz der Diktatoren entstanden ist. Der Westen ist daher aufgefordert, den Dialog zu suchen: Die Bundesregierung entwickelt Leitlinien für den Umgang mit Wahlerfolgen islamistischer Parteien - konzentriert sich damit aber nur auf ein mögliches Szenario.
Als die arabische Welt der Despoten und Operettenherrscher noch intakt war, also noch vor knapp einem Jahr, da war der Westen Partner in einem folgenschweren Handel. Wann auch immer die Rede auf Menschenrechtsverletzungen und manipulierte Wahlen kam, hieß es aus Tunis, Kairo und Tripolis: Gewiss, das alles sei nicht schön, aber immer noch besser als ein Wahlsieg der Islamisten. Der Westen verstand. Und schwieg.
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Rachid Ghannouchi, Vorsitzender der En-Nahda-Partei, bei einem Fototermin in seinem Büro in Tunis. Bei den ersten freien Wahlen nach dem Sturz von Präsident Ben Ali gewann die moderat islamistische Partei mehr als 40 Prozent der Stimmen. (© action press)
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Seitdem hat nicht nur die Zahl funktionsfähiger arabischer Polizeistaaten stark abgenommen, sondern auch der Einfluss des Westens. Die Islamisten indes wittern Morgenluft. In Tunesien gewann die moderat islamistische En-Nahda-Partei bei den ersten freien Wahlen seit dem Sturz des Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali über 40 Prozent der Stimmen. Ende November beginnen die Parlamentswahlen in Ägypten - erwartet werden hohe Gewinne der Muslimbrüder.
Islamisten sind stark auch im Nach-Gaddafi-Libyen und in der syrischen Opposition gegen Präsident Baschar al-Assad. Wer heute den Dialog mit den Religiösen verweigert, läuft Gefahr, sich von der Entwicklung in den neuen Staaten zu entkoppeln.
Angesichts solcher oder ähnlicher Überlegungen hat die Bundesregierung nun Leitlinien für eine Reaktion auf erfolgte oder erwartete Wahlsiege der Islamisten entworfen. In einem Arbeitspapier des Auswärtigen Amts heißt es: "Unser Einfluss dürfte selbst unter bestmöglichen Annahmen begrenzt bleiben, wir müssen daher alle sich uns bietenden Chancen nutzen, um die Transformationsprozesse in den betreffenden Ländern in eine demokratische Richtung zu lenken."
Deutschland, auch Europa müssten offen sein für einen "pragmatisch-kritischen Dialog" mit den moderaten Islamisten, diesen aber mit einer klaren "Erwartungshaltung" verbinden an demokratische Grundsätze, Menschenrechte, Gewaltverzicht, Achtung internationaler Verträge, Respekt für alle Religionen, auch für säkulare Haltungen. Als Anerkennung für den demokratisch errungenen Sieg solle dem Wahlsieger gratuliert werden. Vertreter moderater Parteien könnten im Rahmen nationaler Besuchsprogramme eingeladen werden. Säkulare Kräfte sollen nicht vor den Kopf gestoßen werden. Extremistische Gruppen werden abgelehnt.
Die Frommen an ihren Taten messen
Die deutschen Vorschläge wurden mit den zuständigen Stellen in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien abgestimmt, dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages vorgestellt und in Brüssel der entsprechenden EU-Arbeitsgruppe präsentiert. Die US-Regierung hatte bereits vor Monaten ihre Vorbehalte gegen die Muslimbrüder in Ägypten aufgegeben und will mit jedem reden, der in freien und fairen Wahlen gewinnt. Nach Jahrzehnten der Warnungen vor dem politischen Islam will der Westen die Frommen nun an ihren Taten messen.
So sinnvoll die Vorbereitung auf das Unvermeidliche erscheint, so verlangt sie auch auf Seiten der Islamisten Pragmatismus: Gerade sie saßen zu Zehntausenden in den Kerkern der Regimes, als diese vom Westen hofiert wurden. Säkulare Kritiker oder Angehörige der christlichen Minderheiten mahnen, der Westen stärke die Islamisten, bevor diese überhaupt gewonnen haben. In Ägypten wiederum könnten die Muslimbrüder das kleinere Übel sein, wenn der regierende Militärrat die Macht am Ende doch nicht abgibt. Der demokratische Prozess ist von vielen Seiten bedroht. Die Bundesregierung bereitet sich mit ihren Plänen auf nur ein Szenario vor.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 15.11.2011/bero)
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....hört sich gut an, hört aber bei Israel und den USA schon wieder auf denn die bestimmen doch bei uns in D. wie wir mit wem auch immer verfahren müssen.
Ob es uns nun gefällt oder nicht !
Das Beispiel UNESCO Akzeptanz für Palestinenser zeigt doch ganz deutlich das wir gar nicht souverän handeln können selbst wenn wir es dann wollten und die Vernunft es für angemessen halten würde.
Die Politik der USA in den letzten 40 Jahren zeigt doch ganz deutlich dass von denen ziellos durch die islamische Welt gerumpelt wird, nach dem Motto "Hauptsache wir kommen an das Öl dort !" Egal wer dort auch immer regiert und natürlich Israel damit einverstanden sein muß. Das Manko der USA ist eben dass die Regierenden dort sich mit den Ländern, den Kulturen und den Religionen dort überhaupt nicht befassen und auch im Ansatz keinen Willen dazu haben und jeder der von einem islamischen Land kommt ist zuerst einmal potentieller Terrorist.
Und dann diese Kindergarten Politik in Sachen Palestina und Unesco der zur Strafe Liebesentzug und ein paar Millionen USD. Beiträge
entzogen werden obwohl es ja gar nicht die Organisation an sich war die Mitgliedschaft entschieden hat sondern deren Gott sei Dank souveräne Mitglieder die eben nicht nach der Pfeife von USA und Israel tanzen und im Endeffekt über derat gigantische finazielle Mittel verfügen um den mickrigen Verlust durch den Pleite Staat USA problemlos ausgleichen zu können.
Ergo, wenn die Deutschen Ihre zukünftige ME und Islam Politik nicht von den USA und Israel abkoppeln werden sie bei den neuen Regierungen dort gnadenlos scheitern.
Ganz davon abgesehen dass CocaCola und Caterpillar weiterhin im Iran tätig sind, aber Mercedes und der Herr Zetsche von der Frau Merkel ermahnt wurde keine Bauteile mehr für das LKW Werk in Täbriz zu liefern. Also....für wen gelten die Santionen ????
....für die mutmaßlich Schwachen und Benachteiligten auf dieser Welt redlich einsetzen. Aber beim Thema Iran sollte man nicht verharmlosen.
Im Übrigen hat die sz schon letzten Freitag unter Verweis auf n-tv vermeldet, dass die Deutschen mit einer deutlichen Mehrheit von 70 % Iran und seine atomare Aufrüstung für gefährlich halten.
Auch wenn sich in Saudi Arabien, wo das Autofahren durch Frauen ja angedacht wird, noch einiges verbessern muss, es gibt keine Gleichheit im Unrecht, und die Mullahs werden hier in der öffentlichen Meinung ziemlich sicher keinen Blumentopf gewinnen, solange sie sich mit praktischen Taten nicht ebenfalls einem modernen und aufgeklärten Menschenbild nähern.
...."Seit die Mullahs die Regierung übernommen haben geht es nämlich steil bergauf"
Das überrascht mich jetzt doch. Glauben Sie dies wirklich ? Warum ist Iran dann so isoliert auf der Welt ? Und halten Sie die letzten Wahlen wirklich für demokratisch ? Haben Sie einmal beim Amnesty Länderbericht Iran nachgelesen, wie es dort mit den Rechten der Frauen und der Minderheiten aussieht ?
Ich hätte Ihnen, mit Verlaub, eine kritischere Einstellung zu den Verlautbarungen des dortigen Regimes zugetraut, bei den logischen Folgerungen, die Sie heute aus den Kommentaren Ihrer Mitforisten gezogen haben.
"die Art und Weise, wie der Islam in manchen Teilen der islamischen Gesellschaften gelebt wird, tatsächlich einen Einfluss ..."
Darauf könnte man sich vermutlich einigen.
Die Art, wie das Christentum in Europa mal gelebt wurde, war sicher
äusserst innovationshemmend, die Art, wie es heute gelebt wird, nicht.
Daran kann man schön sehen, dass es wenig mit der Religion zu tun hat,
aber sehr viel mit äusseren und inneren Einflüssen auf die Kultur,
mit Aufklärung und Kommunikation ... die Entwicklung Europas in den letzten 1000 Jahren ging ganz sicher nicht vom Vatikan aus.
Man kann nur hoffen, dass im überwiegend islamisch geprägten Raum
nicht so viele ewig lange Kriege nötig sein werden wie im überwiegend christlich geprägten Europa, bis die Wissenschaft frei agieren kann.
Die Formel "Islam = Keine Demokratie" ist jedenfalls Quark.
Seien wir lieber dankbar, dass wir unsere Freiheit und unseren Wohlstand nicht erkämpfen mussten, sondern dass er uns in die Wiege gelegt wurde.
dww
....teilweise beipflichten.
In Deutschland gibt es die diversen Ethikkommissionen, den Bundesverband Ethik, Ethikrat und soweiter und sofort. Diese haben nicht nur wechselnde Mitglieder, es ist auch nicht selbstverständlich, dass ihr Votum verbindlich ist, sprich in die Gesetzgebung unverändert einfließt.
Da sieht es etwa im Iran ganz anders aus. Sei es, dass eine Fatwa zu Fussballspielerinnen erlassern wird, sei es, dass eine Fatwa zu anderen Fragen ergeht. Soweit sie von Herrn Chatamei erlassen wird, ist sie, da er sozusagen Herr dieses Ethikrates ist, auch allgemeinverbindlich. Von daher ein bißchen vergleichbar mit einer Enzyklika des Papstes.
Und da kristallisiert sich das Moment heraus, warum die Gesellschaft stehenbleibt, und dies auch den Wissenschaften schadet. Es ist erstens der Absolutheitsanspruch des Auslegenden, und zweitens die Tatsache, dass nur eine oder wenige Meinungen in diese letztverbindliche Auslegung eingeflossen sind.
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