Pferdefleisch-Produkte für Bedürftige Was treibt den Minister um?

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte dem Blatt: "Über 800 Millionen Menschen weltweit hungern. Und auch in Deutschland gibt es leider Menschen, bei denen es finanziell eng ist, selbst für Lebensmittel. Ich finde, da können wir hier in Deutschland nicht gute Nahrungsmittel einfach wegwerfen." Und auch die Kirchen halten nicht die Verteilung, sondern die Vernichtung von Lebensmitteln für "ähnlich schlimm wie Etikettenschwindel" (O-Ton Prälat Bernhard Felmberg von der Evangelischen Kirche Deutschland).

Von Bonusmeilen zum fliegenden Teppich

Entwicklungsminister Niebel lässt ein Souvenir aus Afghanistan einfliegen. Der FDP-Mann reiht sich damit ein in die Reihe von deutschen Politikern, die ihre Stellung ausnutzten - manchmal kostete es sie ihr Amt. mehr...

Angesichts solcher Aussagen möchte der gesunde Menschenverstand die sprichwörtlichen kotzenden Pferde bemühen. Was treibt einen Minister dazu, zumindest indirekt einen Vorschlag zu unterstützen, der nicht nur unpraktikabel, sondern auch sozialpolitisch höchst fragwürdig ist?

"Respektlos gegenüber Bedürftigen"

Tatsächlich wurde in den untersuchten Produkten bislang nicht das für Menschen gesundheitsschädliche Pferde-Medikament Phenylbutazon nachgewiesen. Doch um eine hundertprozentige Sicherheit zu gewährleisten, müsste jedes Gericht untersucht werden, das verteilt werden soll. Selbst wenn der Test dann die Unbedenklichkeit beweist - bis die Lasagne auf dem Teller eines Bedürftigen landet, ist sie sicher nicht mehr genießbar.

Viel fataler ist aber, dass der ernsthaft diskutierte Vorschlag vermittelt, dass Lebensmittel, die die Politik geißelt, für sozial Benachteiligte gerade gut genug sind. Als "respektlos gegenüber Bedürftigen" bezeichnete so auch der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, den Vorstoß. Ähnlich ablehnend reagierten andere Hilfsorganisationen.

Natürlich sind Tafeln auf Ausschussware der Supermärkte angewiesen. Doch dabei handelt es sich in der Regel um Produkte, zu denen auch der zahlende Kunde noch greifen würde, lägen sie im Regal. Das gilt für die Verbraucherbscheißerle wohl kaum.

Wenn Politiker schon Einfluss auf die Menügestaltung nehmen wollen, dann konsequent. Warum setzen Fischer und Niebel TK-Lasagne nicht mal auf die Speisekarte der Bundestags-Kantine?

Und das kann man essen?

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