Umstrittene Hinrichtung in den USA EU-Parlament und Europarat setzen sich für Troy Davis ein

Troy Davis soll noch in der Nacht zum Donnerstag hingerichtet werden. Jetzt sprachen sich EU-Institutionen gegen seine Todesstrafe aus. Auch die Anhänger von Davis protestierten im US-Bundesstaat Georgia gegen die Hinrichtung des Afroamerikaners.

Der Fall gilt als einer der umstrittensten Justizfälle der USA. Der Europarat und das EU-Parlament haben an die USA appelliert, den 42-jährigen Troy Davis am Leben zu lassen. "Es besteht ernster Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Urteils", sagte der Europarats-Generalsekretär Thorbjorn Jagland in Straßburg. "Der Europarat ist grundsätzlich gegen die Todesstrafe - aber in diesem Fall gibt es eine reale Möglichkeit, dass ein unschuldiger Mann stirbt", sagte die Berichterstatterin des Europarats-Parlaments zur Todesstrafe, Renate Wohlwend.

Troy Davis soll um 1 Uhr Nachts europäischer Zeit mit einer Giftinjektion in der Armvene zuerst beruhigt und dann getötet werden. Die Hinrichtung ist im Gefängnis der Stadt Jackson im US-Bundesstaat Georgia vorgesehen. Noch am Dienstag hatte ein Gnadenausschuss des Bundesstaates ein entsprechendes Gesuch abgelehnt.

Der Afroamerikaner Troy Davis soll 1991 einen weißen Polizisten ermordet haben. Dafür war er zum Tode verurteilt worden. Davis beteuert bis heute seine Unschuld. Eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Mehrere Zeugen zogen ihre Aussagen später zurück.

Davis bietet einen Lügendetektortest an

In den vergangenen Tagen hatten sich der Papst und Ex-Präsident Jimmy Carter, der in Georgia seinen Wohnsitz hat, für Davis eingesetzt. Der Gnadenausschuss erhielt fast 700.000 Unterschriften mit der Bitte um Aussetzung der Todesstrafe. Der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, betonte, dass es für die Toddesstrafte keine Rechtfertigung gebe. Sie bleibe immer eine "grausame und unmenschliche" Strafe. "Wir Europäer glauben, dass kein Grund ausreichen kann, Troy Davis zum Tode zu verurteilen."

Mittlerweile hat der verurteilte Troy Davis einen Lügendetektortest angeboten. Seine Anwälte erklärten, ihr Mandat sei zu einem solchen Test bereit, wenn der Begnadigungsausschuss das Ergebnis berücksichtigen werde. Eine Henkersmahlzeit lehnte Davis ab. Er wollte die letzten Stunden mit seinen Angehörigen, Freunden und Anhängern verbringen. "Ich bin in guter Verfassung und voller Gebete und in Frieden. Aber ich werde bis zu meinem letzten Atemzug nicht aufhören zu kämpfen." gab Davis in einer von Amnesty International veröffentlichten Botschaft bekannt, in der er auch seine Anhänger auffordert, den Kampf gegen die Todesstrafe fortzuführen.

Genau 24 Stunden vor der Hinrichtung versammelten sich vor dem Kapitol in Atlanta, der Hauptstadt Georgias, nochmal rund 2000 Unterstützer des Todeskandidaten. Auf Plakaten forderten sie die Freilassung des 42-Jährigen. Die Familie des getöteten Polizisten dagegen sprach sich für Troys Hinrichtung aus: "Wir sind bereit, dieses Kapitel zu beenden", sagte die Mutter des Opfers.