Alice Weidel Weltgewandte Ökonomin - und Ko-Spitzenkandidatin der AfD

Alice Weidel sitzt beim AfD-Bundesparteitag am Wochenende auf dem Podium.

(Foto: dpa)

Bei ihren Auftritten zeigt Alice Weidel einen vornehmen Habitus, doch mit ihren Angriffen auf den Islam und Forderungen nach einer "ganz strengen Grenzsicherung" bewegt sich die 38-Jährige im Mainstream ihrer Partei.

Von Jens Schneider, Berlin

Es ist schon eine besondere Rechnung, die Alice Weidel, eine Ökonomin, im Februar auf ihrer Facebook-Seite präsentiert. Unter dem Logo ihrer Partei AfD verbindet sie zwei Zahlen zu einer Parole. "328 Euro Asylkosten pro Bürger im Jahr", so steht da, "dafür muss ein deutscher Rentner 1512 Flaschen sammeln." Eine "schlimme Prioritätensetzung unserer Regierung sei das", schreibt die 38-Jährige dazu. Diese Art der Zuspitzung ist keine Ausnahme. Die AfD-Spitzenkandidatin formuliert gern deftig, wenn es gegen Flüchtlinge oder auch den Islam geht. Das spiegelt sich in vielen Posts dieser Art wider.

Es würde der jungen Frau aus Baden-Württemberg nicht gerecht, wenn man sie im AfD-Spitzenteam als die gemäßigte Ergänzung zum rechtsnationalen Senior Alexander Gauland sehen wollte. Weidel beschreibt sich als konservativ und freiheitlich, aber nicht liberal. In der AfD engagierte sie sich zunächst als Euro-Kritikerin. Sie ist seit der Gründung 2013 Mitglied und gehört dem Bundesvorstand an.

Die promovierte Betriebswirtin hat an der Universität Bayreuth ein Doppelstudium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre als Jahrgangsbeste abgeschlossen und startete ihre Berufslaufbahn in Frankfurt bei einer namhaften Investmentbank. Es folgten Stationen im Ausland, darunter sechs Jahre in China. Sie baute Start-ups mit auf, ist nun selbständige Unternehmensberaterin. Weidel lebt in Überlingen am Bodensee, mit ihrer Lebenspartnerin erzieht sie zwei kleine Söhne. In der AfD wurde die als weltgewandt angesehene Frau häufiger für mögliche Spitzenpositionen gehandelt.

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Es gibt wenige Frauen in der Partei, auch unter den Funktionären. Stets betont höflich, aber zugleich scharf und streng präsentiert Weidel bei ihren Auftritten einen vornehmen Habitus. Mit ihren Angriffen auf den Islam und Forderungen nach einer "ganz strengen Grenzsicherung" bewegt sie sich durchaus im Mainstream ihrer Partei.

Weidel stimmte für Parteiausschluss Höckes

Weidel gelang es lange, sich in der rauflustigen Partei aus internen Konflikten herauszuhalten. Im Frühjahr zählte sie dann aber zu jener Mehrheit im Parteivorstand, die mit der Vorsitzenden Frauke Petry dafür stimmte, den nach seiner Dresdner Rede umstrittenen Rechtsausleger Björn Höcke aus der AfD auszuschließen. Das führte zu Missmut auf der rechten Seite und erklärt wohl auch ihr Scheitern bei der Vorstandswahl im Heimatverband in Baden-Württemberg, wo Weidel im März gern eine von zwei Vorsitzenden geworden wäre.

Vor dem Parteitag in Köln stieß der Höcke-Freund Gauland zunächst auf Widerspruch, als er im rechten Parteilager für Weidel warb. Dabei hat sie aus ihren Erfahrungen gelernt und betont, dass die Partei jetzt "Einigkeit und Disziplin" zeigen müsse. Das von ihr befürwortete Ausschlussverfahren gegen Höcke kann lange dauern, viele rechnen mit einem Scheitern. Weidel will mit ihm kooperieren, was ihr inhaltlich leichtfallen dürfte. Mit seinem Freund Gauland war sie sich zum Ende des Parteitags in Köln politisch stets einig.

In Köln wurde Weidel nach ihren Erfahrungen in China gefragt und erklärte das Land zu einer Art Vorbild. Dort gebe es einen imponierenden Unternehmergeist. Jeder wolle arbeiten und arbeite. "Und die Chinesen legen größten Wert auf Grenzsicherung", ergänzte sie. "Da kann sich Deutschland doch ein gehöriges Stück abschneiden."

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