Affäre um David Petraeus Untreuen US-Soldaten drohen drakonische Strafen

Bis zu einem Jahr Gefängnis, unehrenhafte Entlassung oder der Verlust aller Pensionsansprüche: Das Militärstrafgesetzbuch der amerikanischen Streitkräfte stellt Ehebruch streng unter Strafe. So zerstören Affären im US-Militär viele Karrieren.

Von Reymer Klüver, Washington

Eigentlich wollte der Held nicht einsehen, dass er fallen muss. David Petraeus, so ist es in US-Medien nachzulesen, hatte keineswegs vor, seinen Job als Chef des Geheimdienstes CIA wegen seines Verhältnisses mit Paula Broadwell, seiner Biografin, an den Nagel zu hängen. Schließlich hatte er, der gefeierte, hochdekorierte ehemalige Vier-Sterne-General, die Affäre mit der verheirateten Frau von sich aus beendet.

Ihm wurde keine strafbare Handlung vorgeworfen. Aber nachdem Amerikas oberster Geheimdienstkoordinator James Clapper, ein früherer Drei-Sterne-General, ihn am Dienstag vergangener Woche, am Wahlabend, mit den Ermittlungen des FBI in der Sache konfrontiert und den Rücktritt nahegelegt hatte, zögerte Petraeus nicht lange: Er bat den Präsidenten um seine sofortige Entlassung.

Was Petraeus zu dem abrupten Sinneswandel veranlasst hat, ist nicht klar: die Sorge um das Amt, die Angst vor der öffentlichen Schmach nach Bekanntwerden der Affäre, das Wissen, dass er kommenden Donnerstag im Kongress zur Rolle der CIA bei den tödlichen Vorkommnissen im US-Konsulat in Bengasi hätte Stellung nehmen müssen - und wahrscheinlich über sein Privatleben vernommen worden wäre?

All das mag zu seiner Entscheidung beigetragen haben. Sicherlich aber dürfte er sich spätestens nach der Unterredung mit Clapper an den Uniform Code of Military Justice (UCMJ) erinnert haben, an das Militärstrafgesetzbuch der amerikanischen Streitkräfte, in denen er mehr als 37 Jahre gedient hatte.

Das stellt noch immer Ehebruch unter Strafe, wenn es dem Ruf der Streitkräfte schadet und die Disziplin und die Ordnung in der Truppe gefährdet. Unehrenhafte Entlassung, Verlust aller Pensionsansprüche und sogar ein Jahr Gefängnis sieht der Paragraf 134 des UCMJ vor.

Und so ganz selten ist es gar nicht, dass dieser Paragraf noch zur Anwendung kommt. Die New York Times führte mehrere Fälle allein in diesem Jahr an. Darunter den Fall des Brigadegenerals Jeffrey Sinclair, bis vor kurzem noch stellvertretender Kommandeur der berühmten 82. Luftlandedivision, einer der Eliteeinheiten der US-Streitkräfte: Er steht wegen Beziehungen zu fünf - untergebenen - Frauen vor Gericht. Und James Johnson, Ex-Kommandeur der 173. Luftlandebrigade, wurde gefeuert, als sich herausstellte, dass er ein Verhältnis mit einer irakischen Frau hatte.

Im vergangenen Jahr beendeten Vorwürfe, eine "unangemessene" Beziehungen zu einer Untergebenen unterhalten zu haben, den Aufstieg des Generals James Cartwright zum Generalstabschef der US-Streitkräfte. Cartwright war zwar freigesprochen worden, der Makel aber blieb.

Am spektakulärsten dürfte der Fall der B-52-Pilotin Kelly Flynn sein, der ersten Frau, die einen der Atom-Bomber Amerikas flog. Sie sollte 1997 vors Kriegsgericht, weil sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann hatte (dessen Frau ihre Untergebene war). Wohl wegen der Wellen, die der Fall in den US-Medien schlug, kam es nicht so weit.

Flynn musste aber aus der Air Force ausscheiden. Die Regierung unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton (der mit der Lewinsky-Affäre) ließ daraufhin das Militärstrafgesetzbuch überarbeiten und wollte den Straftatbestand des Ehebruchs herunterstufen - was einen Aufschrei im Kongress zur Folge hatte.

Erst unter Clintons Nachfolger George W. Bush wurden die Änderungen in aller Stille umgesetzt. Dennoch steht Ehebruch im UCMJ weiterhin unter Strafe - allerdings eben nur noch, wenn die Truppe in Mitleidenschaft gezogen wird.