Neu-Russe Depardieu trifft Putin Erste Umarmung unter Landsleuten

Der Filmstar Gérard Depardieu hat sich seinen russischen Pass persönlich in der neuen Heimat abgeholt. Ausgehändigt wurde dem 64-Jährigen das Dokument bei einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Auch das Staatsfernsehen war in Putins Residenz im Schwarzmeer-Kurort Sotschi zu Gast.

Der französische Filmstar Gérard Depardieu (64) hat sich seinen neuen russischen Pass persönlich in Russland abgeholt. Im Rahmen eines "privaten Besuchs" des Schauspielers habe er gestern Abend ein "kurzes Treffen" mit Staatschef Wladimir Putin in dessen Residenz in Sotschi am Schwarzen Meer abgehalten, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Außerdem sei Depardieu sein neuer Pass ausgehändigt worden.

Auf die Frage, ob Putin ihm das Dokument überreicht habe, antwortete sein Sprecher schlicht mit "Nein", ohne weitere Angaben zu machen. Das russische Fernsehen zeigte Bilder von dem Treffen. Zu sehen war, wie Depardieu und Putin sich umarmten und zusammen aßen.

Angeblich sprach Depardieu seinen Gastgeber auf einen Film an, in dem er den mysteriösen russischen Mönchen Rasputin verkörperte, der großen Einfluss auf Russlands letzten Zar Nikolaus II. hatte.

Putin hatte Depardieu am Donnerstag per Dekret die russische Staatsbürgerschaft zugesprochen. Depardieu ist auch in Russland äußerst beliebt, wo er Filme dreht, Galas besucht und als Werbefigur gefragt ist. In einem offenen Brief bekundete er seine Sympathie zu Putin und bezeichnete Russland als "eine große Demokratie".

Dagegen kritisieren Menschenrechtler die Auftritte des Schauspielers etwa zu Ehren des umstrittenen Machthabers der Konfliktregion Tschetschenien im Nordkaukasus, Ramsan Kadyrow.

Zuvor hatte der Filmstar ("Asterix und Obelix") im Streit mit Frankreichs sozialistischer Regierung um hohe Steuern für Reiche ein Haus in Belgien gekauft, um weniger Abgaben zahlen zu müssen. Verärgert über die folgende öffentliche Empörung kündigte Depardieu an, die französische Staatsbürgerschaft aufzugeben - und fand Gehör in Moskau.

Frankreichs Präsident Francois Hollande plant für Jahreseinkommen ab einer Million Euro einen Steuersatz von 75 Prozent. Zwar wurden die Reformpläne des sozialistischen Politikers vom Verfassungsrat vorübergehend gestoppt, doch Hollande hat bereits angekündigt, an seinem symbolträchtigen Projekt festhalten zu wollen. In Russland gilt dagegen eine pauschale Einkommensteuer von 13 Prozent.

Depardieu ist der bestbezahlte Schauspieler Frankreichs. Sein Vermögen wird auf 120 Millionen US-Dollar geschätzt.