Österreich Café wirft Frauen nach Kuss raus

  • Ein lesbisches Paar küsst sich und wird aus einem Wiener Kaffeehaus geworfen.
  • Das Verhalten der Café-Besitzerin ist nach Erfahrungen von Mitgliedern der Homosexuellen Initiative Wien kein Einzelfall.
  • Eine Aktionsgruppe will nun ein Zeichen gegen Homophobie setzen und vor dem Kaffeehaus demonstrieren.
Von Manuel Stark

Ein junges Paar sitzt in einem Kaffeehaus in Wien. Die beiden sind verliebt. Umarmen und küssen sich. Zeigen ihre gegenseitige Zuneigung. Dem Kellner allerdings scheint das nicht zu gefallen. Als sich die beiden Frauen bei der Geschäftsführung über dessen abschätziges Verhalten beschweren, werden sie aus dem Café geworfen. Nun regt sich in Österreich Protest: Mit einer Kundgebung vor dem Café Prückel wollen Demonstranten ein Zeichen gegen Homophobie setzen.

"Der Kellner sagte wir sollen aufhören, wir dürfen das hier nicht", erzählt Kundin Anastasia Lopez dem österreichischen Kurier. Dabei hätten sie und ihre Freundin lediglich einen Begrüßungskuss ausgetauscht. "Es war mehr als ein Begrüßungskuss. Gegen einen solchen habe ich noch nie etwas gesagt", sagt dagegen Christl Sedlar, Inhaberin des Kaffeehauses. "Man muss ja nicht öffentlich zeigen, dass man zusammengehört", begründete sie ihre harsche Reaktion im österreichischen Fernsehen (ORF). Doch das scheint nicht ihre einzige Aussage gewesen zu sein.

Das Aktionsbündnis Achse kritischer Schülerinnen (AKS) wirft der Kafeehaus-Inhaberin homophobes Verhalten vor und beruft sich auf Zeugen. "Die Zurschaustellung der Andersartigkeit der Frauen gehört nicht in ein traditionelles Wiener Kaffeehaus, sondern in einen Puff", soll die Frau demnach gesagt haben. Sedlar wollte sich auf Anfrage von Süddeutsche.de nicht dazu äußern.

Problem ist kein Einzelfall

In Österreich ist die Aufregung groß - zumal fehlende Toleranz in Wiener Kaffeehäusern offenbar häufiger vorkommt. "Das ist sogar mir selbst schon passiert", sagt Anna Szutt von der Homosexuellen Initiative Wien. Aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis bekommt sie immer wieder ähnliche Erzählungen zu hören.

Das bestätigt auch Marlene P., die ebenfalls Mitglied der Initiative ist. Ihren vollen Namen will sie aus Furcht vor Diskriminierung nicht genannt wissen. "Über das Jahr verteilt bekommt man das selbst im persönlichen Umfeld immer mal wieder mit", sagt sie. Vom Café Prückel sei sie sehr überrascht und schwer enttäuscht. Gerade bei einem Kaffeehaus, das sich den Künstlern Wiens verschrieben habe, hätte sie so eine engstirnige Haltung nicht erwartet.

Durch den Vorfall wird deutlich, wie wenig Toleranz selbst an einem Ort herrschen kann, der eigentlich als liberal gilt. Bereits seit mehr als 100 Jahren beheimaten die Räume an der Ecke Stubenring in der Wiener Innenstadt ein Café. Das Kaffeehaus liegt gegenüber der Universität für angewandte Kunst und zählt vor allem Studenten und Künstler zu seinen Gästen.

Und eben diese Gäste legen besonders viel Wert auf Toleranz. Die Haltung der Belegschaft ist ihnen daher unbegreiflich. Für Freitag, 16. Januar, ist nun ein Protest vor dem Café Prückel geplant, über den auch das örtliche Radio berichtet. Mehr als 4000 Gäste haben am Montagnachmittag auf Facebook bereits ihr Kommen zugesagt. Eine Idee für die Demo: Knutschend das Cafe zu stürmen.