Ahmadinedschad zu Gast in Ägypten Bruderküsse für den seltenen Gast

Umarmung zwischen Schiit und Sunnit: Ahmadinedschad und Mursi am Flughafen von Kairo.

(Foto: AFP)

Seit der islamischen Revolution 1979 ist kein iranischer Präsident mehr nach Ägpyten gereist. Jetzt empfing Staatschef Mohammed Mursi in Kairo Mahmud Ahmadinedschad. Dennoch trennt beide Länder einiges - zum Beispiel die Syrien-Frage.

Mit Bruderküssen wurde Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad vom ägyptischen Staatschef Mohammed Mursi am Flughafen Kairo empfangen - ein historisches Ereignis für beide Länder: Erstmals seit der islamischen Revolution 1979 besuchte ein iranischer Präsident Ägypten.

Die herzliche Begrüßung sollte die Verbesserung der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern seit der Wahl des islamistischen Präsidenten in Ägypten unterstreichen. Ein solcher Besuch wäre während der Herrschaft Hosni Mubaraks, Mursis Vorgänger, völlig undenkbar gewesen. Ahmadinedschad will von Mittwoch an zudem am Gipfeltreffen islamischer Länder in Kairo teilnehmen.

Eines der wichtigsten Themen des Ahmadinedschad-Besuches dürfte der Bürgerkrieg in Syrien sein. Wie bei zahlreichen anderen Themen hat Ägypten hierzu eine andere Haltung als Iran. Der Sunnit Mursi ist einer der schärfsten Kritiker des um seine Macht kämpfenden syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Das schiitisch geprägte Iran hingegen unterstützt Assad.

Nach ersten Gesprächen besuchte Ahmadinedschad die sunnitische Al-Ashar-Universität, die Sunniten in aller Welt als oberste Instanz für religiöse und rechtliche Fragen gilt. Allerdings wirkten die Gastgeber bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ahmadinedschad weniger euphorisch als ihr iranischer Gast. Die ägyptischen Islamgelehrten forderten ihn nach Informationen des Nachrichtensenders al-Arabija auf, die Rechte der sunnitischen Minderheit in Iran zu respektieren.

Staatsbegräbnis für Schah Resa Pahlawi

Trotz der Differenzen haben sich beide Länder im Zuge des Arabischen Frühlings angenähert. Beim Besuch des Islamisten Mursi im vergangenen August in Iran hatten beide Länder die Wiedereröffnung von Botschaften vereinbart. Die Regierung in Teheran hatte die Beziehungen 1980 kurz nach der Revolution im eigenen Land und dem ägyptischen Friedensvertrag mit dem iranischen Erzfeind Israel abgebrochen.

Immer wieder hatten beide Länder in der Folge ihre gegenseitige Abneigung deutlich gemacht: In Iran wurde eine Straße nach dem Attentäter benannt, der den ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat ermordet hatte. Ägypten wiederum gewährte dem 1979 vertriebenen iranischen Schah Resa Pahlawi Asyl und ein Staatsbegräbnis.