Exekution in den USA Verurteilter ringt zwei Stunden lang mit dem Tod

Die Verteidiger des verurteilten Joseph Wood (Bild) hatten im Vorfeld der Hinrichtung nähere Informationen über die eingesetzten Substanzen gefordert.

(Foto: AP)

Im US-Bundesstaat Arizona kommt es bei einer Hinrichtung erneut zu einer schweren Panne: Der verurteilte Mörder schnappt noch eine Stunde nach der Injektion nach Luft - seine Verteidiger stellen während der Hinrichtung einen Eilantrag an ein Gericht.

  • Während in den USA seit Wochen heftig über die bei der Todesstrafe eingesetzten Giftmischungen diskutiert wird, hat im Bundesstaat Arizona erneut ein Verurteilter einen qualvollen Tod erlitten. Der zweifache Mörder starb erst zwei Stunden nach Injektion der Spritze.
  • Der 55-Jährige hatte im Vorfeld nähere Informationen über die eingesetzten Substanzen eingefordert.
  • Der Mix aus dem Schmerzmittel Hydromorphon und dem Medikament Midazolam war in den USA erstmals im Januar eingesetzt worden.

Verurteilt wegen zweifachen Mordes

Ein US-Todeskandidat ist am Mittwoch im US-Bundesstaat Arizona erst zwei Stunden nach einer Giftinjektion gestorben. Der wegen des Mordes an seiner Ex-Freundin und deren Vater im Jahr 1989 verurteilte Joseph Wood wurde um 15:49 Uhr (Ortszeit, 00:49 Uhr MESZ) für tot erklärt - zwei Stunden nachdem er die tödliche Giftinjektion erhalten hatte, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Verteidiger scheitern mit Eilantrag

Noch etwa eine Stunde nach der Injektion der Spritze habe der 55-Jährige noch immer geschnaubt und nach Luft geschnappt, schrieben seine Verteidiger in einem Eilantrag. Sie beriefen sich auf den achten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung, der "grausame und ungewöhnliche Bestrafungen" verbietet. Kurz nachdem die Anwälte auch beim Obersten Gericht von Arizona einen Abbruch der Hinrichtung beantragt hatten, war Wood tot.

Gift-Mix erstmals im Januar eingesetzt

Die für Mittwochmorgen (Ortszeit) geplante Hinrichtung war zunächst ausgesetzt worden. Das Oberste Gericht in Arizona machte diese Entscheidung dann aber rückgängig und gab am Mittwoch grünes Licht für die Hinrichtung, ohne den Entschluss näher zu begründen.

Woods Verteidiger hatten im Vorfeld argumentiert, dass der Verurteilte mehr Informationen über seine bevorstehende Exekution benötige, darunter Details über die eingesetzten tödlichen Substanzen. Der in Arizona verwendete Mix aus dem Schmerzmittel Hydromorphon und dem Medikament Midazolam, mit dem Patienten vor Operationen beruhigt werden, war in den USA erstmals im Januar eingesetzt worden.

Heftige Debatte seit qualvollem Tod in Oklahoma

Bereits seit Wochen gibt es im Land eine heftige Debatte um die bei der Todesstrafe verwendeten Giftmischungen, seitdem ein Verurteilter in Oklahoma einen qualvollen Tod starb: Dem 38-Jährigen war beim Spritzen eines Gifts eine Vene geplatzt. Er verzerrte das Gesicht, wälzte sich umher und schnappte nach Luft, statt bewusstlos zu werden. Erst 43 Minuten später setzte nach einem Herzinfarkt der Tod ein. Eine Untersuchung ergab später, dass die Spritze nicht korrekt gesetzt wurde.

Weder erprobt noch offiziell zugelassen

Die USA haben Probleme bei der Versorgung mit den für die Giftinjektionen verwendeten Mitteln, seitdem die europäischen Zulieferfirmen sich weigern, dafür das Betäubungsmittel Pentobarbital zu liefern. Mehrere der 32 US-Bundesstaaten, die noch die Todesstrafe vollstrecken, benutzen seitdem neue Mittel, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind.

Die Giftspritze ist die am häufigsten verwendete Methode. Daneben sind in einigen Staaten auch Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl, in Gaskammern (Arizona, Missouri, Wyoming) oder durch Erhängen (Delaware, New Hampshire, Westküstenstaat Washington) erlaubt.