Moskau ist eingeschlossen von einem Ring aus Feuer. Immer näher rücken die Brände, und ihr Rauch zieht bis in die U-Bahn-Schächte.
Kupawna - Wenigstens die russische Flagge ist verschont geblieben. Stolz und unversehrt flattert sie an der hölzernen Fassade des blassgelben Hauses, angetrieben vom Wind, der sich mit der Hitze zu einer unheiligen Allianz verbündet hat. Das Haus nebenan ist abgebrannt. Ein verrußter Kinderwagen liegt auf dem Boden, daneben krümmen sich Reste des Dachs auf der verkokelten Erde, nur ein gemauerter Kamin ragt auf der Mitte des Grundstücks in die Höhe. Einsam steht er da, wie ein vergessener Obelisk aus alter Zeit. Der Rest ist Schutt und Asche.
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Die seit Tagen andauernden Wald- und Torfbrände rund um Moskau haben die Stadt in dichte Rauchschwaden gehüllt. Touristen auf dem Roten Platz tragen Mundschutz - und die berühmten Zwiebeltürme verschwinden fast im Smog. (© AFP)
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In ganz Moskau ist der Schrecken der Feuersbrunst bereits zu riechen, hier in Kupawna ist er zu sehen. Die Katastrophe schleicht sich an die Hauptstadt heran, umfasst sie beinahe wie ein äußerer Feuerring - Schatura, Luchowitzkij, Rjasan. Im Südosten der Stadt brannte bereits ein Nachschubzentrum der Marine, weshalb Präsident Dmitrij Medwedjew am Mittwoch einige Offiziere entließ. Auch das Gebiet von Wladimir wird von den Flammen heimgesucht, es ist Teil des historischen Goldenen Rings altrussischer Städte. Und Kupawna. Eine kleine Holzsiedlung mitten im Wald, und doch nur 20 Kilometer entfernt vom äußeren Moskauer Stadtgürtel. Kupawna gehört zu den vielen Orten um Moskau, die die Hauptstadt allmählich ausräuchern. Bis in die Tiefen der Metro dringt der beißende Geruch. "Stärker und stärker wurde der Rauch, er wurde sogar warm vom Feuer des Brandes", schrieb Leo Tolstoi in "Krieg und Frieden". Damals zündeten die Moskauer Bürger auf Befehl ihre eigenen Häuser an, um Napoleon aus der Stadt zu treiben. Diesmal zieht das Feuer von selber heran. In Kupawna begann es mit dem Wald.
Eine Woche ist es her, dass die ersten Bäume sich entzündeten. Danach brannte auch der Torf. Roman Senzow vermutet, dass sich der trockene Torf durch Glas entzündet hat. Durch Sonnenlicht, das sich vielleicht in einer Scherbe brach. Oder durch eine Zigarette. Oder durch ein Grillfeuer, das nicht ordentlich gelöscht wurde. "Die Menschen sind ja manchmal einfach verantwortungslos", sagt er. Senzow ist der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Elektrougly, aber jetzt läuft er in Camouflage-Uniform herum. Das wirkt zupackend, und die Bürger von Kupawna machen gerne mit. Bis zu 500 Hektar sind bei den Waldbränden rund um Kupawna bereits vernichtet worden, und Senzow sagt, "wenn nicht so viele Menschen mitgeholfen hätten, gäbe es dieses Dorf gar nicht mehr".
Jurij Pankratow ist einer dieser Helfer, und weil er bei fast 40 Grad seinen Oberkörper von seinem Shirt befreit hat, ist der weiße Verband am linken Arm deutlich zu sehen. Er ist so etwas wie seine persönliche Tapferkeitsmedaille im Kampf gegen die Flammenhölle. Drei Häuser hat er gerettet, indem er mit seinen kräftigen Händen rechtzeitig Bäume gefällt hat. Die Bäume sind Opfer, und doch auch eine große Gefahr. Pankratow hielt auch Wache in der Nacht, und als sich die Flammen einmal aufs Neue entzündeten, schlug er sofort Alarm. Inzwischen sind die Bäume auf einem Gebiet so groß wie Dutzende Fußballfelder verschwunden. Abgebrannt, abgetragen. Übriggeblieben sind ein paar schwarze Holzstümpfe. Aber da ist ja noch der Torfboden, überzogen von dampfenden Rauchschwaden, aus denen bei einem kleinen Windstoß schon wieder die Flammen schießen. Kupawna bleibt bedroht. Denn der Torf brennt unterirdisch, "und wenn nicht bald endlich der Regen kommt", sagt Senzow, "dann frisst sich der Brand an die Häuser heran, die jetzt noch stehen."
Doch der Regen hat sich noch nicht angekündigt, auch wenn eine Frau sagt, sie bete jeden Tag. Die Nachrichtenlage in Russland bleibt schlecht, und die Wetterlage stabil. Knapp 40 Grad sind noch mindestens bis Mitte der kommenden Woche vorausgesagt. Das hat Moskau, hat Russland noch nie erlebt. Die Plage will einfach nicht weichen. Moskau ist umzingelt von Bränden, die sich wie freche Teufel an einer Stelle besiegen lassen, aber dafür an anderer wieder munter werden. Rauchschwaden haben sich über das Zentrum, den Kreml, das Weiße Haus gelegt, und es ist schwer zu sagen, welche Mitschuld die Politik an allem trägt.
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Nachdem die Brände Hausgemacht sind (vor einigen Jahren unterschrieb Putin als Präsident einen neuen Waldkodex, ein Gesetz, mit dem die Zentrale in Moskau die Oberaufsicht über den Schutz der russischen Wälder praktisch aufgab. ) sollten die Neoliberalen Kräfte in Deutschland endlich aufhören nach weiterer Privatisierung von staatlichen Betrieben (hier Forstwirtschaft) zu rufen. Alle Beispiele gingen bisher in die Hose, da der freie Markt nur Geld will und der Kunde und die Erde nicht interessiert.
Man kann nur hoffen, dass die Zerstörung nicht noch größer wird.
Mein Mitgefühl gehört den Menschen, die ihr Hab' und Gut verlieren/verloren, aber leider auch ihr Leben. Denken möchte ich auch nicht an all' die Kunstschätze, die möglicherweise dem Feuer zum Opfer fallen, wobei das Menschenleben natürlich über allem steht!