Las Vegas Trump hält Debatte über Waffengesetze für verfrüht

US-Präsident Trump beschwört nach dem Angriff in Las Vegas die Einheit des Landes.

(Foto: AFP)
  • US-Präsident Trump wendet sich nach dem Angriff in Las Vegas an die US-Bevölkerung und die Angehörigen der Opfer.
  • Er findet tröstende Worte und zitiert aus der Bibel.
  • Am Mittwoch will Trump nach Las Vegas reisen.
  • Die Opposition fordert inzwischen schärfere Waffengesetze.

US-Präsident Donald Trump hat in einer Ansprache an die US-Bevölkerung den Angriff in Las Vegas verurteilt. Zu den Waffengesetzen in seinem Land äußerte er sich indes nicht.

"Wir kommen heute zusammen, in Betrübnis, in Schock und in Trauer", sagte er vor Reportern im Weißen Haus. Der Schütze habe mehr als 50 Menschen auf brutale Weise getötet. "Es war eine Tat des absolut Bösen", sagte Trump in seiner Rede. Das FBI und andere staatliche Behörden würden den Ermittlern in Las Vegas zur Seite stehen. Vor allem den lokalen Polizeibehörden und den Helfern, die sofort am Tatort eintrafen, gelte sein Dank.

Ein Festival für das Heartland

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An die Familien der Opfer gerichtet, fand er tröstende Worte und zitierte aus der Bibel: "Wir beten für euch und sind für euch da." Er fügte ein Zitat aus einem Psalm aus dem Alten Testament an: "Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben." Im Moment der Tragödie stehe die Nation vereint beisammen, sagte der US-Präsident. "Unsere Verbundenheit kann nicht durch Gewalt gebrochen werden. Es ist unsere Liebe, die uns heute prägt - und es für immer tun wird". Am Mittwoch will Trump nach Las Vegas reisen. Er ordnete an, die Flaggen auf Halbmast zu setzen. Später nahmen er, seine Frau Melania und Vizepräsident Mike Pence an einer Schweigeminute für die Toten teil.

Justizminister Jeff Sessions hat sich in der Sache bereits mit dem neuen FBI-Direktor Christopher Wray getroffen. "Ich habe auch mit dem Sherriff von Las Vegas gesprochen", erklärte Sessions. Das Justizministerium werde ihm jegliche Unterstützung bei der Aufklärung der Tat bieten. "An die vielen betroffenen Familien, deren Leben durch diese abscheuliche Tat verändert wurde: Wir schließen Sie in unsere Gebete ein und versprechen, dass wir alles, das in unserer Macht steht, tun werden, um Gerechtigkeit für ihre Lieben zu erhalten".

Debatte über Waffengesetze

Während Trump und die Mitglieder seiner Regierung zur Trauer aufgerufen haben, forderte die Opposition eine Verschärfung der US-Waffengesetze. Die Kongressabgeordnete der Demokraten, Nancy Pelosi, verdeutlichte ihre Position in einem Brief an den Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus, Paul Ryan. "Der Kongress ist moralisch verpflichtet, diese entsetzliche Epidemie anzusprechen". Sie drängt auf die Einrichtung eines Komitees, das Gewalt mit Waffen erforscht und Vorschläge zur Änderung der bestehenden Gesetze gibt.

Trump ließ über seine Sprecherin Sandra Huckabee Sanders ausrichten, dass er eine Debatte über das Waffenrecht für verfrüht halte.Präsident Trump habe aber mehrmals deutlich gemacht, dass er ein Befürworter des zweiten Verfassungszusatzes sei. Dort ist das grundsätzliche Recht auf den Besitz von Schusswaffen für US-Bürger festgeschrieben. "Es wird einen Zeitpunkt und Ort für eine politische Debatte geben. Aber jetzt ist erst einmal der Zeit, als Nation vereint zusammenzustehen", so Sanders weiter.

Zweite Ansprache nach Angriff in Trumps Amtszeit

Nach bisherigen Erkenntnissen feuerte ein 64-Jähriger aus dem 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels auf die Zuschauer des "Route 91 Harvest"-Festivals, einer Countrymusik-Veranstaltung. Zum Zeitpunkt der Tat hielten sich etwa 22 000 Menschen auf dem Gelände auf. Mindestens 59 wurden getötet und mehr als 500 verletzt. Damit handelt es sich um den schlimmsten derartigen Vorfall in der US-Geschichte.

Es ist das zweite Mal, dass sich Trump in seiner achtmonatigen Amtszeit nach einem Angriff aus dem Hinterhalt an die Bevölkerung wenden muss. Mitte Juni hatte ein 66-Jähriger mehrere Schüsse auf Republikaner, die für ein jährlich ausgetragenes Baseball-Benefizspiel in Alexandria trainierten, abgegeben. Dabei wurde Steve Scalise aus Louisiana angeschossen, der drittmächtigste Republikaner im Repräsentantenhaus. Tote gab es bei diesem Vorfall nicht, abgesehen vom Attentäter, der von der Polizei erschossen wurde.

Entgegen seiner Art bei ähnlichen Angriffen im Ausland impulsiv eine erste Einschätzung via Twitter zu veröffentlichen, hatte der US-Präsident sich im Fall von Las Vegas zurückgehalten. Lediglich eine Kondolenznachricht schickte er am Morgen an die Opfer und ihre Angehörigen.

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