Altkanzler auf Frankfurter Buchmesse Kohls Fernduell über zwei Etagen

Helmut Kohl und seine Frau Maike auf der Frankfurter Buchmesse.

(Foto: AFP)

Oben Helmut Kohl, unten sein ehemaliger Ghostwriter Heribert Schwan. Auf der Buchmesse geht ihr Streit weiter. Schwan legt dar, warum er keine Verträge gebrochen haben will. Der Altkanzler zeigt sich souverän - bis seine Frau eingreift.

Von Oliver Das Gupta, Frankfurt am Main

Helmut Kohl ist da und manches ist wie früher. Drängelnde Kameraleute, einige Fans, die klatschen und fotografieren, genervte Sicherheitsleute. Der massige Altkanzler, der noch vor ein paar Jahren alle überragte und sich wie ein Dampfer durch die Menge pflügte, ist erst mal nicht zu sehen. Kohl wird im Rollstuhl aufs Podium seines Verlages auf der Frankfurter Buchmesse geschoben.

Dem Kanzler scheint der Rummel zu gefallen. Er lacht seine Frau an, wendet seinen Kopf zum Verleger. Dann bittet er um ein Taschentuch, wischt sich damit den Mund ab, gibt es seiner Frau zurück.

Der Schatz von Oggersheim

Heribert Schwan war Ghostwriter von Helmut Kohl. Er ist in die Rolle des Altkanzlers geschlüpft - und hat die Pflichten des Ghostwriter-Vertrages verletzt. Helmut Kohl hat recht mit seiner Klage. Von Heribert Prantl mehr ... Kommentar

Kohl ist inzwischen 84 Jahre alt. Seit einem Sturz 2007, den er mit einem Schädel-Hirn-Trauma nur knapp überlebt hat, kann er nur schwer sprechen. Kohl ist auf fremde Hilfe angewiesen. Vor allem die Hilfe der zierlichen Person, die in Frankfurt neben ihm Platz nimmt: Maike Kohl-Richter, seine Frau. Sie ist seine engste Verbündete, sie schützt ihn. Vor allem gegen Feinde.

Kohls größter Feind saß ein Stockwerk tiefer

Der momentan vielleicht größte Feind der Kohls sitzt eine Stunde zuvor und ein Stockwerk tiefer neben dem Justiziar des Heyne-Verlages. Heribert Schwan, 66 Jahre alt und Journalist, hat mit dafür gesorgt, dass Kohls Buchmessen-Auftritt viel beachtet wird.

Der aktuelle Spiegel titelt mit dem neuen Buch von Schwan, der als Ghostwriter für die ersten Memoirenbände Kohls fungierte. Mehr als 600 Stunden hat Schwan den Altkanzler in seinem Bungalow in Oggersheim interviewt und ein Tonband mitlaufen lassen. Kohl zog mitunter drastisch gegen Parteifreunde vom Leder - weil er darauf vertraut hat, die Passagen würden nicht veröffentlicht. Genau das tat Schwan, nachdem er nach einem Zerwürfnis nicht mehr für den Altkanzler arbeiten sollte. Seitdem streiten die beiden darüber, wer über den Inhalt der Gespräche verfügen darf - Kohl oder Schwan.