Anti-Atom-Proteste Bundesverdienstkreuz für die Castor-Gegner!

Der Atomausstieg ist beschlossene Sache, so wollen es Opposition und Regierung. Warum also noch gegen Castor-Transporte demonstrieren? Ganz einfach: Weil es notwendig ist. Wer die Demos für anachronistisch hält, der unterschätzt die Wendigkeit der Politik.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler

Vielleicht ist es an dieser Stelle einmal angebracht, danke zu sagen. Der Dank gebührt den Zigtausenden Demonstranten, die bald in der dritten Generation gegen Atomkraft auf die Straßen und Felder gehen. Sie lassen sich mit Tränengas besprühen oder von Wasserwerfern ummähen, werden von Polizeiknüppeln grün und blau geschlagen und harren auch bei Sturm, Frost und Regen aus - um letztlich doch zusehen zu müssen, wie die Castoren im Zwischenlager Gorleben ankommen.

Es lässt sich viel gegen diese Demonstrationen sagen. Dass sie anachronistisch seien, weil der Atomausstieg ja jetzt in einem großen Konsens beschlossen sei. Schließlich muss der Atommüll ja nun irgendwo hin und im Moment gibt es zumindest noch keinen besseren Ort.

Alles richtig. Aber geht es darum? Nein. Was die Atomgegner jetzt wieder ins Wendland ziehen lässt, ist ihr tiefes Misstrauen gegenüber der politischen Klasse.

Schon einmal war ein Atomausstieg beschlossene Sache. Rot-Grün hatte ihn durchgesetzt. Damals hieß der Umweltminister Jürgen Trittin. Er forderte die Castor-Demonstranten auf, endlich Ruhe zu geben. Schließlich sei der Ausstieg unumkehrbar. Doch das war er nicht.

Trittin hätte auch damals besser mitdemonstriert. Auch ihm hätte klar sein müssen, dass trotz des Ausstiegsbeschlusses der gesellschaftliche Druck nicht nachlassen darf.

Das mussten alle zur Kenntnis nehmen, als vor gut einem Jahr die schwarz-gelbe Bundesregierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke kurzerhand verlängerte.

Dass dann der Super-GAU von Fukushima-1 Kanzlerin Angela Merkel zur Umkehr bewegt hat, war nicht etwa ihrer angeblich neuen Erkenntnis geschuldet, dass Atomkraft gefährlich sein kann. Merkel ist Physikerin. Mit dem Argument beleidigt sie ihre eigene Intelligenz.

Wasserwerfer gegen Laternen

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