Foto von Kaiserschnitt-Wunde Narbe fürs Leben

Kaiserschnitt-Narbe Kaiserschnitt-Narbe einer Mutter, fotografiert von Helen Aller und auf Facebook gepostet. Wasserzeichen nicht entfernen!

(Foto: Helen Aller)

Eine Geburt per Kaiserschnitt ist nicht ungewöhnlich. Das Foto einer Operationswunde sorgt trotzdem für Aufsehen. Ist es ästhetisch oder anstößig?

Von Esther Widmann

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist das immer mit Schmerzen verbunden. Bei einem Kaiserschnitt leiden viele Frauen aber nicht nur unter den physischen Schmerzen der Wunde, die das Skalpell hinterlässt. Sondern oft auch unter dem psychischen Druck, den andere Frauen und die Gesellschaft auf sie ausüben, weil ihr Kind nicht auf "natürliche" Art und Weise geboren wurde.

So ist die Aufregung um ein Foto nicht verwunderlich, das im Internet innerhalb weniger Tage fast zwölf Millionen Mal angeschaut worden ist. Die britische Fotografin Helen Aller hat es auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Es zeigt den nackten Unterkörper einer Frau, ihre Vagina ist vom Kopf eines auf ihren Oberschenkeln zusammengekauerten Neugeborenen verdeckt. Und über dem grob rasierten Venushügel verläuft eine dunkle, vielleicht 15 Zentimeter lange Linie: Dort wurde drei Tage zuvor mit einem Skalpell der Bauch der Frau aufgeschnitten, um das Baby auf die Welt zu holen.

In ihrer Bildunterschrift erklärt die Fotografin, die selbst im achten Monat schwanger ist: "Ich habe die Schwangerschaft dieser Mama vor einiger Zeit fotografiert und sie erzählte mir, wie viel Angst sie vor einem Kaiserschnitt habe. Vergangene Woche setzten die Wehen ein, aber nach Komplikationen war ein Kaiserschnitt nötig. Sie bat mich, dieses besondere Foto zu machen, weil ihr schlimmster Alptraum sich als die Rettung für ihr Leben und das ihres Kindes herausstellte."

So reagiert Facebook auf das Foto

Die Mehrzahl der Kommentare unter dem Bild ist überaus positiv, viele Frauen und auch einige Männer berichten von lebensrettenden Kaiserschnitten und gratulieren der Fotografin zu dem Bild. Bei der Huffington Post kommentierte eine Frau, deren Sohn per Notfall-Kaiserschnitt auf die Welt kam: "Der Chirurg nannte meine Kaiserschnittnarbe eine 'Schlachtennarbe aus dem Kampf um das Leben'".

Es gibt allerdings auf den Seiten, die das Bild ebenfalls geteilt haben, auch negative Kommentare: Das Bild sei zu persönlich und überhaupt nicht schön. Mindestens ein Nutzer meldete das Bild offenbar auch bei Facebook als verwerflichen Inhalt. Die Verantwortlichen des sozialen Netzwerks, die in der Vergangenheit bereits Bilder von stillenden Müttern für zu anstößig hielten, nahmen das Foto jedoch nicht von der Seite.

Im Jahr 1991 sorgte der von Annie Leibovitz fotografierte Titel der Zeitschrift Vanity Fair mit der hochschwangeren und nackten Schauspielerin Demi Moore noch für großes Aufsehen und Diskussionen. Inzwischen gibt es solche Bilder häufiger: Erst vor wenigen Tagen hatte die schwangere Kim Kardashian mit einem Nacktfoto von sich reden gemacht. Auch andere Prominente haben ihren nackten Babybauch fotografieren lassen und öffentlich gezeigt, so die Sängerin Christina Aguilera und die US-amerikanische Schauspielerin Naya Rivera aus der Fernsehserie Glee.

Das Foto einer Kaiserschnittwunde dagegen scheint nach wie vor für viele ein Tabu zu sein.

"Es gibt eine klare Überversorgung während der Schwangerschaft"

Bis zu 29 Ultraschalluntersuchungen: Fast alle werdenden Mütter nehmen viel mehr Tests in Anspruch als nötig. Die Schwangere wird zur Patientin, kritisieren Experten. mehr...