Katholische Kirche Papst lädt Missbrauchsopfer in Vatikan ein

Seinem Vorgänger Benedikt XVI. werfen Kritiker vor, zu lange geschwiegen zu haben. Papst Franziskus kündigt nun "null Toleranz" gegenüber Kindesmissbrauch in der Kirche an und verurteilt sexuelle Übergriffe scharf. In Rom will er mit Betroffenen sprechen.

Papst Franziskus hat ein entschiedenes Vorgehen der Kirche gegen Verantwortliche sexueller Übergriffe auf Minderjährige versprochen. Der Missbrauch Schutzbedürftiger sei "ein Sakrileg" und vergleichbar mit einer "satanischen Messe", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montagabend auf der Rückreise von einer mehrtägigen Reise im Nahen Osten nach Rom vor Journalisten.

Kinder und Jugendliche suchten in der Kirche die Heiligkeit Gottes und und die Täter würden mit ihren Vergehen Gott "verraten". Gegen drei Bischöfe werde derzeit wegen pädophiler Übergriffe ermittelt, einer sei bereits verurteilt worden, fuhr Franziskus fort. Es gebe für die Beschuldigten "keine Privilegien". Die Kirche müsse gegen Kindesmissbrauch mit "null Toleranz" vorgehen.

Der Papst kündigte außerdem für kommende Woche eine Messe in seiner Residenz im Vatikan an, die er gemeinsam mit bis zu acht Missbrauchsopfern feiern wolle. Anschließend wolle er sich mit ihnen über ihre Erfahrungen unterhalten. Zwei der Opfer sind Deutsche, andere Betroffene kommen aus Großbritannien und Irland.

Die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre hatten die katholische Kirche heftig erschüttert und ihrem Ansehen massiv geschadet. Papst Franziskus hatte die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester kürzlich um Verzeihung gebeten und strenge Strafen für die Täter gefordert.

Papst verteidigt Zölibat

Anfang Februar hatte das UN-Komitee für Kinderrechte dem Vatikan systematische Vertuschung sexuellen Missbrauchs durch Priester vorgeworfen. Die Kirche stelle die Sorge um ihr eigenes Ansehen über das Kindeswohl, hatte es in einem Bericht des Komitees geheißen. Der Vatikan hatte die Vorwürfe als unfair und ideologisch voreingenommen zurückgewiesen.

Missbrauchsfälle in zahlreichen Ländern hatten die Kirche unter anderem in Deutschland in eine tiefe Krise gestürzt. Medienberichten zufolge entließ Franziskus' Vorgänger, Benedikt XVI., in den Jahren 2011 und 2012 etwa 400 Priester wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch. Benedikt wird von Kritikern aber angelastet, zu lange geschwiegen zu haben. Auch in Deutschland sind nach Angaben des UN-Komitees viele Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester bislang nicht untersucht worden.

Überschattet von einem Brandanschlag am letzten Abend seiner Reise hatte sich Papst Franziskus für Versöhnung im Nahen Osten eingesetzt. Außerdem nahm der Papst auch zum Zölibat und zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Stellung. Unverheiratete Priester seien ein Geschenk an die Kirche, das er schätze, und kein Glaubensdogma, verteidigte er den umstrittenen Zölibat. Zwar seien die Türen für eine Diskussion offen, derzeit stünden jedoch für die Kirche andere Themen mehr im Mittelpunkt.

Der emeritierte Vorgänger Benedikt XVI. habe mit seinem Rücktritt ein Zeichen für kommende Päpste gesetzt, meinte Franziskus. Wenn ein Papst fühle, dass seine Kräfte schwinden, müsse er sich dieselben Fragen stellen wie Benedikt. "Er hat damit die Tür geöffnet für emeritierte Päpste, die es zuvor nicht gegeben hat." Franziskus hatte erstmals im vergangenen Jahr eine - damals stundenlange - "fliegende Pressekonferenz" gegeben, auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom.