Taylor-Prozess in Den Haag Mia Farrow entlarvt Topmodel Naomi

Streitfall Blutdiamanten: Schauspielerin Mia Farrow belastet mit ihrer Aussage vor dem Sondertribunal für Sierra Leone den westafrikanischen Ex-Diktator Charles Taylor. Und Mannequin Naomi Campbell steht als Schwindlerin da.

Prozesse am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sind normalerweise weit weg von Hollywood. In der Stadt mit dem Sitz der niederländischen Regierung wird die schlimmste Sorte Verbrechen verhandelt: Massenmord, Folter und Vergewaltigung - Abscheulichkeiten, die allenfalls einmal bei Produktionen wie Blood Diamond mit Leonardo DiCaprio in der Traumfabrik vorkommen.

Prozess gegen Liberias Ex-Präsident Charles Taylor: Schauspielerin Mia Farrow ist nach Topmodel Naomi Campbell bereits die zweite Prominente im Zeugenstand.

(Foto: Reuters)

Doch im Prozess wegen Kriegsverbrechen vor dem Sondergerichtshof für Sierra Leone gegen den ehemaligen Präsidenten von Liberia, Charles Taylor, ist Hollywood an diesem Montag ganz nah.

Nach Supermodel Naomi Campbell hat auch die Schauspielerin Mia Farrow (Rosemaries Baby) ausgesagt - und den Einlassungen ihrer prominenten Vorgängerin im Zeugenstand widersprochen.

Nach Aussage des amerikanischen Filmstars soll das britische Mannequin von Anfang an um die Identität des Absenders eines wertvollen Diamanten-Geschenks gewusst haben. Naomi Campbell hatte hingegen in der vergangenen Woche unter Eid ausgesagt, sie habe nicht gewusst, wer der Gönner ihres großzügigen Präsents gewesen sei.

Das Diamanten-Geschenk an das Model vor 13 Jahren nach einem Dinner mit Südafrikas Präsident Nelson Mandela gilt als Schlüsselindiz im Prozess gegen Ex-Diktator Taylor: Die Steine könnten eine Verbindung der afrikanischen Schreckensgestalt, dessen Soldaten in Sierra Leone wüteten, zum Handel mit sogenannten Blutdiamanten beweisen.

Bislang bestreitet der 62-Jährige alle elf Anklagepunkte gegen ihn - darunter Mord, Vergewaltigung und Ausbildung von Kindersoldaten.

Campbells Aussage - ein Freundschaftsdienst?

Die Umstände der Schenkung, die in einem Kapstadter Hotel stattfand, sind allerdings umstritten.

Naomi Campbell hatte erstmals bestätigt, in der Nacht vom 26. auf den 27. September 1997 tatsächlich ein Päckchen mit "schmutzig aussehenden Steinen" erhalten zu haben. Zwei Boten hätten die Rohdiamanten übergeben, die ihr "wahrscheinlich" ihr Tischnachbar bei dem illustren Dinner, Charles Taylor, geschickt habe. Weil es schon spät und sie müde gewesen sei, habe sie nicht gefragt, von wem das Geschenk stamme.

Definitiv belastet hat die 40-Jährige Taylor mit dieser Wortwahl nicht. Das Topmodel soll dem Mann, der als verantwortlich gilt für 15 Jahre Bürgerkrieg und Hunderttausende Tote in Liberia und im Nachbarland Sierra Leone, in den neunziger Jahren freundschaftlich verbunden gewesen sein.

Campbells Aussage, ein Dienst im Sinne eben dieser Freundschaft?

Mia Farrow, ebenfalls damals zu Gast bei dem präsidialen Dinner und im gleichen Hotel abgestiegen, hat vor dem aus Sicherheitsgründen nach Den Haag verlegten Tribunal nun berichtet, Naomi Campbell habe am Frühstückstisch gesagt, die Boten seien "von Charles Taylor geschickt worden". Das Model habe von einem "enormen Diamanten" gesprochen.

Der Staatsanwaltschaft dürfte die Aussage der Schauspielerin neue Hoffnung geben - entschieden ist der Prozess aber wohl noch lange nicht.

Mit Spannung wird in Den Haag auch eine weitere Zeugin erwartet: Campbells ehemalige Managerin Carole White. Diese hatte sich vorab in Interviews bereits zum Verbleib des wertvollen Präsents geäußert: Ihre Klientin habe die Steine einen Tag bewundert - und dann Nelson Mandelas Children's Fund übergeben.