Von Johan Schloemann

FDP-Chef Guido Westerwelle warnt nach dem Verfassungsgerichts-Urteil zu Hartz IV vor "spätrömischer Dekadenz" - doch was meint er damit?

Guido Westerwelle sagt über den Sozialstaat: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern."

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FDP-Chef Guido Westerwelle warnt vor "spätrömischer Dekadenz". (© Foto: Reuters)

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Damit ruft Westerwelle das klassische Motiv des untergehenden römischen Kaiserreichs auf, das durch zu viel Wohlstand und Wohlleben alle Leistungsbereitschaft und Moral verloren habe. Bereits der römische Historiker Sallust geißelte um 40 v. Chr. die "Verdorbenheit", "Trägheit" und "niedrigen Gelüste" seiner Zeitgenossen, die der Luxus verweichlicht habe.

Der Satiriker Juvenal schrieb: "Jetzt leiden wir an den üblen Folgen eines lange dauernden Friedens: Schwelgerei hat uns erfasst." Saftigst ausgemalt wird die spätrömische Dekadenz in dem Roman "Satyricon" des Petronius, entstanden zur Zeit des Kaisers Nero, verfilmt von Fellini.

Vom Niedergang Roms ausgehend, führte der französische Staatsdenker Montesquieu den Begriff 1749 in die geschichtsphilosophische Debatte der Moderne ein.

Dass nun ausgerechnet Westerwelle vor Dekadenz warnt, hat einen besonderen Reiz. Er ist selbst passionierter Sammler von Werken des Künstlers Norbert Bisky, dessen Knabenmotive mit Fug und Recht dekadent genannt werden können. Der Maler hat einmal in einem Interview geäußert: ,,Ich habe als Jugendlicher die achtziger Jahre in der DDR als dekadent erlebt und fand das großartig.

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(SZ vom 12.2.2010/vw)