Toulouse Polizei beendet Geiselnahme

Angeblich im Namen von al-Qaida hat ein Mann in Toulouse mehrere Menschen in einer Bank festgehalten. Erst am späten Nachmittag konnten Einsatzkräfte die letzten beiden Geiseln befreien. Nach ersten Erkenntnissen gehen die Behörden von einer psychischen Erkrankung des Geiselnehmers aus.

Ein Mann betritt gegen elf Uhr vormittags eine Bankfiliale in Toulouse, gibt einen Schuss ab und nimmt mehrere Menschen als Geiseln, darunter den Direktor des Geldinstituts. Ihr Martyrium dauert mehrere Stunden. Erst am späten Nachmittag beenden Spezialkräfte der Polizei die Geiselnahme und befreien die letzten beiden Menschen unversehrt aus der Gewalt des offenbar psychisch verwirrten Mannes. Der mutmaßliche Geiselnehmer wurde bei der Aktion verletzt.

Zunächst befanden sich vier Menschen in der Gewalt des Verdächtigen, dann ließ der Geiselnehmer zwei Personen frei. Jedoch wollen Zeugen am Nachmittag auch erneut einen Schuss gehört haben.

Der Geiselnehmer soll sich als Mitglied von al-Qaida zu erkennen gegeben haben. Der Mann sei nach eigener Ansicht ein religiöser Überzeugungstäter, sagte der zuständige Staatsanwalt auf einer Pressekonferenz. Der Täter habe es nicht auf Geld abgesehen. Die französische Polizei bezweifelt allerdings, dass hinter dem Überfall tatsächlich das islamistische Terrornetzwerk steckt.

"Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass dieser Typ verrückt ist", zitierte die Nachrichtenagentur AFP eine Quelle aus Ermittlerkreisen. Der Mann sei ein "Schizophrener", der seine Behandlung unterbrochen habe. Die Schwester des Täters sagte der AFP telefonisch, ihr 26-jähriger Bruder sei schon als Kind in der Obhut des Gesundheitsamtes gewesen sei. "Er ist durchgedreht und hat Angst vor der Außenwelt", fügte sie hinzu. Für die Polizei ist der Geiselnehmer durch seine mutmaßliche psychische Störung aber nicht weniger gefährlich.

Der Tatort liegt den Angaben zufolge unweit des Wohnhauses, in dem Ende März der islamistische Serienattentäter Mohammed Merah von einer Spezialeinheit der Polizei erschossen worden war. Mohammed Merah, 23-jähriger Franzose algerischer Herkunft, ermordete zunächst im Großraum Toulouse drei Soldaten, bevor er vor einer jüdischen Schule in der Innenstadt einen Rabbi und drei Kinder erschoss. Bei seinen Bluttaten war er stets auf einem Motorrad unterwegs. Der Attentäter wurde schließlich in einer Wohnung gestellt und nach stundenlanger Belagerung von der Polizei erschossen. Auch er bekannte sich zu al-Qaida.

Nach den Attentaten von Toulouse kündigte der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy eine Null-Toleranz-Politik gegen islamistische Gewalt an.