Exodus International Homosexuellen-"Heiler" entschuldigen sich

Homosexualität entsteht durch negative Erfahrungen und kann durch Gebete geheilt werden: Mit dieser Überzeugung versuchte die Organisation "Exodus International" über Jahrzehnte hinweg, Schwule und Lesben zu bekehren. Jetzt stellt die Gruppe ihre Arbeit ein - und entschuldigt sich für ihr Handeln.

Es ist ein Eingeständnis, auf das viele Homosexuelle lange gewartet haben dürften: Die Organisation "Exodus International", die sich selbst als "christlicher Informationsdienst" bezeichnet, hat sich für ihre Ansichten und ihr Wirken in den vergangenen Jahren entschuldigt. In einer Mitteilung auf ihrer Webseite veröffentlichte der Präsident der Gruppe, Alan Chambers, jetzt einen offenen Brief an Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender:

Please know that I am deeply sorry. I am sorry for the pain and hurt many of you have experienced. I am sorry that some of you spent years working through the shame and guilt you felt when your attractions didn't change. I am sorry we promoted sexual orientation change efforts and reparative theories about sexual orientation that stigmatized parents,

heißt es dort unter anderem. 2011 hatte Chambers laut Huffington Post noch in einer Fernsehshow die Meinung vertreten, das Gegenteil von Homosexualität sei nicht Heterosexualität, sondern Frömmigkeit.

Als religiöse Gruppierung versuchte Exodus International seit den siebziger Jahren, Homosexuelle durch Gebete und die Hinwendung zu Gott zu bekehren. Die Gruppe ging davon aus, ein Mensch sei nicht von Natur aus homosexuell, sondern entwickle diese Neigung unterbewusst durch negative Erfahrungen in der Kindheit und Jugend. Da es sich nicht um eine angeborene Orientierung handle, sei es durchaus möglich, Schwule und Lesben zu "heilen", so die Annahme.

In den USA wird die Organisation der Ex-Gay-Bewegung zugerechnet. Viele, die sich bei Exodus International und anderen religiös motivierten Gruppen einer "Therapie" unterzogen, hatten währenddessen und danach mit psychischen Problemen zu kämpfen - weil ihnen ein Gefühl der Minderwertigkeit vermittelt wurde, aber auch, weil sie den "Absprung" aus der Homosexualität nicht "schafften".

Wenige Stunden nach dem Brief erschien auf der Internetseite von Exodus International eine weitere Mitteilung. Die Organisation werde ihre Arbeit beenden, heißt es darin. Eine neue Christengeneration warte auf Veränderungen, die alten Annahmen seien schlicht nicht mehr zeitgemäß. Und Exodus International wartet mit einer gewissen Dringlichkeit auf neue Mitglieder - bald soll eine neue Gruppe gegründet werden, die offener sei und gegenseitige Ängste abbauen helfe.