Proteste nach Mord an Özgecan Aslan Wenn Istanbuls Männer Minirock tragen

Am Samstag demonstrierten Männer in Istanbul im Minirock.

(Foto: AP)
  • Zahlreiche Männer in der Türkei machen sich in einer Twitter-Kampagne für Frauenrechte stark.
  • Es ist eine Reaktion auf den Mord an der Studentin Özgecan Aslan.

Mit dem Tragen eines Minirocks setzen sich Männer in der Türkei für Frauenrechte ein. "Trag' einen Minirock für Özgecan" (#ozgecanicinminietekgiy) heißt die Kampagne, der sich in den vergangenen Tagen Tausende angeschlossen haben. Am Wochenende schließlich gingen Männer in Istanbul auf die Straße. "Wir marschieren in unseren Miniröcken für alle Frauen". So lautete der Aufruf zu der Demonstration, der unter anderem über Facebook und Twitter verbreitet wurde.

Es ist schon die zweite Internet-Kampagne nach dem brutalen Mord an der 20-jährigen Studentin Özgecan Aslan im südtürkischen Tarsus. Sie war von einem Minibusfahrer nach einem Vergewaltigungsversuch getötet worden. Der Hashtag #sendeanlat ("Erzähl auch du es") hat sich inzwischen zum türkischen #Aufschrei entwickelt. Unter diesem Stichwort twitterten vor allem türkische Frauen über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt.

Nun waren die Männer an der Reihe, ein Zeichen zu setzen. Im Minirock. Das Kleidungsstück ist ins Zentrum des Protests gerückt, da von konservativen Kreisen Frauen vorgeworfen wird, dass sie durch Tragen aufreizender Kleidung für die Gewalttaten mitverantwortlich seien.

Der Slogan der Kampagne lautet auf Facebook: "Wenn ein Minirock für alles verantwortlich ist, wenn das Tragen eines Minirocks unmoralisch sein soll und eine Frau damit eine Einladung sendet für jene Dinge, die geschehen sind, dann senden wir diese Einladung auch!"

Vergangenen Mittwoch tauchte der Hashtag #ozgecanicinminietekgiy zum ersten Mal auf - nicht in der Türkei sondern im benachbarten Aserbaidschan, wo die meisten Menschen Türkisch beherrschen. Von dort aus breitete er sich rasch aus und gewann auch in der Türkei viele Anhänger.

Wie die BBC schreibt, sind nicht alle von der Kampagne überzeugt. "Was soll das bringen? Was für eine unpassende Aktion!" tweetete ein Mann Aserbaidschan und erklärte der BBC auf Nachfrage seine Skepsis. "Anstatt Frauen im echten Leben zu unterstützen, ganz praktisch, wird das Tragen eines Rocks oder einer Perücke keinerlei Wirkung haben", so der Mann. "In konservativen Gesellschaften wie in Aserbaidschan oder der Türkei wird diese Kampagne niemandem helfen. Vielleicht in Europa, aber nicht hier."

Nichtsdestotrotz hat die Kampagne öffentliches Bewusstsein für das Problem der Gewalt gegen Frauen geschaffen. Zahlreiche Accounts großer türkischer Medienhäuser haben die Tweets aufgegriffen und weiterverbreitet.