Taifun "Haiyan" Philippinische Regierung berichtet von ersten Todesopfern

Sieben Meter hohe Wellen, Starkregen, Erdrutsche und Windgeschwindigkeiten von bis zu 379 Stundenkilometern: Auf den Philippinen wütet Taifun "Haiyan". Er soll der schwerste Wirbelsturm sein, der je auf Land getroffen ist. Experten befürchten, dass er viele Menschenleben fordern wird.

Mit Böen von bis zu 379 Stundenkilometern hat der Taifun Haiyan (auch Yolanda genannt) die Philippinen erreicht. Am Freitagmorgen traf der Sturm auf der Insel Samar etwa 600 Kilometer südöstlich von Manila auf Land. Er erwarte "katastrophale" Zerstörungen in dem Fischerort Guiuan, der als Erster auf Haiyans Weg liegt, erklärte der US-Meteorologe Jeff Masters vom Wetterdienst Weather Underground. Das amerikanische Taifun-Warnzentrum auf Hawaii (JTWC - Joint Typhoon Warning Center) sprach wegen der Windstärke von einem "Super-Taifun".

Guiuan war unmittelbar nach dem Eintreffen des Sturms von der Außenwelt abgeschnitten. In der 140 Kilometer entfernten Stadt Tacloban auf der Insel Leyte wurden Straßen überschwemmt und Häuser zerstört. In der Region fielen Strom und Telefone aus. Ein Mann wurde in der Ortschaft Lingig auf Mindanao auf der Flucht von einem umstürzenden Strommasten erschlagen, wie die Behörde für Katastrophenschutz mitteilte. Überall versperrten umgefallene Bäume die Straßen, Häuser wurden beschädigt. Der Katastrophenschutz richtete zahlreiche Notunterkünfte ein.

Auf einem Satellitenbild zeigen sich die gewaltigen Ausmaße Haiyans: die größe Insel südwestlich der hier gezeigten Position des Taifuns ist Mindanao - größer als der Freistaat Bayern.

(Foto: AFP)

Bereits am Donnerstag waren landesweit mehr als 125.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Schulen blieben geschlossen, Hunderte Flüge wurden gestrichen. Die philippinischen Behörden warnen vor bis zu sieben Meter hohen Wellen an der Küste, vor Starkregen, Überflutungen und Erdrutschen. Auf der Insel Bohol, wo seit einem Erdbeben im Oktober mit mehr als 220 Toten zahlreiche Menschen noch immer in Zeltstädten leben, mussten Tausende Menschen in Notunterkünfte gebracht werden.

Mit seinen extremen Windgeschwindigkeiten gehöre Haiyan zu den vier stärksten jemals gemessenen Wirbelstürmen der Welt und sei der schwerste, der je auf Land getroffen sei, erklärte Meteorologe Masters. Nur Hurrikan Camille im Jahr 1969, der Super-Taifun Tip 1979 und Hurrikan Allen 1980 haben Expertenangaben zufolge eine vergleichbare Stärke erreicht.

Die Schwelle zur gefährlichsten Taifun-Kategorie liegt bei Windgeschwindigkeiten von deutlich mehr als 200 Kilometern in der Stunde. Gemessen an der Geschwindigkeit ist Haiyan gefährlicher als Taifun Bopha, durch den 2012 auf der Insel Mindanao 1800 Menschen ums Leben kamen. Die Philippinen werden jedes Jahr von etwa 20 heftigen Stürmen getroffen.

Das Joint Typhoon Warning Center von US-Marine und Air Force geht davon aus, dass Haiyan den gesamten Freitag über auf den Philippinen wüten wird, um am Samstag Richtung Westen abzuziehen. Am Sonntag wird der Sturm voraussichtlich an der Küste Vietnams erneut auf Land treffen. Eine Grafik des US-Nachrichtensenders CNN zeigt den Weg, den der Sturm voraussichtlich nehmen wird.