Verfahren wegen Sex mit Minderjähriger Prozess gegen Ribéry vertagt

Kurz nach dem Beginn ist der Prozess gegen Bayern-Fußballer Franck Ribéry wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten ausgesetzt worden. Das Gericht in Paris gab einem Antrag seines Anwalts statt. Jetzt soll die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzesartikels geprüft werden, auf dessen Grundlage Ribéry angeklagt wurde.

Vor wenigen Wochen stand Franck Ribéry noch auf dem Münchner Rathausbalkon, um seinen dreifachen Titelgewinn mit dem FC Bayern zu feiern - jetzt steht er in seiner französischen Heimat vor Gericht. An diesem Dienstag hat in Paris der Prozess gegen den Bayern-Profi, seinen Nationalmannschaftskollegen Karim Benzema und sechs weitere Angeklagte begonnen. Ihnen wird eine Verwicklung in den Sex-Skandal um die minderjährige Prostituierte Zahia D. vorgeworfen.

Die Ermittlungen in dem Fall wurden bereits im Jahr 2010 eingeleitet. Ribéry wies damals alle Vorwürfe von sich: Er habe nicht wissen können, dass die Frau, mit der er 2009 in München Sex hatte, minderjährig war. Zahia D. habe ihm gesagt, sie sei 20 Jahre alt. Tatsächlich war sie zum fraglichen Zeitpunkt aber erst 17.

Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb im Jahr 2011 die Einstellung des Verfahrens. Ein Antrag, dem Ermittlungsrichter André Dando nicht nachkommen wollte. Dass es nun tatsächlich zum Prozess gekommen ist, findet Ribérys Anwalt Carlos Alberto Brusa "skandalös". Richter Dando wolle das Verfahren womöglich nutzen, um sich zu profilieren.

Zum Auftakt des Prozesses stellte Ribérys Anwalt jetzt den Antrag, die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzesartikels zu prüfen, auf dessen Grundlage sein Mandant angeklagt wurde. Das Gericht zog sich daraufhin zu Beratungen zurück. Sollte das der Antrag an den französischen Kassationsgerichtshof weitergeleitet werden, wird das Verfahren ausgesetzt. Ribérys Anwalt Brusa wollte zudem beantragen, die Öffentlichkeit von dem Verfahren auszuschließen.

"Sie haben nichts gewusst"

Ribéry, Benzema und Zahia D. erschienen nicht vor Gericht. Brusa begründete das Fernbleiben des Bayern-Stars damit, dass es in dem Fall "keine Opfer" und auch "keine Anklage" gebe. Zahia D., die durch die Affäre in Frankreich zweifelhafte Berühmtheit erlangte, trete nicht mehr als Nebenklägerin auf. Sie trage den beiden Fußballstars auch nichts mehr nach. Wie die Zeitung Le Monde auf ihrer Internetseite schreibt, beteuerte Zahia in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender TF1, gegenüber den Fußballspielern über ihr Alter gelogen zu haben. Die beiden hätten überhaupt nichts gewusst.

Insgesamt sind für den Prozess vier Verhandlungstage anberaumt. Bei einer Verurteilung droht Ribéry eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe von bis zu 45.000 Euro.

Zwischen Kritik und Unterstützung

Nach Bekanntwerden der Sex-Affäre war Ribéry in Frankreich öffentlich an den Pranger gestellt worden. Mehrere Politiker hatten vor der WM 2010 in Südafrika den Ausschluss des Mittelfeldspielers gefordert.

Der Sportvorstand des FC Bayern, Matthias Sammer, sagte Ribéry dagegen zuletzt die volle Unterstützung des Vereins zu. "Natürlich beschäftigen wir uns damit, an so einem Thema können wir nicht vorbeigehen. Wir haben eine Verantwortung dem Spieler gegenüber und werden ihm signalisieren, dass wir an seiner Seite sind, und er von uns die beste Unterstützung erhält", sagte Sammer.