Polizeigewalt in den USA Ausschreitungen in Baltimore nach Tod eines Afroamerikaners

Wut nach vermutlich neuem Fall von Polizeigewalt: Ein Kind wirft einen Stein Richtung Polizei.

(Foto: REUTERS)
  • Eine Woche nach dem vermutlich durch Polizeigewalt verursachten Tod des Afroamerikaners Freddie Gray kommt es in Baltimore zu Ausschreitungen.
  • Demonstranten werfen Flaschen und Steine nach Polizisten, beschädigen Polizeiwagen und Schaufenster.
  • Zwölf Menschen werden festgenommen.

Acht Festnahmen nach gewaltsamen Protesten

Bei Protesten nach dem Tod des Schwarzen Freddie Gray, der vermutlich durch Polizeigewalt schwere Verletzungen erlitten hatte, ist es in der US-Metropole Baltimore zu Ausschreitungen gekommen. Nach US-Medienberichten wurden Polizeiwagen beschädigt, Polizisten unter anderem mit Steinen und Wasserflaschen beworfen und als "Mörder" beschimpft. Auch seien die Scheiben von Geschäften zertrümmert und ein Laden geplündert worden. Der Polizei zufolge wurden zwölf Menschen festgenommen.

Örtliche Fernsehsender zeigten Hubschrauberaufnahmen von der Menge, die Flaschen und Mülleimer auf Polizisten warf. "Die Demonstranten schmeißen jetzt Fenster ein und werfen Gegenstände auf uns", schrieb die Polizei von Baltimore im Kurznachrichtendienst Twitter. Zugleich rief sie die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren.

Demonstrationen begannen friedlich

Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, machte die Polizei bei Twitter Demonstranten von außerhalb für die Krawalle verantwortlich. Der Protestmarsch habe friedlich begonnen. Mehr als eintausend Menschen forderten Gerechtigkeit für Freddie Gray. Redner riefen Präsident Barack Obama auf, eine nationale Untersuchung zu Polizeigewalt einzuleiten. "Das muss aufhören. Das muss wirklich aufhören, denn es hätte jeder von uns sein können", sagte ein entfernter Verwandter Grays.

Die etwa 300 Demonstranten waren von dem Wohnblock, in dem Gray festgenommen wurde, bis zu einer Polizeiwache gelaufen. Dabei skandierten sie: "Ohne Gerechtigkeit kein Frieden". Im Laufe des Marsches schwoll die Zahl der Teilnehmer immer weiter an. Die Lage eskalierte am Abend, als mehrere dutzend junge Demonstranten zum Camden Yards-Baseballstadion weiterzogen.

Es war die bisher größte Kundgebung nach Grays Tod: Demonstranten am Samstag, 25.4., in Baltimore.

(Foto: AFP)

Grays Schwester mahnt zu Ruhe

Grays Zwillingsschwester rief die Demonstranten zur Ruhe auf. "Bitte, bitte hört auf mit der Gewalt. Freddie würde das nicht wollen", sagte sie an der Seite von Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Diese äußerte sich "tief enttäuscht" über die Unruhen, für die sie eine "kleine Gruppe von Agitatoren" verantwortlich machte.

Der Tod von Freddie Gray

Der 25-jährige Freddy Gray war am vergangenen Sonntag, eine Woche nach seiner Festnahme, an Rückenmarksverletzungen gestorben. Der genaue Hergang der Ereignisse vom 12. April ist noch unklar, möglicherweise wurde der Afroamerikaner aber von Polizisten misshandelt. Auf einem Handy-Video von Zeugen ist zu sehen, wie die Beamten Gray auf einem Gehweg festhalten, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Rund eine Stunde später wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er ins Koma fiel.

Sechs Beamte wurden inzwischen vom Dienst suspendiert. Das Justizministerium leitete Ermittlungen wegen einer möglichen Verletzung der Bürgerrechte ein. In einem Polizeibericht hatte es zunächst geheißen, die Festnahme sei ohne Gewaltanwendung verlaufen. Gray war der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden. Nach dem Tod des jungen Mannes gab es täglich Proteste in Baltimore, bei denen die vollständige Aufklärung von Grays Tod gefordert wurde. Der junge Mann soll am Montag beigesetzt werden.

Die Polizei hat am vergangenen Freitag eingeräumt, dass Gray sofort nach seiner Festnahme ärztliche Hilfe gebraucht hätte. Dies sei nicht geschehen, sagte Polizeivertreter Kevin Davis, der die Ermittlungen zu dem Fall leitet. Gray könnte das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze sein.