Missbrauchsvorwürfe gegen den Vatikan Unfair, aber verdient

Die Vereinten Nationen tun gut daran, den Vatikan für seine Versäumnisse zu kritisieren. Als Dokument des Misstrauens kann so ein Bericht allerdings gar nicht fair sein. Andererseits: Dieses Misstrauen hat sich die katholische Kirche durch Leugnen und Vertuschen erarbeitet.

Ein Kommentar von Matthias Drobinski

Die Kinderrechtskommission der Vereinten Nationen tritt der katholischen Kirchenspitze in Rom vors Schienbein, und bei manchem, was sie anführt, sollte sie es gleich noch einmal tun. Ja, die Päpste Benedikt und Franziskus haben Scham und Abscheu angesichts der Verbrechen bekundet, sie haben die Regeln zum Kinderschutz verbessert, zahlreiche Priester suspendiert. Trotzdem, so zeigt der UN-Bericht, herrscht im Vatikan noch immer die Auffassung: Die besten Aufklärer sind wir, und am besten klären wir auf, wenn uns keiner stört.

Leider stehen in dem Bericht auch merkwürdige Dinge. Die Kirche soll die Namen aller Täter und Verdächtigen herausgeben - wie wäre es, wenn man das auch von der Bundesrepublik verlangte, da es auch Übergriffe an staatlichen Schulen gibt? Zudem gibt es manchmal Gründe, einen überführten Täter nicht einfach zu entlassen, sondern ihn unter Kontrolle zu halten.

Man muss nicht gleich wie der Vatikansprecher die Glaubensfreiheit angegriffen sehen, wenn der Bericht die Haltung der Kirche zur Sexualität mitverantwortlich für den Missbrauch macht - aber das Argument ist doch ein bisschen schlicht. Es macht es dem Vatikan leicht, böse Kirchenfeinde am Werk zu sehen.

Der Bericht ist ein Dokument des Misstrauens, so etwas ist nie ganz fair. Allerdings: Die katholische Kirche hat sich dieses Misstrauen ehrlich erarbeitet - durch langes Vertuschen und Leugnen.

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