Prozess in Lübeck Freier erschlagen - Haft für Callboy gefordert

Mit einem Hammer schlug er so lange auf den Freier ein, bis sich der 73-Jährige nicht mehr rührte. In seinem Schlusswort hat ein wegen Totschlags angeklagter 24-Jähriger erstmals Reue gezeigt. Ein Psychiater hatte dem Beschuldigten zuvor eine egozentrische Persönlichkeit und mangelndes Einfühlungsvermögen attestiert.

War es Rache oder eine Kurzschlusshandlung? Im Lübecker Totschlagsprozess gegen einen 24-jährigen Callboy hat die Staatsanwaltschaft neun Jahre Gefängnis gefordert. Der Angeklagte soll einen 73 Jahre alten Kunden erschlagen und die Leiche anschließend drei Monate lang im Kofferraum eines Autos versteckt haben. Staatsanwältin Ulla Hingst sagte in ihrem Plädoyer, trotz des Geständnisses des Beschuldigten sei das Motiv für die Bluttat nicht abschließend geklärt.

"Der Tathergang ist durch das Geständnis des 24-Jährigen und die Spurenlage klar. Doch die Hintergründe bleiben weitgehend ungeklärt, weil die Aussagen des Angeklagten in vielen Punkten nicht nachzuvollziehen sind", so die Anklagevertreterin.

Vor allem die Aussage des Prostituierten, er habe in dem 73-Jährigen den Mann erkannt, der ihn zwölf Jahre zuvor vergewaltigt habe, sei möglicherweise eine Schutzbehauptung. "Auch nach den Aussagen des psychiatrischen Sachverständigen ist nicht klar, ob diese Vergewaltigung jemals stattgefunden hat oder nicht", sagte die Staatsanwältin.

Die Verteidigung machte als Motiv geltend, dass der Angeklagte sich dem bezahlten Missbrauch durch sein Opfer nicht länger habe aussetzen wollen und plädierte auf eine Haftstrafe von sieben bis acht Jahren.

"Die Tat verfolgt mich im Traum"

In seinem Schlusswort zeigte der Angeklagte erstmals im Verlauf des Prozesses Reue. "Mir tut die Sache leid. Ich weiß, dass ich einen schweren Fehler begangen habe. Die Tat verfolgt mich im Traum, ohne Medikamente kann ich nicht schlafen", sagte der 24-Jährige.

Der Psychiater hatte ihn als egozentrische Persönlichkeit mit geringem Einfühlungsvermögen beschrieben. Der Beschuldigte suche die Schuld stets bei anderen oder bei den Umständen. Dennoch attestierte der Gutachter ihm volle Schuldfähigkeit.

Der Angeklagte hatte eingeräumt, seinen Freier am 26. Dezember 2011 bei einem Treffen auf einem Parkplatz in Oststeinbek im Kreis Stormarn mit einem Hammer erschlagen zu haben. Er habe die Beziehung zu dem 73-Jährigen beenden wollen, doch der Kunde habe das nicht akzeptiert. Es sei zum Streit gekommen, in dessen Verlauf er zu einem Hammer gegriffen habe, der zufällig hinter dem Vordersitz seines Autos lag. Mit voller Wucht habe er wieder und wieder zugeschlagen, bis der 73-Jährige sich nicht mehr rührte.

Nach der Tat hatte der Angeklagte nach eigener Aussage zunächst versucht, die Leiche zu vergraben, dann sie zu verbrennen. Als beides fehlschlug, versuchte er, den Toten zu zersägen. Als auch das scheiterte, packte er die Leiche des 73-Jährigen in dessen Auto und stellte das Fahrzeug in einer Tiefgarage in Glinde im Kreis Stormarn ab. Erst als im März dieses Jahres die Alarmanlage des Autos losging und genervte Anwohner die Polizei riefen, wurde die Leiche im Kofferraum entdeckt.

Das Urteil soll am 24. September verkündet werden.