bedeckt München 12°

Beschimpfung wegen Steuerflucht:"Ich gebe meinen französischen Pass ab!"

Gerard Depardieu

"Ich gebe meinen Pass ab!": Gérard Depardieu zieht nach Belgien und Franzose will er auch nicht bleiben

(Foto: dpa)

Gérard Depardieu will kein Franzose mehr sein. In einem bösen Brief an Frankreichs Premier macht der Schauspieler seinem Unmut Luft. Er gehe, weil die Regierung der Ansicht sei, Erfolg und Talent müssten bestraft werden.

Dem Schauspieler Gérard Depardieu, den Deutschen als dicker Obelix bekannt, reicht es. Mit wütenden Worten hat er dem französischen Premierminister Jean-Marc Ayrault einen Brief geschrieben, darin heißt es: "Ich gebe meinen französischen Pass ab!", und "Ich habe in 45 Jahren 145 Millionen Euro Steuern bezahlt, ich beschäftige 80 Arbeitnehmer." Er gehe, weil die Regierung der Ansicht sei, Erfolg und Talent müssten bestraft werden, schrieb er in dem Brief, den die Sonntagszeitung Journal du Dimanche veröffentlichte.

Zuvor hatte Depardieu bereits angekündigt, im belgischen Örtchen Néchin in ein schmuckloses Zollhaus zu ziehen - nicht etwa, weil ihm sein luxuriöses Anwesen in Paris nicht mehr gefällt, sondern weil in Frankreich Reichtum richtig teuer werden kann. Der sozialistische Staatspräsident François Hollande hat die Reichensteuer mit seiner Amtszeit enorm erhöht: Im Oktober beschloss die Regierung einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent.

"Erbärmlich" hatte Ayrault Depardieus Steuerflucht bezeichnet. "Das weise ich zurück!", schrieb Depardieu. Er verlange Respekt, nachdem keiner der zahlreichen anderen Unternehmer wegen seiner Steuerflucht derart angegangen worden sei. Tatsächlich befindet sich Depardieu in guter Gesellschaft: Charles Aznavour, Johnny Hallyday oder etwa Zinédine Zidane sind schon längst ins Ausland abgewandert.

Depardieu besitzt 120 Millionen US-Dollar, Restaurants und Weingüter

Depardieu ist der bestbezahlte Schauspieler Frankreichs, sein Vermögen hat das Wall Street Journal im Dezember auf 120 Millionen US-Dollar geschätzt. Er unterhält Restaurants und Weingüter, aus deren Sammlung er sich offenbar hin und wieder ein Gläschen zu viel genehmigt. Die Polizei nahm ihn mehrfach wegen Trunkenheit am Steuer fest, erst kürzlich fuhr Depardieu betrunken in Paris Motorroller.

In der französischen Hauptstadt, bekannt für ihre horrenden Immobilienpreise, besitzt Depardieu ein 1800 Quadratmeter großes Domizil, das "l'hôtel de Chambon" aus dem 19. Jahrhundert. Um seinen Abgang perfekt zu machen, will er nicht nur seinen Pass abgeben, nein, auch das Pariser Haus verkauft Depardieu.

Den umgekehrten Weg, also zurück nach Frankreich, nimmt der Schriftsteller Michel Houllebecq. Die Steuerdebatte sei ihm egal, die Sprache aber nicht: Der Hauptgrund für seine Rückkehr sei, dass er im Alltag wieder in seiner Muttersprache reden möchte, sagte der bislang in Irland lebende Houllebecq der AFP. Dass sich Depardieu in Belgien deshalb nicht heimisch fühlen könnte, sollte die französische Regierung nicht hoffen, schließlich sprechen ihre Nachbarn dieselbe Sprache.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/sana/mahu

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite