Racial Profiling Der Polizeieinsatz in Köln war verhältnismäßig

Polizisten beim Einsatz in der Silvesternacht am Hauptbahnhof in Köln.

(Foto: dpa)

Die Debatte darüber ist es nicht. Das pauschal benutzte Kürzel "Nafri" hat diesen guten Einsatz allerdings bemakelt.

Kommentar von Heribert Prantl

Racial Profiling ist ein fast verharmlosendes Wort. Früher hat man dazu auf brutal-deutsch "Gesichtskontrolle" gesagt. Also: Wer verdächtig aussieht, wird polizeilich kontrolliert und festgehalten. Der Verdacht stützt sich dabei nicht auf einen Verdacht, sondern auf Haut und Haar. Kontrollen, die sich allein darauf beziehen, sind diskriminierend, sind ein eklatanter Grundrechtsverstoß - also eine staatliche und gesellschaftliche Sauerei.

Es ist daher gut, die Kontrollpraktiken der Polizei ethnischen Minderheiten gegenüber genau zu betrachten. Daniela Hunold hat das kürzlich in einer großen Untersuchung gemacht, die in der Schriftenreihe des Freiburger Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht erschienen ist: "Polizei im Revier. Polizeiliche Handlungspraxis gegenüber Jugendlichen in einer multiethnischen Stadt". Die Bürgernähe der Polizei, so schreibt sie in ihrem Resümee, sei noch keine Garantie für diskriminierungsfreie Polizeiarbeit; diese führe vielmehr zu einer, wenn auch oft unbeabsichtigten Ungleichbehandlung von Personengruppen.

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Die Kritik am Einsatz der Polizei in der letzten Silvesternacht erhebt den Vorwurf der beabsichtigten Diskriminierung. Der Polizeieinsatz sei unverhältnismäßig gewesen, er habe nordafrikanische Männer zu Hunderten rassistisch behandelt. Das ist falsch. Der Polizeieinsatz in Köln war verhältnismäßig, die Debatte darüber ist es allerdings nicht. Es ist eine Debatte am falschen Ort zur falschen Zeit und zum falschen Anlass. Wann je sollen Kontrollen notwendig sein, wenn nicht hier und aus diesem Anlass, ein Jahr nach den Ausschreitungen auf der Domplatte?

"Nafri" ist kein wertfreies Akronym für Nordafrikaner

Es ist in Köln gerade nicht ohne Sinn, Verstand und Verdacht kontrolliert worden - die Kontrollen galten der Durchsetzung des Böllerverbots, sie galten der Verhinderung von Massen-Situationen, aus denen heraus im vergangenen Jahr Gewalttaten verübt wurden. Wer diese Gewalttaten freilich nun zur "Leitkultur nordafrikanischer Prägung" erklärt, wie dies ein kommentierender Kollege getan hat, sollte sich fragen, ob er sich wirklich auf diese Weise an die Volksverhetzung heranwanzen will.

Die Kölner Kontrollen waren geboten. Man kann sie mit der polizeilichen Eskortierung von Fußballfans vergleichen, die vor brisanten Spielen in die Stadien geleitet werden. Die Fans sind ja auch nicht alle Hooligans; aber sie werden hier, aus Sicherheitsgründen, in ihrer Freiheit eingeschränkt. Das ist Prävention.

Nicht Vorbeugung, sondern Vorverurteilung war aber die polizeiliche Bezeichnung der Kontrollierten als "Nafri". Der unbedarfte Leser muss erst einmal googeln, wofür das Kürzel steht. Es ist kein wertfreies Akronym für Nordafrikaner, so wie es "Hilope" für hilflose Person oder "Rettass" für Rettungsassistent ist, sondern das Kürzel für nordafrikanische Intensivtäter; es für alle zu gebrauchen, die irgendwie nordafrikanisch aussehen, ist rassistisch. Mit dem kleinen Wort hat die Polizei ihren guten Einsatz bemakelt. Für die Zelebration von Empörung ist es allerdings untauglich.

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