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South by Southwest Festvial 1:"Rassimus ist Luxus"

Ta-Nehisi Coates

Ta-Nehisi Coates: Schwarzen Autoren sei zu lange gesagt worden, dass sie ihre Worte vorsichtig wählen müssen.

(Foto: Anna Webber/AFP)

Der Journalist und Buchautor Ta-Nehisi Coates spricht bei seinem Eröffnungs-Podium über den Superhelden "Captain America", sein Leben als schwarzer Intellektueller und über die US-Präsidenten Barack Obama sowie Donald Trump.

Vor der Bühne im Ballroom D des Austin Convention Centers blitzen Dutzende Kameralichter auf. Ta-Nehisi Coates hat gerade Platz genommen, um eine der "keynotes" des South by Southwest Festivals (SXSW) zu halten, eine der Eröffnungsvorträge jenes dreifachen Festivals, das alljährlich in Austin, Texas die großen Linien der digitalen Entwicklung, der Popmusik und des Films abbildet, wenn nicht sogar vorgibt.

Der Journalist ist seit seinem Buch "Zwischen mir und der Welt" (erschienen 2015) eine Galionsfigur des "Black America". Wer nach der Wahl Barack Obamas zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der US-Geschichte die monumentale Bedeutung dieses Moments eingeordnet haben wollte, wer wissen wollte, wie es sich lebt als Schwarzer in Amerika, der las Coates. Und musste damit rechnen, ernüchtert zurückzubleiben. Nicht zuletzt, weil Coates ein harter Kritiker des populären Präsidenten war. Sein Buch "We Were Eight Years in Power" über die Obama-Jahre ist im vergangenen Herbst erschienen.

In der Ära Trump hat sich Coates' Rolle verändert. Weniger wichtig geworden ist sie nicht, im Gegenteil. Davon zeugen auch die Fotografen und Fans mit Smartphone-Kameras, die in den ersten Minuten von Coates' Auftritt auf den Stargast draufhalten. Der 42-Jährige ist amüsiert bis irritiert. Als kluger Kopf bezeichnet zu werden, überfordere ihn, wird er später erklären. Insofern macht Interviewer Jeffrey Goldberg, Chefredakteur des Atlantic, die Situation nicht besser, als er sagt: "So wird es immer sein, wenn du als Präsident kandidierst."

Coates lacht trotzdem. Er weiß, wie verzweifelt das halbe Land gerade jemanden sucht, der eine Wiederwahl Trumps verhindern kann. Zuletzt gab es durchaus ernsthafte Gerüchte, dass Fernsehlegende Oprah Winfrey kandidieren könnte. Coates will sich aber nicht als Intellektueller der Stunde instrumentalisieren lassen. Ein, zwei Mal weigert er sich im Gespräch mit Goldberg eine Frage zu beantworten - immer dann, wenn er das Gefühl hat, über ein Thema zu wenig zu wissen, als dass er fundiert antworten könnte. Wenn Coates etwas sagt, hat es Gewicht, oft auch Wucht. Zum Beispiel, wenn er über amerikanische Helden spricht.

"Captain America ist wie Barack Obama", sagt er, beiden sei gemein, dass sie an ein großartiges Ideal von Amerika glaubten. Er scheint diesen naiven Blick auf die Welt zu bewundern, auch wenn er ihm selbst fremd ist. Schwarzen Autoren sei zu lange gesagt worden, dass sie ihre Worte vorsichtig wählen müssen, ihre Hiebe nicht zu brutal ausführen dürfen, wenn sie von weißen Lesern verstanden werden wollen. "Wo bleibt da der Spaß?", fragt Coates.

Er hatte jüngst verkündet, dass er dem Marvel-Superhelden "Captain America" ein neues Abenteuer schreiben wird. Erscheinen soll der Comic am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag. Hört man Coates in Austin, dürfte es keine Folge mit typischem Comic-Patriotismus werden. Und natürlich kommt die Sprache auch auf "Black Panther", den ersten afroamerikanischen Marvel-Helden, der gerade in den US-Kinos Rekorde bricht. Coates schreibt selbst seit zwei Jahren für die Reihe. Mit dem Drehbuch zum Film hatte er allerdings nichts zu tun.

"Black Panther" sei eine Verneigung vor der Black Diaspora, porträtiere Schwarze als Königsgeschlecht. Und das in einer Zeit, in der der amerikanische Präsident afrikanische Länder als "Shithole Countries" bezeichne. Was er Trump fragen würde, wenn er die Gelegenheit hätte, fragt Goldberg seinen Gesprächspartner. "Ich habe keine Fragen an Trump", sagt Coates, "er ist unmissverständlich." Und noch etwas sagt er: "Rassismus ist ein Luxus. Und so lange man ihn sich leisten kann, wird es ihn geben."