Parmesan Holz im Käse

A file photo of a storage area for Parmesan cheese wheels being pictured at a warehouse owned by Credito Emiliano bank in Montecavolo A storage area for Parmesan cheese wheels is pictured at a warehouse owned by Credito Emiliano bank in Montecavolo, near Reggio Emilia, central Italy in this November 28, 2012 file photo. An Italian dairy cooperative has sold bonds backed by Parmesan cheese, the company said on February 2, 2016, a rare example of one of the country's plethora of small firms raising funding on capital markets. REUTERS/Stefano Rellandini/Files

(Foto: REUTERS)

Parmesan-Liebhaber sollten bei ihrem nächsten USA-Trip besser auf den italienischen Hartkäse verzichten. Es könnte Holz drin sein.

Von Viktoria Bolmer

Nach Pferdefleisch in der Lasagne kommt der nächste Etikettenschwindel ans Licht: Holz im Parmesan. Die europäischen Verbraucher können aber aufatmen, Baumreste wurden bisher nur in US-amerikanischen Produkten gefunden.

Das Nachrichtenportal Bloomberg testete geriebenen Parmesan von unterschiedlichen Herstellern auf seine Inhaltsstoffe und musste feststellen: Ganz schön viel Holz da drin. Obwohl auf den Verpackungen von "100 Prozent Parmesan" die Rede war, enthielten die Produkte der Hersteller Jewel-Osco und Wal-Mart bis zu neun Prozent Zellulose - ein Holzfaserprodukt, das meist zur Dämmung von Gebäuden verwendet wird. Das ist zwar nicht gesundheitsgefährdend, dennoch ist in den USA maximal ein Anteil von vier Prozent erlaubt - und das selbstverständlich auch nur, wenn es entsprechend gekennzeichnet ist.

Der ganz große Käse-Coup wurde bereits 2012 in den USA aufgedeckt. Der Käsehersteller "Castle Cheese" deklarierte seinen geriebenen italienischen Hartkäse ebenfalls als "100 Prozent Parmesan" - enthalten war nicht ein Gramm des erwarteten Produkts, sondern eine Mischung aus Schweizer Käse, Mozarella und Zellulose.

Ein Reinheitsgebot für Käse

Die Lebensmittelbehörde der USA beschäftigte sich Bloomberg zufolge in der Vergangenheit hauptsächlich mit gesundheitsschädlichen Beimischungen in Nahrungsmitteln, mittlerweile untersucht sie vermehrt auch Produktverfälschungen, die nicht halten, was sie versprechen.

Das freut den größten Hersteller von italienischem Hartkäse in den USA, Arthur Schuman. Er kritisiert den Betrug am Verbraucher und plädiert für eine Art "Reinheitsgebot" für Käse, wie es in Deutschland für das Bier gilt. Er behauptet, dass bei geriebenem Käse in den USA im Schnitt weniger als 40 Prozent des Produkts wirklich Käse ist.

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Für die Hersteller lohnt sich der Etikettenschwindel. Hundert Kilo Milch ergeben zwar zehn Kilo Cheddar, aber nur acht Kilo Parmesan. Der italienische Hartkäse verliert durch die monatelange Reifung viel Feuchtigkeit. Mischt man Zellulose oder andere Käsesorten unter den geriebenen Parmesan, machen die Hersteller mehr Gewinn, betrügen aber den Verbraucher.

Parmesan ist nicht gleich Parmesan

Grundsätzlich ist in den USA so gut wie nie Parmesan drin, wenn Parmesan draufsteht, zumindest, wenn man europäische Maßstäbe ansetzt. Dem EU-Recht zufolge darf Parmesan nämlich nur als solcher bezeichnet werden, wenn er ein Parmigiano-Reggiano ist, also ein Hartkäse der in den italienischen Provinzen Parma, Reggio Emilia, Bologna, Modena oder Mantua hergestellt wurde und entsprechend gereift und geprüft ist.

In den USA gilt diese Regelung aber nicht. Also wird der Parmesan in Wisconsin, Argentinien oder Mexiko hergestellt. Bis zu einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes versuchten auch viele europäischen Unternehmen, mit der einfachen Bezeichnung Parmesan statt Parmigiano-Reggiano die Herstellung in Italien zu umgehen. Der Gerichtshof befand aber, dass dieser Name als Anspielung auf die Ursprungsbezeichnung zu verstehen ist, und deshalb den gleichen Anforderungen entsprechen muss.