Grenzen der Entwicklungshilfe Afrika muss sich selbst helfen

Einnahmen aus Rohstoffen sind ein Vielfaches höher als die Entwicklungsgelder.

(Foto: dpa)

Der Anspruch, die armen Länder der Welt durch Entwicklungs­hilfe zu retten, ist viel zu ambitioniert. Zumal Einnahmen aus Rohstoffen ein Vielfaches höher sind.

Gastbeitrag von Klaus Stocker

Seit so viele Flüchtlinge nach Europa kommen, sind die Chancen groß, dass Entwicklungspolitik zur Chefsache wird, einige hoffen sogar auf einen Marshallplan. Sie übersehen dabei, dass in den vergangenen 55 Jahren bereits eine Billion Dollar Hilfsgeld allein nach Afrika geflossen sind. Warum stellt niemand die Frage, ob es wirklich einen Marshallplan braucht? Hilft viel Geld viel?

Tatsache ist, dass es bereits heute nicht genügend Projekte für das vorhandene Geld gibt. Projekte, auch wenn sie noch so gut gemeint sind, benötigen eine sensible Planung und Vorbereitung. Das braucht Zeit und kann nicht nach dem Gießkannen-Prinzip erfolgen, vor allem, wenn die Verwaltung in einem Land korrupt ist.

Nun werden Experten darauf hinweisen, dass sich in Jahrzehnten der Entwicklungszusammenarbeit die Zahl der Analphabeten und die Kindersterblichkeit reduziert, die Lebenserwartung erhöht und sich Wasser- und Stromversorgung verbessert haben. Das ist tatsächlich so, und es wäre unfair, das nicht auch den Entwicklungsbemühungen der reichen Staaten zuzurechnen.

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Aber vielleicht wären diese Fortschritte auch erzielt worden, wenn es Entwicklungszusammenarbeit nicht gegeben hätte, weil die Regierungen der Empfängerländer dann gezwungen gewesen wären, selbst mehr Geld in die Entwicklung zu stecken und weniger Waffen zu kaufen? Der Rückzug des Westens aus Somalia hat allerdings gezeigt, dass auch das Gegenteil passieren kann, deshalb sollte man vorsichtig mit vorschnellen Folgerungen sein. Entwicklungsarbeit kann auch helfen, Regionen zu stabilisieren.

Rimbert Hemmer, einer der Altväter der deutschen Entwicklungswissenschaften, spricht von einem Mikro-Makro-Paradoxon: Trotz vieler guter und erfolgreicher Projekte im Kleinen ist es nicht gelungen, die betroffenen Länder insgesamt aus der Armut herauszuführen. Anders ausgedrückt: Entwicklungshilfe beschränkt sich auf Reparaturen an der Schiffsmaschine, ohne zu fragen, wohin der Kapitän das Schiff steuert.

Während kein Fall bekannt ist, in dem viel Geld viel geholfen hätte, gibt es stattdessen eine Reihe von Negativbeispielen in rohstoffreichen Ländern wie Nigeria, dem Kongo oder auch Angola, deren Einnahmen aus Rohstoffexporten das zigfache des Entwicklungsgeldes betragen und deren Entwicklung dennoch alles andere als positiv verlaufen ist.

Entwicklungshilfe unbedeutend im Vergleich zu Erdöl-Einnahmen

Beispielsweise betrugen im Jahr 2014 Nigerias Öleinnahmen 85,6 Milliarden Dollar, Migranten überwiesen etwa 20 Milliarden Dollar an ihre Familien und Freunde in der Heimat; dem stand Entwicklungshilfe in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar gegenüber. Obwohl Nigeria damit eines der Länder ist, die am meisten Entwicklungsgeld erhalten, sind diese Mittel im Vergleich zu den Einnahmen aus dem Ölgeschäft unbedeutend. Trotzdem ist Nigeria noch ein armes Land.

In dieser Situation befinden sich viele rohstoffreiche Entwicklungsländer. Auch in den Kongo fließen enorm hohe Summen für Rohstoffexporte, die allen möglichen Gruppierungen, aber nicht der Masse der Menschen im Land zugute kommen. Nimmt man das ölreiche Angola noch hinzu, dann lebt in diesen rohstoffreichen drei Ländern fast ein Drittel der Einwohner Afrikas südlich der Sahara. Erdöl, Gas, Gold, Kupfer, Kobalt, Coltan sind Rohstoffe, mit denen auch viele andere Länder Afrikas reich gesegnet sind.