Niedersachsen Nur Vorzeigetiere sind willkommen

Seit 1904 galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet - da freute man sich über jeden Zuzug. Hundert Jahre später wurden in Deutschland immerhin sechs Wölfe gezählt, heute laufen allein in Niedersachsen 70 davon rum. Grundsätzlich ist der Wolf ja sehr willkommen. Wenn er sich denn gut benimmt.

Um den Tieren ihre Eingliederung zu erleichtern, forderten Tierschützer zuletzt ein Ende aller wolfsfeindlichen Darstellungen, wie sie in Märchenbüchern oder Kindersendungen üblich sind. Bei der Neugestaltung der TV-Serie "Wickie" achteten Redakteure sehr genau darauf, dass Wölfe weniger bedrohlich wirken als noch in der Urfassung aus den 1970er-Jahren. Damals hieß es im Wickie-Titellied: "Die Angst vorm Wolf macht ihn nicht froh, und im Taifun ist's ebenso". Vorbei.

Kein Mord, eine Notwendigkeit

Auch Niedersachsens Umweltminister Wenzel betonte auf der Pressekonferenz zu Kurtis Tod: Die "letale Entnahme" sei "im Einklang mit dem Artenschutz" geschehen. Als "Gefahrenabwehrmaßnahme" unter Einbeziehung des schwedischen Vergrämungsexperten und des "Wolf-Dokumentationszentrums" sowie mit "Amtshilfe durch die Polizei".

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Kein Mord also, sondern eine Notwendigkeit aus Gründen des "Wolfsmanagements". Schließlich gehe es darum, "die Akzeptanz für die Rückkehr der Wölfe hochzuhalten". Letztlich sei ja auch nicht das Tier, sondern der Mensch das Problem, wenn er Welpen anfüttere und Speisen im Wald liegen lasse. Auch Jäger und Naturschützer verteidigten die Tötung. Allein ein paar überambitionierte Tierfreunde ("Das war eine HINRICHTUNG!") twitterten sich ihr Netzwerk heiß.

Wie Asterix zum Image-Schaden beitrug

Wie gesagt: Das Verhältnis zwischen Mensch und Wolf bleibt problematisch. Noch bei den Griechen galt der Beutegreifer als heiliges Tier des Lichtgottes Apollon, später wurde er Kriegsgöttern wie Mars und Odin zur Seite gestellt. Im Asterix-Band 19 trägt der zwielichtige Seher Lügfix ein Wolfsfell. Durch solche Interpretationen war das Image des Tieres schnell im Eimer.

Die ehemalige brandenburgische Umweltministerin Anita Tack forderte deshalb schon vor Jahren eine ökopädagogisch sinnvolle Neufassung des Grimm-Märchens. "Rotkäppchen und der gute Wolf", so in der Art.

Für Kurti kommt das alles viel zu spät. Immerhin hat Umweltminister Wenzel gesagt, dass letale Entnahmen für ihn auch bei Problemwölfen immer nur das allerletzte Mittel seien.

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