Newsblog-Nachlese Erster Tag des Pontifikats

Zwar nicht schon am ersten Tag seiner Amtszeit, aber in den kommenden Tagen will der neu gewählte Papst seinen Vorgänger treffen. Franziskus werde schon bald nach Castel Gandolfo reisen, teilte der Vatikan mit.

Die Entwicklungen zum Nachlesen. Von Jana Stegemann

Der erste Auftritt des neuen Papstes hat die Gläubigen elektrisiert. Als sich um 20:22 Uhr der schwere Vorhang teilte und Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, auf die Benediktionsloggia trat, fehlte der päpstliche Schulterkragen, die Mozetta. Ein Zeichen für Demut und Bescheidenheit, interpretierten die Kommentatoren weltweit.

Der 76-jährige Erzbischof von Buenos Aires wird als Franziskus Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken. Nach 13 Tagen Sedisvakanz bekommt die Weltkirche damit einen Jesuiten als neues Oberhaupt.

Doch die Reaktionen auf den neuen Papst sind geteilt: Seine Anhänger rühmen Bergoglio für seinen Kampf gegen die Armut; doch der Geistliche ist eine durchaus umstrittene Figur in seiner Heimat. Nicht nur, was seine konservative Haltung zu Homo-Ehe und Abtreibung angeht. Auch seine Rolle während der Militärdiktatur ist nicht restlos geklärt.

07:29 Uhr Ratzinger-Bruder ist "überrascht"

Georg Ratzinger, Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Er habe mit seinem Bruder Joseph Ratzinger nicht über ihn gesprochen. "Der Name ist nie gefallen." Der 89-Jährige bekannte, dass er Bergoglio nicht "auf meiner Liste hatte".

07:56 Uhr "An den Kardinal Bergoglio habe ich nicht gedacht"

Joachim Meisner

Joachim Meisner

(Foto: dpa)

Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, äußerte sich folgendermaßen zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche: "An den Kardinal Bergoglio habe ich nicht gedacht. Ich hätte mir einen anderen vorgestellt." Es sei aber ein gutes Zeichen, dass der neue Papst ganz anders sei, als er erwartet habe. Bergoglio habe das Format, Papst zu sein. "Der ist uns wirklich geschenkt und der sei uns auch wirklich herzlich willkommen."

08:05 Uhr "Die Kirche ist nicht europazentriert"

Auch aus NRW kamen Glückwünsche nach Rom. Neben Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und dem Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat sich auch Felix Genn, Bischof aus Münster, geäußert. Dass die Wahl auf einen Argentinier fiel, sieht er als klares Zeichen: "Die Kirche ist nicht europazentriert, sondern Weltkirche, Universalkirche."

08:37 Uhr Maradona will Papst Franziskus kennenlernen

Argentiniens Fußball-Ikone Diego Maradona ist stolz, dass sein Landsmann Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt worden ist. "Den Fans zufolge ist der Fußballgott Argentinier - jetzt ist auch der Papst Argentinier", sagte der frühere argentinische Nationalspieler nach einem Bericht der Zeitung La Nación. "Das macht das ganze Land glücklich."  Maradona wünscht sich, bald von Papst Franziskus empfangen zu werden. Als er vor Jahren vom damaligen Papst Johannes Paul II. empfangen worden sei, sei dies ein "unvergessliches Gefühl" gewesen, so der Ex-Fußballer.

09:01 Uhr Papst Franziskus reist angeblich nicht gern

Der neue Papst Franziskus geht nach Angaben des Weihbischofs von Buenos Aires, Eduardo García, nicht gerne auf Reisen. "Ich sehe ihn nicht als einen Papst, der reist - tatsächlich reist Bergoglio nicht gerne", sagte García dem argentinischen Sender Todo Noticias.

09:32 Uhr Einflüsterer Chávez

Venezuelas Interims-Präsident Nicolás Maduro ist sich sicher, dass der vor über einer Woche gestorbene venezolanische Staatschef Hugo Chávez bei der Papst-Wahl seine Hände im Spiel hatte. "Wir wissen, dass unser Kommandant (Chávez) in diese Höhen aufgestiegen ist und Christus gegenübersteht. Er muss einen Einfluss auf die Wahl eines südamerikanischen Papstes gehabt haben", sagte Maduro in Caracas nach der Vorstellung des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio als neuer Papst Franziskus. Bergoglio ist der erste Pontifex aus Lateinamerika.

10:05 Uhr Himmlische Einschaltquoten

Der neue Papst zur besten Sendezeit: Als Jorge Mario Bergoglio sich gestern erstmals auf dem Balkon des Petersdoms in der Zeit zwischen 20.15 und 20.20 Uhr zeigte, schauten 7,98 Millionen Zuschauer (Marktanteil 23,8 Prozent) im ZDF zu, 7,42 Millionen (22,1 Prozent) hatten die ARD-Tagesschau eingeschaltet. Das hat das Marktforschungsfirma Media Control ermittelt. Die RTL-News zwischen 20.12 und 20.32 Uhr interessierten 2,51 Millionen Zuschauer, die Sat.1 Nachrichten ab 20.00 Uhr 2,07 Millionen (6,4 Millionen) - der Sat.1-Zuschauer erfuhr jedoch nicht mehr während der Live-Übertragung, wer der neue Papst wurde. Stattdessen begann die Komödie "Du schon wieder".

10:38 Uhr Anwalt der Armen

Der Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bernd Klaschka, freut sich besonders über den neuen Papst: "Dass ein Argentinier Papst geworden ist, erfüllt mich mit besonderer Freude und der Gewissheit, dass der neue Pontifex die Anliegen der Menschen in Lateinamerika kennt und aufnimmt - insbesondere die der Armen und Benachteiligten." Die Bischöfliche Aktion Adveniat hat im Heimatland des neuen Papstes im vergangenen Jahr 188 Projekte mit insgesamt knapp 2,6 Millionen Euro gefördert. Seit 50 Jahren unterstützt Adveniat kirchliche Initiativen zugunsten der Armen und Benachteiligten in Lateinamerika und der Karibik. Aber auch andere katholische Hilfswerke verbinden mit der Wahl des neuen Papstes die Hoffnung auf ein stärkeres Engagement für die Armen. So ist Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel zuversichtlich, dass Bergoglio auch als Oberhaupt der katholischen Weltkirche ein Anwalt der Armen und Entrechteten sein werde.

10:52 Uhr Spott auf Twitter

Brian Walsh schreibt: "Wow. The heads of all major religions (iOS, Android, Windows, and the Catholic Church) have been replaced in a 6 month time period." Damit verweist Twitter-Nutzer Walsh auf den Rücktritt von Ex-iOS-Boss Scott Forstall im Oktober des vergangenen Jahres, auf den ehemaligen Windows-Chef Steven Sinofsky, der im November 2012 zurücktrat und auf Andy Rubin, der heute sein Amt als Android-Chef aufgegeben hat. 

11:26 Uhr Neuer Papst will schnellstmöglich Benedikt XVI. treffen

Die italienische Zeitung Il Fatto Quotidiano schreibt, dass der neue Papst höchstwahrscheinlich in den nächsten Stunden Joseph Ratzinger in Castelgandolfo besuchen wird. Franziskus habe diesen Wunsch anscheinend schon bei den Glückwünschen der Kardinäle gestern Abend geäußert. Laut Il Fatto Quotidiano hat der neue Papst Bergoglio gefragt, ob man die heutige Messe am Nachmittag in der Sixtinischen Kapelle auch etwas später feiern könne, da er morgen "drei Dinge zu tun habe". Am Morgen hatte Papst Franziskus die römische Marienbasilika Santa Maria Maggiore besucht. Dort sprach das neue Oberhaupt der katholischen Kirche mit dem Erzpriester der Basilika und mit einer Gruppe von Schülern, die wegen der unerwarteten Begegnung mit dem Papst zu spät in die Schule kamen. Die Welt berichtet, dass er im Anschluss in der Kleriker-Unterkunft "Domus Internationalis Paulus VI" in der römischen Altstadt Halt machte, "um ein paar Sachen mitzunehmen". In dem Haus nahe dem Pantheon hatte er vor dem Konklave gewohnt. 

12:14 Uhr Peinlicher Fehler: Bischofskonferenz gratuliert dem Falschen

Der italienischen Bischofskonferenz ist ein peinlicher Fehler unterlaufen: In einer E-Mail gratulierte sie dem falschen Papst. Statt dem Argentinier Bergoglio wurde in der kurz nach der Ankündigung "Habemus Papam" verschickten Nachricht der Italiener Angelo Scola beglückwunscht. Scola war lange als Topfavorit des Konklaves gehandelt worden. Monsignore Mariano Crociata, der die Nachricht verfasste, war offensichtlich in der Eile die vorbereitete Nachricht ungeändert durchgerutscht. In einer nachfolgenden E-Mail wurde der Name aber berichtigt.

 In einer nachfolgenden E-Mail habe man dann den richtigen Namen eingesetzt. Nettes Detail: In der E-Mail lobte man, dass die Kirche eben kein am Tisch erdachtes Konstrukt sei, sondern eine sehr lebendige Einrichtung. Eine Einrichtung, in der, wie man sieht, sehr menschliche Fehler passieren.

12:47 Uhr Ein göttliches Zeichen

Berühmte Möwe

Berühmte Möwe

(Foto: AFP)

"In Zukunft wird jeder 15 Minuten berühmt sein" - so lautet ein Zitat von Andy Warhol. Und genau das trifft auf die Möwe zu, die es sich gestern Abend auf dem Dach des Schornsteins der Sixtinischen Kapelle gemütlich machte. Als die ganze Welt auf Rauchzeichen wartete, thronte der Vogel hoch oben über dem Petersplatz - und sorgte für viel Erheiterung unter den Tausenden Pilgern. Jetzt hat die Möwe einen eigenen Twitter-Account mit schon 8.625 Followern. 

13:07 Uhr Vatikansprecher Federico Lombardi zeigt sich überrascht

Alle seien vom Ausgang des Konklave überrascht gewesen, sagt Vatikansprecher Federico Lombardi. Auch er selbst habe nicht mit Bergoglio gerechnet. Vor den versammelten Journalisten aus aller Welt fügt er aber hinzu, es habe sich um eine sehr positive Überraschung gehandelt. 

13:24 Uhr Franziskus und sein Vorgänger

Welche Rolle wird der emeritierte Pontifex künftig spielen? Völlig von der weltkirchlichen Bühne ist er jedenfalls noch nicht verschwunden: Am Abend seiner Ernennung telefonierte Franziskus schon mit seinem Vorgänger, in den kommenden Tagen will er ihn in Castel Gandolfo besuchen. Das teilte Sprecher Lombardi mit - und dementierte Berichte, wonach Franziskus noch heute in die päpstliche Sommerresidenz reisen würde. 

13:29 Uhr Autobus statt Papamobil

Franziskus' demonstrative Bescheidenheit erstreckt sich auch auf die Wahl des päpstlichen Transportmittels: In seinen ersten Stunden als Papst stieg er nicht in die bereitgestellte Limousine, sondern fuhr gemeinsam mit den Kardinälen im Bus zurück zum Gästehaus Santa Marta. "Das hat gerade die Mitarbeiter beeindruckt", sagte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

14:17 Uhr Vielsprachiger Papst

Der neue Papst beherrscht außer seiner Muttersprache Spanisch auch Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch. Das hat Vatikansprecher Federico Lombardi berichtet. Die deutschen Kardinäle Reinhard Marx und Rainer Maria Woelki erklärten, das Deutsch des neuen Papstes sei praktisch akzentfrei.

14:52 Uhr Jesuiten sind "überrascht"

Auf die Wahl ihres argentinischen Ordensbruders Jorge Mario Bergoglio zum Papst haben die Jesuiten in Deutschland "überrascht" reagiert. "Normalerweise strebt kein Jesuit nach Ämtern und Würden in der Kirche", erklärte Stefan Kiechle, Provinzial der deutschen Jesuitenprovinz, die auch Dänemark und Schweden umfasst, "er verweigert sich aber auch nicht, wenn er in den Dienst gerufen wird." Seine Namenswahl zeige, "wie wichtig ihm der Einsatz für die Armen ist und wie sehr ihm selbst an einem einfachen und ökologisch bewussten Lebensstil liegt". 

15:30 Uhr Papst zahlt Rechnung selbst

Seine Bescheidenheit demonstriert Franziskus auf vielfältige Weise - doch, dass er höchstpersönlich seine Hotelrechnung begleichen und seine Koffer abholen würde, überrascht doch. Franziskus holte am Tag nach seiner Wahl höchstpersönlich sein Gepäck in dem Gästehaus in Rom ab, wo er es vor dem Konklave zurückgelassen hatte. Das sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Donnerstag in Rom. "Er hat die Rechnung selbst bezahlt, um mit gutem Beispiel voran zu gehen", ergänzte er.