Texas Paketbomben versetzen Austin in Unruhe

Ermittler untersuchen den Tatort nach einer Bombenexplosion in Austin, Texas.

(Foto: AP)
  • Drei Paketbomben haben in Austin zwei Menschen getötet. Zwei weitere wurden schwer verletzt.
  • Wegen des SXSW-Festivals sind derzeit Zehntausende Besucher in Austin.
  • Die Polizei schließt ein Hassverbrechen nicht aus.
Von Beate Wild, Austin

Zwei Tote und zwei Schwerverletzte sind die schreckliche Bilanz von drei Paketbomben in Austin, Texas. Zwei der Explosionen ereigneten sich am Montag, die dritte bereits am 2. März. Die Bomben, die Bewohnern als Pakete zugestellt wurden, sorgen in der texanischen Hauptstadt gerade für Angst und Nervosität. Zur Beunruhigung der Polizei kommt dazu, dass in Austin derzeit das Musik- und Filmfestival SXSW stattfindet, zu dem sich Zehntausende Besucher in der Stadt befinden.

Die Polizei geht davon aus, dass die gleiche Person hinter den drei Paketbomben steckt. Bei den Zündvorrichtungen handelt es sich um ausgeklügelte Rohrbomben, die beim Öffnen, manchmal aber auch schon beim Hochheben der Päckchen in die Luft gehen. Austins Polizeichef Brian Manley warnte die Bewohner, unbekannte Pakete auf keinen Fall zu berühren und umgehend den Notruf zu wählen.

Ein rassistisches Motiv wird nicht ausgeschlossen

Die Motive des unbekannten Täters sind zur Stunde noch unklar. Glaubten die Ermittler nach der ersten Explosion noch an einen Drogenfall, steht seit Montag fest, dass die Tat andere Hintergründe haben muss. Das erste Todesopfer war ein 39-jähriger Familienvater. Bei der zweiten Detonation wurde ein 17-Jähriger getötet und seine Mutter schwer verletzt. Da es sich bei den Opfern um Afro-Amerikaner handelt, schließt die Polizei ein "Hate Crime", also ein aus rassistischen Gründen verübtes Hassverbrechen, nicht aus.

Die dritte Explosion am Montagabend verletzte eine 75 Jahre alte Frau schwer. Sie befindet sich immer noch in Lebensgefahr. Die Polizei bestätigte ihre Identität bislang nicht, doch Nachbarn zufolge soll es sich um eine Latina handeln. Offenbar war das Paket mit der Bombe jedoch nicht für sie bestimmt, sondern für ein Haus in der Nähe. Die Frau wollte das Päckchen wahrscheinlich gerade zu den Nachbarn hinübertragen, als es detonierte.

Der Täter verfügt offenbar über Fachwissen zum Bombenbau

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Nach den Explosionen wurden auch Vermutungen laut, hinter den Anschlägen könnte die amerikanische Neo-Nazi-Gruppe "Atomwaffen Division" stecken. Die Terrorgruppe unterhält in San Antonio, Texas, einen Stützpunkt und soll landesweit bereits für fünf Morde verantwortlich sein. Die Polizei wollte sich zu diesem Verdacht bislang jedoch nicht äußern.

Einen Zusammenhang zwischen den Paketbomben und dem SXSW-Festival sehen die Ermittler derzeit nicht. Doch Polizeischef Manley sagte, die Einsatzkräfte seien in erhöhter Alarmbereitschaft. Zumal der Attentäter offenbar in der Lage sei, komplizierte Bomben zu basteln und die tödlichen Geräte auszuliefern, ohne dass diese vorher detonierten.

"Erst als die Opfer die Pakete hochgehoben haben, sind die explodiert", sagte Manley am Dienstag zu Reportern. "Das erfordert ein gewisses Fachwissen und Erfahrung. Wer immer das getan hat, hat dieses Wissen."

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Von der potentiellen Gefahr ist auf der SXSW indes nichts zu spüren. Viele Festivalbesucher hatten am Dienstag von den Bombenanschlägen noch nicht einmal etwas mitbekommen. Die Bewohner der texanischen Hauptstadt sind dagegen schon nervöser. In den Sozialen Medien tauschen sie Tipps und Warnungen aus. Und bei der Polizei gingen bereits 265 Anrufe wegen verdächtiger Pakete ein. Alle erwiesen sich als Fehlalarm.