FDP-Chef Guido Westerwelle warnt nach dem Verfassungsgerichts-Urteil zu Hartz IV vor "spätrömischer Dekadenz" - doch was meint er damit?
Guido Westerwelle sagt über den Sozialstaat: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern."
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FDP-Chef Guido Westerwelle warnt vor "spätrömischer Dekadenz". (© Foto: Reuters)
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Damit ruft Westerwelle das klassische Motiv des untergehenden römischen Kaiserreichs auf, das durch zu viel Wohlstand und Wohlleben alle Leistungsbereitschaft und Moral verloren habe. Bereits der römische Historiker Sallust geißelte um 40 v. Chr. die "Verdorbenheit", "Trägheit" und "niedrigen Gelüste" seiner Zeitgenossen, die der Luxus verweichlicht habe.
Der Satiriker Juvenal schrieb: "Jetzt leiden wir an den üblen Folgen eines lange dauernden Friedens: Schwelgerei hat uns erfasst." Saftigst ausgemalt wird die spätrömische Dekadenz in dem Roman "Satyricon" des Petronius, entstanden zur Zeit des Kaisers Nero, verfilmt von Fellini.
Vom Niedergang Roms ausgehend, führte der französische Staatsdenker Montesquieu den Begriff 1749 in die geschichtsphilosophische Debatte der Moderne ein.
Dass nun ausgerechnet Westerwelle vor Dekadenz warnt, hat einen besonderen Reiz. Er ist selbst passionierter Sammler von Werken des Künstlers Norbert Bisky, dessen Knabenmotive mit Fug und Recht dekadent genannt werden können. Der Maler hat einmal in einem Interview geäußert: ,,Ich habe als Jugendlicher die achtziger Jahre in der DDR als dekadent erlebt und fand das großartig.
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(SZ vom 12.2.2010/vw)
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Na klar, ein bedingungsloses Grundeinkommen ist auf längere Sicht wohl ohnehin die einzig vernünftige Lösung der Problematik der Krise bzw. des Endes der Arbeitsgesellschaft. An Äußerungen wie der von Herrn Westerwelle zeigt sich aber mal wieder daß die für solche Innovationen verantwortlichen Poltiker wohl noch Lichtjahre von entsprechenden Einsichten entfernt sind...
Dir gebe ich übrigens uneingeschränkt Recht.
Übrigens ein zukunfstwesendes Konzept und eine Alternative zu Hartz 4 wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das vermag meiner Meinung nach die Freiheit und die Menschenwürde der Bürger noch besser zu gewährleisten als ein angehobener Hartz4 Satz.
Ein Schmankerl noch für Geschichts und Wirtschaftswissenschaftler
Guido Westerwelle sagt über den Sozialstaat: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern." Guido setzt also weiter voll auf Arbeit.
Das Römische Reich ist aber gerade deshalb untergegangen, weil es sich auf seine arbeitenden Sklaven übermässig gestützt hat und den Fortschritt vernachlässigt hat und somit seine überlegene Kultur nicht aufrecht erhalten konnte! Konkret, die Dekadenz der Römer bestand darin, dass sie sich daruf konzentriert haben Arbeiter auszubeuten anstatt darauf zu vertrauen, dass Wissenschaft und Technik den Schlüssel zum Erfolg bilden.
Wieder ein Mal ein schönes Eigentor Guido!
Mein Gott, dieser Vergleich angesichts des Hartz-Urteils! Es geht doch schlicht und ergreifend nur darum den geänderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, nämlich dem Problem, daß uns die Arbeit ausgeht, und ein Sozialstaat der die Menschenrechte achtet, aber trotzdem noch dafür sorgen sollte allen ein Mindestmaß an Teilhabe am Leben und die Möglichkeit des Überlebens zu ermöglichen. Das sollte in jedem Fall für die möglich sein die arbeiten, aber auch noch für diejenigen die strukturell ausgeschlossen sind. Notwendig sind also gesetzlich vorgeschriebene Mindestlöhne und angemessene Hartz4-Sätze. Dann ist ein Überleben wieder möglich; mit Arbeit hoffentlich auf einem Niveau das die Bezeichnung "Wohlstand" wieder verdient hat und ohne Arbeit auf einem Niveau das eine angstfreie, gesunde und menschenwürdige Existenz erlaubt. Von "Dekadenz" ist man auf einem solchen Niveau aber in jedem Fall Welten entfernt. Dekadenz findet sich höchstens im Lebenswandel der Banker, die selbst in der größten Wirtschaftskrise noch unbeschadet in ihren Millionen baden und sich einen Dreck darum scheren was morgen mit der Welt passiert. Daß diese Unversehrtheit von den Konsequenzen der eigenen Handiungen der Hilfe des Staates zu verdanken ist, das ist staatlich geförderte Dekadanz, aber auf keinen Fall die Forderung nach 500 Euro für eine alleinerziehende Mutter die keinen Job findet.
Und die 'Mövenpick' Partei fällt unter 5%
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