In ganz Deutschland warb Konstanz als "Die Stadt am H2O" - allerdings war auf den Plakaten nicht die chemische Strukturformel von Wasser, sondern die von Formaldehyd zu sehen.
Städte sind heute nicht mehr einfach eine Ansammlung von Häusern, in denen die Menschen wohnen. Städte sind Events, ein permanentes Happening, der ständige Wahnsinn. Bei gleichzeitig hoher Lebensqualität, Ruhe und Sicherheit. Nach Ansicht von Stadtmarketing-Menschen, die seit ein paar Jahren stärker in Erscheinung treten, sind Städte in einem andauernden Wettkampf um die besten Bewohner.
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In ganz Deutschland warb Konstanz mit den Plakaten - auf der allerdings eine falsche Formel zu sehen war. (© Foto: S. Berndt)
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So wie Banken ständig um die besten Banker kämpfen. Wo das hinführt bei den Banken, weiß man nun. Die machen dennoch einfach weiter und haben den Vorteil, bei Bankern, die sie wollen, einfach mehr zu bezahlen als die anderen. Städte können neuen Einwohnern kein Geld bezahlen, das wäre gegen das Gesetz. Darum machen sie Werbung.
Konstanz war bisher eine Stadt am Bodensee. Das reichte dem Stadtmarketing dort nicht, aus Konstanz wurde "Die Stadt am H2O", so wie aus Mannheim, der Quadratestadt, "Mannheim2" geworden war. Die Mannheimer konnten mit ihrer Formel nicht viel falsch machen, die Konstanzer schon. Sie zeichneten den See auf großen Plakaten mit der chemischen Strukturformel nach.
Künstlerische Freiheit
2500 Mal wurde so in Deutschland für Konstanz geworben. Einem Chemiker fiel schließlich auf, dass die Formel Formaldehyd ergibt und nicht Wasser.
Die Schöpfer der Kampagne beriefen sich auf die künstlerische Freiheit, die Chemiker darauf, dass es einen Unterschied mache, ob man Wasser trinke oder Formaldehyd einatme, ein giftiges Gas. Am Ende wurden die Plakate abgehängt.
Der Bodensee selbst ist von der Affäre nicht betroffen, Millionen Menschen in Baden-Württemberg trinken sein Wasser, das sauber ist wie nie. In den vergangen Jahrzehnten wurden so viele Kläranlagen gebaut, dass die Berufsfischer finden, er könnte durchaus etwas dreckiger sein.
Es gibt kaum noch Fische im See, weil es kaum noch Plankton gibt. Formaldehyd würde da aber auch nicht helfen, der See bräuchte mehr Stickstoff.
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(SZ vom 28.08.2009/dmo)
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Ihr habt Probleme... echt!
"Hier zeigt sich wieder einmal, das die Werbefritzen eben nix können. Außer kreativ."
Na, da haben wir doch das vorherrschende Kredo der modernen Kunst: Kunst = Kreativitaet. Stimmt aber nicht, denn Kunst = Kreativitaet + Koennen. So hatte Leonarde daVinci z.B. eine besondere Fertigkeit im Umgang mit Pinsel und Farbe und darueber hinaus handwerkliches Geschick. Leider ist es bei vielen Kuenstlern der Gegenwart mit dem Koennen nicht so weit her.
Eher ein Beweis für mangelnde Schulbildung. Selbst ein Hauptschüler sollte die Strukturformel von Wasser kennen. Hier zeigt sich wieder einmal, das die Werbefritzen eben nix können. Außer kreativ.
Also im Falle von "Mannheim^2" ist das ja noch ganz lustig und zutreffend, aber dieses Beispiel demonstriert doch recht beeindruckend das solches "Marketing" im Normalfall eine nutzlose bis kontraproduktive Vergeudung von Steuergeld ist. In diesem Fall hat sich Konstanz laecherlich gemacht. Vorher hat uns "be berlin" ein verstaendnisloses Kopfschuetteln entlockt.
"Es gibt kaum noch Fische im See, weil es kaum noch Plankton gibt. Formaldehyd würde da aber auch nicht helfen, der See bräuchte mehr Stickstoff"
Plakativ, aber übertrieben. Der limitierende Faktor ist übrigens nicht Stickstoff, sondern Phosphor.
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