Reformen im Vatikan Der heilige Zorn des Papstes

"Urbi et Orbi": Papst Franziskus am 25. Dezember auf ddem Balkon des Petersdoms im Vatikan, vo wo aus er den Segen gesprochen hat.

(Foto: dpa)

Warum der Kampf um den Kurs der Kirche zwischen Franziskus und konservativen Kardinälen immer härter geführt wird - und es 2018 zum großen Krach kommen könnte.

Von Matthias Drobinski

Es war ein vergleichsweise ruhiges Weihnachtsfest für Papst Franziskus. Es gab keine dramatische Geste, über die nun die Welt diskutieren würde, keine schräge Formulierung, die des Papstes Sprecher geradebiegen müssten. Franziskus hat in der Christmette an die vielen Familien erinnert, die, wie einst Maria und Josef, ihre Heimat verlassen müssen, und daran, dass die Hirten auf dem Felde, denen die Engel zuerst die Geburt des Erlösers verkündeten, die Ausgestoßenen ihrer Zeit waren. Er hat sich an der kleinsten Krippe der Welt erfreut, die man nur mit dem Mikroskop sehen kann, hat den Akrobaten applaudiert, die in der Audienzhalle auftraten. Eine kleine Auszeit, bevor der Betrieb weitergeht. Warum nicht? Seinem Ärger hat der Papst schließlich schon vor Weihnachten Luft gemacht.

Vor Ostern wäscht Franziskus den Armen die Füße - und vor Weihnachten der Kurie den Kopf. So lassen sich die Traditionen zusammenfassen, die sich unter Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien herausgebildet haben. Am 21. Dezember beklagte er vor den leitenden Mitarbeitern der Welt-Kirchenzentrale die "unausgewogene und verwerfliche Mentalität von Verschwörungen oder kleinen Zirkeln". Sie stellten "ein Krebsgeschwür dar, das zur Selbstbezogenheit führt".

Papst wirft Kurie Ruhmsucht vor

Bei seiner Weihnachtsansprache attackiert Papst Franziskus seine Gegner heftig. Er spricht von "Verrätern" und Kirchenverantwortlichen, die sich "von Ruhmsucht korrumpieren" ließen. Von Andrea Bachstein mehr ...

Franziskus warnte vor der Gefahr, dass sich Mitarbeiter "von Ambitionen oder Eitelkeiten korrumpieren lassen und sich selbst, wenn sie dann sanft entfernt werden, fälschlicherweise zu Märtyrern des Systems erklären, anstatt ihr ,mea culpa' zu sprechen". Einen der aus Sicht des Papstes sanft Entfernten konnte man danach beim seriellen Händeschütteln und Ring-Küssen der Kardinäle mit dem Papst beobachten: Zwischen dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, bis Juni als Präfekt der Glaubenskongregation der drittwichtigste Mann im Vatikan, und dem Papst reichte es nur noch zu einem knappen Händedruck.

Man kann die Angewohnheit des Papstes, immer vor Weihnachten der Kurie eine Gardinenpredigt zu halten, als spezielle Form der Mitarbeitermotivation deuten. Man kann dies aber auch als Zeichen dafür ansehen, dass Franziskus anhaltend unzufrieden darüber ist, wie schleppend die Reformen in der Kurie vorangehen, wie groß dort die Widerstände, Verunsicherungen und Verärgerungen sind - und wie schwierig es überhaupt ist, die Weltkirche aus jener Erstarrung und Selbstbezogenheit zu holen, die Kardinal Bergoglio unmittelbar vor seiner Wahl zum Papst skizzierte.

Am 13. März ist es nun fünf Jahre her, dass der neu gewählte Papst Franziskus im einfachen weißen Gewand vor die Gläubigen auf dem Petersplatz trat. Der Mann, der sich nach dem Heiligen der Armen nannte, hat das Amt mit seiner demonstrativ bescheidenen Lebensführung revolutioniert. Er hat mit seinen Schreiben über die "Freude des Evangeliums" oder die Umweltenzyklika "Laudato si" neue Türen zur Welt geöffnet und mit zwei Bischofsversammlungen zum Thema Ehe, Familie und Sexualität eine Debatte ermöglicht, die lange tabu war in der Kirche. Das hat Franziskus weltweit Sympathie auch übers Kirchenvolk hinaus eingebracht.